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Witterungsextreme mit überdurchschnittlich warmen und trockenen Frühjahren sowie mehrfacher Kahlfraß durch die Schmetterlingsraupen haben den heimischen Eichenwäldern stark zugesetzt.

Kahlfraß an Eichen in Niedersachsen

Schmetterlingsraupen vermehren sich zurzeit massenhaft in Niedersachsen und fressen die Kronen der im Frühjahr grün werdenden Eichen kahl. Betroffen sind vor allem Wälder im Flachland zwischen Oldenburg und Lüneburg. Ein Forstschutzproblem, dass nicht selten ist: wiederholt waren in den vergangenen Jahren viele Eichenwälder von verschiedenen Raupenarten kahl gefressen geworden. In diesem Jahr scheint die Gefahr jedoch noch größer zu sein als in den Jahren zuvor. Die Ergebnisse eines großflächigen Monitorings im Herbst und Winter haben die Waldschutzexperten der Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen Alarm schlagen lassen. „Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen ein Raupenpotential von einem 8- bis 10fachen Kahlfraß“, beschreibt Helmut Beuke, Landeskoordinator für den Eichenschutz, die aktuelle Waldschutzsituation.
Der vermutete Grund der Massenvermehrung: Klimaerwärmung
Auch wenn noch nicht ganz klar ist, warum die Schmetterlinge (Frostspanner, Eichenwickler & Schwammspinner) derzeit so vermehrungsfreudig sind und der Kahlfraß immer häufiger und stärker auftritt, so vermuten Forstwissenschaftler einen Hauptgrund in der Klimaerwärmung. In 14 der 15 vergangenen Jahre waren die Frühjahre zu warm und zu trocken. Das könnte die Eichen geschwächt und die Schmetterlinge begünstigt haben. „In den vergangenen Jahren gab es quasi keinerlei Erholungsphasen mehr für die Eichen, der jährlich wiederkehrende Kahlfraß hat die Vitalität sehr stark beeinträchtigt“, so Beuke. „Wenn die Entwicklung so anhält, müssen wir uns um die Zukunft der Eiche sorgen.“
In der Folge  kommt es zu Absterbeprozessen. In vielen Eichenwäldern sind sogenannte Sanitätshiebe längst an der Tagesordnung. Dabei werden die kranken Bäume entnommen, sodass für den Waldbesucher die erschreckenden Folgen nicht sichtbar werden. „Wir können dieser Entwicklung als Förster und Schützer des Waldes nicht tatenlos zusehen“, unterstreicht Beuke die Entscheidung der Landesforsten, „deshalb werden wir auf rund 700 Hektar erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder eine Behandlung der Raupen durchführen. Eigentlich setzen wir auf die Kräfte der Natur – deshalb ist so eine Maßnahme die ultima ratio in unserer naturnahen Waldwirtschaft.“ Ob den Eichen mit den Maßnahmen geholfen werden kann, werden die Landesforsten untersuchen lassen, um zukünftig besser mit dem Problem umgehen zu können.
Das Präparat versprühen Hubschrauber ab Mitte der Woche über den ausgewählten Eichenwäldern. Je nach Witterung wird die Maßnahme bereits Anfang Mai abgeschlossen sein. „Die Sicherheit für Mensch und Natur hat absolute Priorität, daher sperren wir die berührten Waldareale für 48 Stunden. Schutzgebiete, Wasserflächen und Naherholungsgebiete bleiben strikt und ausnahmslos unberührt.“, betont Beuke.
Präzise Planungen und modernste Technik
Bevor mit behördlicher Genehmigung die Präparate im Wald eingesetzt werden, wurde genauestens geplant und alle Risiken abgewogen. Um die Eingriffe durch Pflanzenschutzmaßnahmen mit Hubschraubern möglichst gering zu halten, muss für jeden einzelnen Eichenbestand die Notwendigkeit der Aktion nachgewiesen sein.
Natur- und Wasserschutz, Abstand zu Bebauungen, öffentlichen Straßen usw. werden strikt eingehalten und in speziellen Behandlungskarten vermerkt. Diese Karten dienen zur punktgenauen Ausbringung der Präparate mittels GPS-Steuerung. Die Hubschrauber sind mit einer speziellen Düsentechnik zur zielgenauen Ausbringung ausgestattet, wodurch keine messbaren Präparatmengen bis zum Waldboden gelangen.
 
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NLF

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