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Josef Pollanschütz verstorben

Josef Pollanschütz verstorben

Am 9. August 2014 verstarb Forstrat h.c. Univ. Prof. Hofrat Dipl.-Ing. Dr. Josef Pollanschütz im 87. Lebensjahr. Josef Pollanschütz wurde in Techendorf/Kärnten als Sohn eines Oberförsters geboren. Nach dem Studium der Forstwirtschaft begann er 1951 seine forstliche Tätigkeit als Taxator und später Kontrolltaxator im Rahmen der Österreichischen Waldstandsaufnahme und übte diese Aufgabe auch nach seinem Eintritt in die Forstliche Bundesversuchsanstalt (FBVA) aus. In dieser Zeit war er entscheidend an der Methodenentwicklung für die Österreichische Waldinventur befasst und entwickelte dafür Formzahlfunktionen, die auch Gegenstand seiner Dissertation im Jahr 1966 wurden. 1961 übernahm er die Leitung der Abteilung Ertragskunde und ab 1967 das Institut für Ertrag und Betriebswirtschaft (später Waldwachstum und Betriebswirtschaft). Seit 1984 war Pollanschütz mit der ständigen Vertretung des Direktors der FBVA betraut und damit für mehr als acht Jahre auch für die Geschicke der FBVA mitverantwortlich. Auf seinen Wunsch hin wurde er mit 1. Juli 1992 in den Ruhestand versetzt. In Anerkennung seiner großen Verdienste um die Österreichische Forstwirtschaft wurde ihm vom Bundespräsidenten 1992 der Berufstitel Forstrat h.c. verliehen.Pollanschütz entwickelte zur objektiven Schadensfeststellung im Wald dendrochronologische und ertragskundliche Verfahren, die noch heute die methodischen Grundlagen für Bewertungen von Zuwachsbeeinträchtigungen sind. Seine Expertise auf dem Gebiet der Bewertung und seine Pionierleistung auf dem Gebiet der Falschfarbenluftbildinterpretation machten ihn zu einem gesuchten Gutachter in Österreich und im Ausland.Große Meriten erwarb er sich in der Erhaltung und Ausweitung der ertragskundlichen Dauerversuche. So publizierte Pollanschütz im Jahr 1974 die Ergebnisse des Pflanzweiteversuchs am Hauersteig. Dies war die erste Auswertung eines ertragskundlichen Dauerversuchs mit den Möglichkeiten der modernen Datenverarbeitung unter Verwendung von Formzahlfunktionen und mathematisch hergeleiteten Alters-Durchmesser-Höhenkurven. Diese Arbeit bildete auch seine Habilitationsschrift, womit er 1975 die Lehrbefugnis für Forstliche Ertragslehre, Holzmesslehre und Biometrie für Forstwirte erhielt. Die Berufungskommission nominierte ihn im Jahr 1978 in den Dreiervorschlag zur Nachfolge von Prof. Bitterlich am Institut für Forstliche Ertragslehre der Universität für Bodenkultur. 1984 wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Seine über 200 Fachpublikationen machten ihn weit über Österreich hinaus bekannt. Darüber hinaus leitete Pollanschütz über Jahre hinweg verschiedene IUFRO-Arbeitsgruppen.1984 stellte er sich der Herausforderung, innerhalb kürzester Zeit eine Waldzustandsinventur zur Abschätzung der „neuartigen Waldschäden“ zu realisieren. Dieses innovative, anspruchsvolle und langfristig ausgelegte Konzept wurde schließlich in die europaweite Waldzustandsüberwachung des ICP-Forests integriert.Von seinen Mitarbeitern war Pollanschütz als ein Vorgesetzter, der für ihre Anliegen stets ein offenes Ohr hatte, stets geachtet und geschätzt. Diese Wertschätzung kam in einem Symposium anlässlich seines 80. Geburtstags am Bundesforschungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) zum Ausdruck.

M. Neumann

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