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Rücke-Fuchs

Peter Kerscher aus Roding-Wetterfeld hat eine kleine Maschine gebaut, mit der man schwaches bis mittleres Langholz boden- und bestandesschonend an die Rückegasse vorliefern kann. Dort kann es gepoltert werden, oder gleich auf Brennholzlänge in einen bereitstehenden Anhänger geschnitten werden.

Die Idee hatte Peter Kerscher schon lange, doch bei der Umsetzung kam er über die ersten Schritte nie so recht hinaus. Als er aber hörte, dass im Juni 2016 die größte Forstmesse der Welt in Roding Station machen sollte, da wollte er seinen Rücke-Fuchs unbedingt dort zeigen. Er meldete das kleine Rückegerät sogar zum KWF-Innovationspreis an. Das war zwar vergeblich, dennoch erregte seine Maschine auf der KWF-Tagung durchaus Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich schon deswegen, weil niemand wusste, was man mit ihr machen könnte, so anders geht Kerscher das Thema Langholzrücken an.

Einzugsketten mit Spikes

Sein Rücke-Fuchs besteht aus einem Grundrahmen mit Raupenlaufwerk, auf dem eine hydraulisch nach vorne und hinten kippbare Ladeplattform sitzt. Ihr vorderer Teil dient mit drei stachelbewehrten Ketten zugleich als Stammeinzug. Mit einer Kabelfernbedienung fährt der Bediener das knapp 460 kg schwere und 1,40 m breite Gerät vom Pkw-Anhänger zu den gefällten Stämmen in den Bestand. Dort wird die Einzugsplattform so abgesenkt, dass die Kettenbänder das Stammende packen und auf die Ladeplattform ziehen können. Kommt das Stachelband dafür nicht weit genug unter das Stammende, kann man sich mit einer Packzange behelfen, die in eine der Einzugsketten gehängt wird.

Ist der Stamm weit genug eingezogen, wird die Ladeplattform wieder in die Waagerechte geschwenkt. Er wird dann auf der Maschine ins Gleichgewicht gebacht, mit einer Kette fixiert und kann schließlich abtransportiert werden. Kerscher fährt in der Regel gleich zu seinem

Holzanhänger und längt das Holz in bequemer Arbeitshöhe direkt in die Ladefläche ab; das Einzugsband schiebt den Stamm dabei stückweise nach. Zuhause muss er die Abschnitte nur noch spalten und aufschichten. Genausogut kann das Holz in Meterstücke geschnitten am Wegrand gepoltert werden. „Das geht alles so leicht“, sagt er, „dass auch mein Junior schon alleine mit dem Gerät Holz rückt.“

Hobby Blechbearbeitung

Kerscher ist gelernter Elektriker und ist beruflich für die Firma OGE aus Essen tätig, einem Fernleitungsbetreiber für Erdgas. Er ist jedoch auf einem landwirtschaftlichen Hof groß geworden, dessen kleinen Waldbesitz er heute bewirtschaftet, überwiegend zur Eigenversorgung mit Brennholz. In einigen Bestandesteilen hat er dem Rat des Försters folgend Douglasien und Tannen unter dem Kiefernschirm angebaut. Sorgfältig entfernt er regelmäßig die toten und absterbenden Bäume und lässt selbst die Baumkronen nicht liegen. Eine Seilwinde oder eine Rückeraupe mag er für diese Arbeit nicht einsetzen. Er befürchtet, dass die Stämme beim Beizug an den Waldweg zu viel Schäden an den Bäumen und am Boden anrichten. Sogar die als so schonend geltenden Rückepferde sind für ihn in dieser Hinsicht nicht über jeden Zweifel erhaben.

Diese Haltung kann er sich erlauben, weil er die aus seiner Sicht passenden Maschinen selbst bauen kann. Der Keller der Familie Kerscher ist für diesen Zweck vollgestopft mit Spezialmaschinen: Eine Drehbank findet sich ebenso wie eine Fräse, ein Kraftformer oder andere Blechbearbeitungsmaschinen. Mit ihrer Hilfe hat der Tüftler schon seine historischen Motorräder detailgetreu restauriert bis sie wieder wie neu aussahen. Das älteste Modell ist eine Flottweg aus dem Jahre 1928. Selbst den Tank einer Horex mit Seitenwagen hat er perfekt nachgeformt. Und nicht zuletzt hat er für seinen jüngsten Sohn einen voll funktionstüchtigen Kleintraktor gebaut – einen Eicher-Nachbau in Eicher-Blau, den er Kerscher-Traktor getauft hat und der auf Ausstellungen immer viel Lob einheimst, so fein ist jedes Detail ausgeführt.

Idee nicht ausgereizt

Diese technischen Fertigkeiten merkt man auch dem Rücke-Fuchs an: der selbst gebauten Kabelfernbedienung in ihrer Halterung und der sorgfältigen Lackierung ebenso wie dem Staufach für die Axt im Fahrwerksrahmen. Zur KWF-Tagung hatte er die Maschinen mit Rädern ausgestattet und mit einem Einzylindermotor. Beides war aber nur eine der Eile geschuldete Notlösung. Seitdem hat er einen Pel-Job-Minibagger ausgeschlachtet, um dessen Raupenlaufwerke und den 18-kW-Dreizylindermotor in den Rücke-Fuchs zu übernehmen. Aber auch mit dieser Version hat er seinen Ideereichtum noch nicht ausgereitzt. Natürlich kann man die Maschine noch größer und kleiner bauen. Statt des Dieselmotors ist auch ein Elektromotor denkbar, und die Kabelbedienung lässt sich ohne Probleme gegen eine Funkfernbedienung tauschen. Die dafür nötigen elektrisch steuerbaren Hydraulikventile sind bereits vorhanden.

Kerscher selbst wird das vorläufig jedoch nicht umsetzen. Bis auf Kleinigkeiten ist die Maschine für seine Zwecke so wie sie ist in Ordnung. Auch eine Produktion des Rücke-Fuchses wird er wohl nicht aufnehmen. Ob die Maschine eine Chance auf dem Markt hätte? Nach der KWF-Tagung haben immerhin einige Standbesucher bei ihm angerufen und ihr Interesse signalisiert. „Warum gibt es eine solche Maschine nicht längst“, hatten sie ihn schon auf der Messe gefragt.

Oliver Gabriel

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