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Ketten und Bänder

Ketten und Bänder

Was wäre eine Forstmaschine ohne Ketten und Bänder, wenn es ins schwere Gelände geht?
Eher ein Steh- denn ein Fahrzeug. Daher gehören diese Produkte auch zum Ausstellungsprogramm der Elmia Wood.
Ein Überblick über die Neuheiten in diesem Segment.

Vor fünf Jahren formte Gunnebo Industries AB aus den Kettenproduzenten Gunnebo (Schweden), OFA (Finnland) und Telefsdal (Norwegen) sowie dem Bogiebandspezialisten Clark Tracks (Schottland) die Nordic Traction Group. Alle Firmen gehörten bereits seit Jahren zu Gunnebo, bis 2015 der Investmentfonds Accent Equity die Gruppe übernahm, der Anfang dieses Jahres auch Mehrheitseigner bei EcoLog wurde. Auf dem gemeinsamen Stand der vier Marken präsentierte OFA zwei Neuigkeiten. Erstens ist die Kette „Paragon Soft“ zu erwähnen, eine Ergänzung zu der seit drei Jahren verkauften Kette „Paragon“. Das Netz besteht nun aus Ringen und ist weicher, weil die Teile nicht mehr verschweißt sind. Damit sollen die Anpassung an den Boden und eine höhere Selbstreinigung erreicht werden. OFA beginnt mit der 16-mm-Varianten, andere Stärken können bei Nachfrage auch bald erhältlich sein. Ein Paar Paragon Soft für 26,5er-Reifen wiegt 436 kg.

Auch für das OFA-Urgestein, die Kette Matti W, gibt es Neues zu vermelden. Hier werden die Spikes bisher auf die Verbindungsglieder geschweißt und stehen in Linie. Das ist nun anders. Nach dem Schweißen wird das Kettenglied nochmal erhitzt und dann um fast 30° verdreht. Damit stehen die beiden Spikes seitlich ab. OFA verspricht sich davon einen stabileren Eingriff in den Boden, mehr Traktion und eine stabilere Auflage der Kette für den Vortrieb. Preislich ändert das für den Kunden nichts. Vorerst gibt es diese Neuerung nur für die 16-mm-Variante der Matti W.

Der Bogieband-Produzent Clark Tracks hat sich mit dem Aufbau der Bänder beschäftigt. Herausgekommen ist das neue Verbindungsglied „Haggis Ultra Link“, benannt entweder nach dem schottischen Nationalgericht im Schafmagen oder dem einseitig kurzbefusstem Fabelwesen, das nur in eine Richtung und in Schichtenlinien um die Berge laufen kann. Im Ernst, das Teil ist asymmetrisch aufgebaut. Außen ist die Platte stärker ausgeführt, innen wegen Reibung am Reifen abgeflacht und dünner. Die Bolzen, in denen die Querstege eingesetzt werden, haben eine besondere Form erhalten. Sie ähneln dem Profil alter Flugzeugflügel: Die Vorderseite arbeitet mit größerem Radius, um leichteres Abrollen zu ermöglichen, an der Hinterseite sind sie spitzer ausgeführt, um den Stegen beim Abrollen an der Reifenkurve zu helfen. Das soll die Lebensdauer verlängern und etwas Diesel sparen. Clark spricht von guten Zahlen. Das Geschäftsjahr, das mit April endete, zeugte mit einem Verkaufsplus von mehr als 200 Paar Bändern deutlich nach oben. Die Lage in Deutschland sei momentan „etwas turbulent“, weil Clark die zwei größten Partner Kox und Kotschenreuther verloren hat und nun Händler sucht. Man sei aber zuversichtlich, dies in Bälde bereinigen zu können, wie Direktor Stewart Kelly erläuterte. Er erwartet stabilen Absatz hierzulande und steigende Nachfrage auch im borealen Gebiet.

Für Olofsfors kam die Elmia etwas zu früh. Man versprach, im Herbst drei neue Bänder-Typen vorzustellen. Genaueres ließ man sich nicht entlocken. Ebenfalls keine neuen Bänder stellte Koppom Maskin aus. Als interessante Details wären bei diesem Händler wohl zu nennen, dass die Bänder für die Schweden in Asien gefertigt werden und dass die Preise im Vergleich zu europäischen Produkten „interessant“ sein sollen.

