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Appell an Privat- und Kommunalwald in NRW

Team-Timber, ein Netzwerk mittelständischer Holzverarbeitungsbetriebe aus dem Sauerland, warnt vor Holzlieferungen aus dem Privatwald an den österreichischen Sägeindustrie-Konzern Klausner und richtet sich mit diesem Appell direkt an die privaten Waldbauern und kommunale Waldbesitzer.

Lieferungen an Klausner bedrohen die Existenz der heimischen Säger und langfristig auch die Existenz der Waldbauern. Außerdem seien Transportwege  und -kosten bei heimatnaher Verarbeitung des Rundholzes ökologisch und ökonomisch vernünftiger als bei Verarbeitung durch den österreichischen Großsäger. 
Klausner liegt derzeit mit dem Land NRW vor Gericht und fordert aus nichterfüllten Holzlieferverträgen aus NRW für den Zeitraum 2010  bis Ende 2014 insgesamt 500.000 Fm Fichtenholz jährlich. 305.000 Fm sollen davon aus dem nordrhein-westfälischen Privatwald kommen. Experten befürchten, dass Privatwaldbesitzer beträchtliche Holzmengen an Klausner liefern – zulasten der heimischen Sägewerke. Aktuell ist beim Landgericht Münster eine einstweilige Verfügung anhängig, mit der Klausner in NRW eine Vermarktung an weitere Säger gänzlich untersagen möchte.
 
Die heimische Sägeindustrie bezieht seit Jahren ihr Holz größtenteils aus dem Staatswald des Landes sowie von privaten und kommunalen Waldbesitzern in der Region. Dabei sind die Ressourcen begrenzt.
Hubertus Weber, Geschäftsführer des Team-Timber-Netzwerkes: „Nach Kyrill reicht das heimische Holzangebot bereits heute schon nicht mehr aus. Sollte Klausner die geforderten Mengen beziehen, wird es für viele Sägewerke sehr eng, viel enger, als es ohnehin schon ist. Klar ist: das Angebot ist begrenzt. Man kann und darf als verantwortlich wirtschaftender Waldbesitzer nicht mehr Holz verkaufen, als nachwächst.“ Mit der Schädigung der heimischen Sägeindustrie wachse mittel- langfristig die Abhängigkeit von Großsägewerken. Hat ein Großsäger erstmal alle mittleren und kleinen Wettbewerber vom Markt verdrängt, dann haben die Waldbesitzer kaum noch Alternativen, das Holz an den Mittelstand in der Region abzusetzen“, so Weber.
 
Die Waldbesitzer können frei entscheiden, an welche Kunden ihr Holz vermarktet wird. „An alle Waldbesitzer möchten wir appellieren: Vermarkten Sie Ihr Holz weiterhin an die regionalen Partner. Seit vielen Jahrzehnten haben Waldbauern, Kommunen und die heimische Sägeindustrie, für beide Vertragspartner, erfolgreich zusammen gearbeitet. Diese Zusammenarbeit darf, zum Wohle Beider, nicht gefährdet werden.“ 
 
Hintergründe und Folgen
Die Lieferungen an Klausner waren nach dem Orkan Kyrill 2007 vereinbart worden. Nach Differenzen trat das Land vom Vertrag zurück. Klausner klagte dagegen 2012 vor dem Landgericht Münster und bekam Recht. Jetzt hat das Unternehmen auch Klagen auf Schadenersatz und Erfüllung des Vertrags eingereicht. Die Forderungen des österreichischen Großkonzerns kommen für die heimische Sägeindustrie zur Unzeit. Bereits jetzt ist das Holz knapp. Viele Säger haben seit einiger Zeit Kurzarbeit angemeldet, einige sogar die Insolvenz.
„Viele heimische  mittelständische Holzverarbeitungsbetriebe im Sauerland stehen mit dem Rücken an der Wand. Wenn jetzt auch noch die heimischen Waldbauern große Holzmengen über das Land NRW an Klausner liefern, stehen viele Betriebe endgültig vor dem  Aus“, befürchtet der Geschäftsführer von Team-Timber. „Hier stehen Arbeitsplätze in den Sägewerken und weiteren Unternehmen aus dem Forst- und Holzbereich auf dem Spiel.“
 
Die Folgen wären katastrophal: Bei Schließung oder Kapazitätssenkungen von Unternehmen gingen dem Land künftig etliche Milliarden an Wirtschaftsleistung verloren. In NRW hängen mehr als 200.000 Arbeitsplätze am Rohstoff Holz und erwirtschaften rund 40 Milliarden Euro pro Jahr. Mit dem drohenden Verlust von tausenden Arbeitsplätzen gingen dem Land in der Folge auch erhebliche Steuereinnahmen verloren.

Der 2007 geschlossene Vertrag garantierte Klausner eine Liefermenge von jährlich 500.000 Fm Fichtenholz – bis 2014. Und das teilweise zu einem günstigen und marktunüblichen Fixpreis. Als die Marktpreise für Fichtenholz nach Kyrill spürbar sanken, nahm Klausner kaum noch Holz ab und zahlte unzuverlässig. Das Land trat daraufhin vom Vertrag zurück. Als der Holzpreis auf dem Markt jedoch wieder auf rund 96 Euro anstieg, pochte Klausner vor Gericht auf Einhaltung des Kontraktes und bekam schließlich sowohl vor dem Landgericht Münster als auch vor dem Oberlandesgericht Hamm Recht.
 
Die Team-Timber GmbH mit Sitz im sauerländischen Schmallenberg ist ein Zusammenschluss von 9 mittelständischen Holzverarbeitungsbetrieben. 2001 gegründet, beschäftigen die beteiligten Holzverarbeitungsbetriebe zusammen 250 Mitarbeiter. Das Einschnittpotenzial der Unternehmen liegt bei 1 Mio. Fm Holz p.a. 

Team-Timber

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