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Auf der Fachmesse Baumschultechnik 2019 in Ellerhoop/Schleswig-Holstein machte sich am 30. August der Waldbeauftragte der Bunderegierung, Cajus Caesar (MdB a.D.) bei den Forstbaumschulen ein Bild von der Versorgungslage.

Kernbotschaften der Forstbaumschulen

Auf der Fachmesse Baumschultechnik 2019 in Ellerhoop/Schleswig-Holstein machte sich am 30. August der Waldbeauftragte der Bundesregierung, Cajus Caesar (MdB a.D.) bei den Forstbaumschulen ein Bild von der Versorgungslage.

Zurzeit macht uns allen der deutsche Wald große Sorgen. Die offiziellen Zahlen der Bundesregierung nennen 70 Mio. Festmeter (Kubikmeter) Schadholz und eine geschädigte Waldfläche von etwa 120.000 ha (1.200 Quadratkilometer) als Ergebnis der Dürren in den Jahren 2018 und 2019. Es steht zu befürchten, dass die Zahlen sich bis Mitte 2020 noch erhöhen werden.

Dramatisch ist die Situation für viele Privatwaldbesitzer, deren Einkommen damit erheblich gestört ist. Es ist aber auch ein volkswirtschaftlicher und ökologischer Schaden für uns alle. Am Treffen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit Stakeholdern zum Thema Wald und Holz am 29. August war auch der Verband Deutscher Forstbaumschulen (VDF) vertreten. Es ging um die Planung und Koordination der Hilfen für Wald und Waldbesitzer.

Gemeinsam für die Wiederherstellung des Waldes

Im Fokus muss nun der Wald selbst stehen. Es gilt, gemeinsam für die Wiederherstellung des Waldes und seinen weiteren Umbau zu mehr Stabilität im Klimawandel zu sorgen. Der deutsche Wald trägt jährlich zu mindestens 14 % der CO₂-Kompensation bei – diesen Anteil gilt es zu erhöhen.

In den deutschen Forstbaumschulen stehen derzeit über 1 Mrd. junge Waldbäume für die nächsten Jahre, denn die Anzucht dauert etwa vier Jahre. Es lässt sich also schon dieser Herbst für Aufforstungsmaßnahmen nutzen. Das Ziel ist mehr denn je den deutschen Wald mit möglichst vielen standortgerechten Baumarten zu einem stabilen Mischwald zu machen. Europäische und heimische Baumarten, auch bewährte Gastbaumarten – in Summe etwa 30 Arten – sind einzubeziehen.

Auf der Fachmesse Baumschultechnik 2019 in Ellerhoop/Schleswig-Holstein machte sich am 30. August der Waldbeauftragte der Bundesregierung, Cajus Caesar (MdB a.D.) bei den Forstbaumschulen ein Bild von der Versorgungslage. Dabei wurde mit den Experten aus den Forstbaumschulen auch über mögliche Strategien diskutiert.

Kernbotschaften der Forstbaumschulen zur aktuellen Situation des Waldes:

  1. Wir stehen an der Seite der Waldbesitzer, um den Wald zu hegen und zukunftsfähig zu machen – wir produzieren ständig junge Forstpflanzen und haben derzeit mehrere Hundert Millionen Jungbäume im Bestand, die in den nächsten 1 bis 4 Jahren auf den Markt kommen. Wir müssen und können nicht alles sofort in Frage stellen.
  2. Es werden jedes Jahr bis zu 40 % der Produktion vernichtet, weil man nie weiß, was der Waldbesitzer wirklich kurzfristig bestellen wird und was der Markt und die Witterung erlauben werden. Diese Vergeudung war hilfloser Unfug, aber jetzt wird es zur Blamage, wenn die Kommunikation zwischen Wald und Forstbaumschulen nicht optimiert wird: Planung und Verlässlichkeit ist das Ziel.
  3. Wir dürfen nicht sofort in neue exotische Baumarten flüchten. Forstbaumschulen warnen vor Schnellschüssen, weil wir uns sonst neue Probleme und Katastrophen einhandeln. Krankheiten, Insekten, Pilze können eingeschleppt werden und den heimischen Wald weiter gefährden. Nur Forschung und Zulassung ist probat, aber das kann Jahre in Anspruch nehmen.
  4. Die deutschen Forstbaumschulen sind lieferfähig, werden ihr Sortiment und die Produktion erhöhen und werden mindestens so rasch arbeiten können, wie:
    (a) Die Flächen vorbereitet/aufgearbeitet sind.
    (b) Die forstlichen Instanzen dem Waldbesitzer sichere Anleitungen und unbürokratische Programme bieten.
    (c) Die Zulassungen von neuen Baumarten, alternativen Herkünften durch Forschung und der Politik erfolgen.
    (d) Geeignetes Saatgut ausreichend in Qualität und Menge bereitsteht (Es gibt derzeit Vorräte, aber nicht immer und überall für alle Arten in den nächsten 4 Jahren).
  5. Die deutschen Forstbaumschulen appellieren an die Waldbesitzer und Forstleute, in Zukunft mit dem Partner Forstbaumschulen Pläne von nur zwei bis drei Jahren Vorlauf zu erstellen – alleine das wird viel Ruhe und Sicherheit bringen und helfen, die Vergeudung knapper Ressourcen zu senken.

Ein Generationenprojekt

Dipl.-Forstingenieur Alain Paul, Sprecher des Vorstandes im VDF (www.forstbaumschulen.org): „Wald bedeutet Klimaschutz, Wasser- und Lufterhaltung, Produktion von Holz und Sicherung von Wohlfahrt. Aber wir müssen uns gemeinsam anstrengen, damit der Wald im Wandel klimafester wird. Er soll mit vielen Baumarten, gemischt und stufig sein, Biodiversität erhalten und leisten. Dazu braucht er die Hilfe aller. Der Umbau des Waldes im Wandel durch die Klimaveränderung ist ein Generationenprojekt. Ohne Forstbaumschulen werden wir die notwendigen jungen Bäume für diese Aufgaben schlicht nicht haben!“

Red.

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