Anders als diese beiden Firmen stellten die Firmen Eagle Jumbo, Pewag und Veriga Neuheiten vor. Der chinesische Kettenhersteller Eagle Jumbo/General Industry zeigte gar sein erstes Bogieband überhaupt. Wie der Verkaufsleiter Lu Quanha mitteilte, werden alle Teile der Bänder aus Borstahl geschmiedet. Die Seitenhalterungen und die Verbindungsglieder werden von Robotern geschweißt. Die Oberflächenhärte soll deutlich über der anderer Anbieter liegen und zu einer hohen Lebensdauer der preisgünstigen Bogiebänder beitragen. Erhältlich ist bisher ein Traktionsband für Bogieachsen und Einzelräder. Das Unternehmen sucht noch nach einem Vertrieb in Europa.

Die Firma Pewag aus Österreich kombinierte die breiten Stege des „flow wide“-Bandes und die schmalen Teile des „bluetrack perfekt“ zum neuen Produkt „bluetrack flow-perfekt“. Das geht auf Kundenwunsch zurück. Die wollten eine Kombination aus gutem Halt im Fels und Tragfähigkeit auf weichen Böden. Preislich liegt das neue Produkt in der Mitte zwischen den beiden Grundtypen, wie es hieß.

Der slowenische Hersteller Veriga lackiert seine Ketten und Bänder in Grün. Die bewirbt man auch mit dem Slogan „Schützt Deinen Wald“ und der Bezeichnung „Greenline“. Auch hier gibt es Bänder für Einzelräder.

Zum Abschluss noch zwei Kettenhersteller. Die Aalener Firma RUD mischte die Zahlen 3 und 6 für die neue Kette zum Namen „Hexa Trident“. Auf der Elmia war das bisher einzige existente Paar dieses Produktes zu sehen. Der sechseckige Aufbau des Netzes ist gleich erkennbar, für den Dreizack muss man aber genauer hinschauen. Es handelt sich dabei um ein geschmiedetes Traktionsglied mit zwei Stegen und einer mittleren, tiefer liegenden Spitze (anstatt angeschweißter Spikes). Es steckt jeweils auf dem flach liegenden langen Kettenglied der Sechsecke. Stege und Spitze sind unterschiedlich gehärtet. Nach Abarbeiten der Außenstege soll die Mittelspitze der Kette noch längere Einsatzzeit ermöglichen. Der Hersteller nennt verstärkten Flankenschutz und höhere Selbstreinigung als weitere Vorteile. Die Kette gibt es vorerst in den Stärken 14 und 16 mm und ist ab sofort erhältlich.

Der Kettenproduzent Trygg kommt aus Norwegen. Er hatte zwei neue Produkte dabei, nach mythischen Gestalten benannt. Der Typ „Troll“ ist massiver gebaut, die Kette gibt es nur mit 16 mm Durchmesser. Es sind drei Netze auf der Lauffläche angeordnet. An den Ecken der Rauten sind zwei ovale Kettenglieder an ihren Längsseiten miteinander verschweißt. Dann wird von unten ein Halbring aus 19 mm starkem Draht so eingesteckt, dass sich die Doppelglieder dazwischen befinden und die offene Seite nach außen weist. So stützt sich der als Doppelspike wirkende Halbring unten auf dem Reifen ab. Das bringt, so der Hersteller, höhere Stabilität der Kette, besseren Eingriff und mehr Traktion. Der Troll ist für Reifen ab 24,5-Zoll-Felgen und aufwärts ab sofort und für Ponsse-Käufer auch als OEM-Produkt zu haben. Einer anderen Sagenwelt entstammt der Namensgeber für die „Satyr 16“. Diese Kette zeichnet sich durch ein Schmiedeteil mit zwei längs abgewinkelten geriffelten Stollen aus, die in den quer laufenden Kettenteilen eingesetzt sind. Diese Kette im 16-mm-Material gibt es ab Herbst zu kaufen. Wer besonderes Gelände vorfindet, kann die Satyr 16 auch um die Längsglieder mit U-förmigen Spikes kürzen lassen und hat damit laut Hersteller eine Traktionshilfe für aggressiven Fels am Rad.

Anton Friedrich

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