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Bei der Podiumsdiskussion: M.A. Karlheinz Geppert, Prof. Dr. Dorothee Kimmich, Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser, Prof. Dr. Sigrid Hirbodian, S.H. Maximilian Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf

Mensch und Wald: Symposium an der HFR

Das Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Tübingen, der Sülchgauer Altertumsverein, die Stadt Rottenburg am Neckar und die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) veranstalteten am 27. April ein Symposium mit dem Titel „Mensch und Wald – Lebensgrundlage zwischen Furcht und Faszination“.

Forstleute müssen in ihrer Arbeit häufig mehr als 100 Jahre in die Zukunft denken, Archäologen und Historiker befassen sich dagegen vor allem mit der Vergangenheit. Zwei Tage lang haben rund 100 Expertinnen und Experten dieser Wissenschaftsdisziplinen im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung an der HFR ihr über Wissen zum Thema „Wald- und Forstwirtschaft“ referiert. Diese gemeinsame Veranstaltung basierte auf der Kooperation der Universität Tübingen mit der HFR sowie auf der regelmäßigen und engen Zusammenarbeit des Sülchgauer Altertumsverein mit den Archäologen und Historikern der Universität.

Es herrschte ein Austausch verschiedener Disziplinen

In dem Symposium tauschten sich verschiedene Wissenschaftsdisziplinen zu ihren Sichtweisen über die Waldwirtschaft und deren Entwicklung aus. Auch trafen beispielsweise Grundlagenforscher auf Vertreter der anwendungsorientierten Forschung. Die Teilnehmer diskutierten über die Fachvorträge von Dozenten der beteiligten Hochschulen, des Hauptstaatsarchivs in Stuttgart, der Universität Bamberg, des Alemannischen Instituts Freiburg und des freiberuflichen Bauforschers Tilmann Marstaller. Zuletzt fand eine Podiumsdiskussion und eine abschließende Exkursion in den Stadtwald Rottenburg statt. HFR-Rektor Bastian Kaiser stellte fest: „ Es war sehr beeindruckend, aus erster Hand zu erfahren, welchen Blick andere Wissenschaftsdisziplinen auf unser Spezialgebiet die Forstwirtschaft haben. Und umgekehrt dürften die Archäologen und Historiker überrascht gewesen sein, wie wichtig die Waldgeschichte für die täglichen Zukunftsentscheidungen der Forstwirtschaft ist.“

100 Interessenten nahmen teil

Rund 100 Interessenten nahmen an dem Symposium teil. Für Überraschung sorgte, dass die geschichtlichen Erkenntnisse von den beteiligten Fachdisziplinen teilweise unterschiedlich interpretiert werden. Auch seien noch immer viele Ereignisse und Entwicklungen der Waldgeschichte nicht abschließend erklärt. Dies sei insofern bedauerlich, als man auch in der Forstwirtschaft aus Erfahrungen und „Fehlern“ der Vergangenheit lernen und wichtige Schlüsse für zukunftsweisende Entscheidungen ziehen kann. Dieses eigne sich nur dann, wenn diese hinreichend interpretiert seien.

Die festgestellten Defizite haben zum Teil damit zu tun, dass die gesicherten Informations- und Datenlagen zu den Lebensbedingungen der sozialen Bevölkerungsgruppen und Stände sehr asymmetrisch sind: Während man über die Vorteile, die Sorgen, das Wissen und die Entscheidungen der Landesherren und Klöster aus schriftlichen Überlieferungen relativ viel weiß – auch über die herrschaftliche Jagd und ihre Folgen, ist über die Lebensumstände der armen Landbevölkerung nur wenig schriftlich überliefert und gesichert.Sehr sicher und weit zurückreichend ist auch die Dokumentation der Forstwirtschaft in Deutschland. Sie kann Historikern wichtige Hinweise für ein noch besseres Verständnis der Waldwirtschaft bieten. Eine engere Zusammenarbeit der Wissenschaftsdisziplinen könnte deshalb helfen, Wissenslücken zu schließen und Vermutungen abzusichern.

Zusätzlich wurden Beiträge aus der Literaturwissenschaft geboten. Bäume, der Wald, das Holz und die im Wald Tätigen spielen auch in literarischen Gattungen eine Rolle. Vor diesem Hintergrund ist es umso bedauerlicher, dass die HFR über keine Professur für Forstgeschichte verfügt. Dies hat hochschulpolitische Gründe, weil diese Wissenschaftsdisziplin früher nicht als praxisrelevant galt. Traditionell ist dieses Fachgebiet an der HFR als freiwilliges Zusatzfach vertreten.Außer einer geplanten gemeinsamen Veröffentlichung eines Tagungsbandes zu diesem Symposium haben sich die Beteiligten deshalb vorgenommen, enger und öfter zusammenzuarbeiten.

HFR

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