ABO
Jean Pierre Vité verstorben

Jean Pierre Vité verstorben

Im Juli 2016 ist Prof. Dr. Jean Pierre („Peter“) Vité verstorben. Der Forstzoologe forschte und lehrte von 1973 bis 1990 in Freiburg an der Fakultät für Forstwissenschaften (heute: Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften). Auf ihn geht maßgeblich die Erforschung der chemischen Kommunikationssysteme von Borkenkäfern und die Entwicklung umweltverträglicher Waldschutzverfahren zurück.Jean-Pierre Vité wurde 1923 in Groß-Jehser (Niederlausitz) geboren. Nach dem Studium der Forstwissenschaft in Tharandt, Göttingen und Hamburg promovierte er 1949 in Hann.-Münden und habilitierte sich 1954 in Göttingen für das Fach Forstzoologie. Anfänglich untersuchte Vité Spinnen, Holzschädlinge, sowie Buchen- und Lärcheninsekten und erkannte frühzeitig die Bedeutung ökologischer Zusammenhänge: Der Titel seiner ersten Publikation (1949) lautete „Die ökologische Gliederung des Waldes“ und das Thema seiner Doktorarbeit „Untersuchungen über die ökologische Bedeutung der Spinnen für die Lebensgemeinschaft des Waldes“. Vité war damit seiner Zeit deutlich voraus. Der Begriff „Umweltschutz“ existierte damals noch gar nicht, und über „Ökologie“ sprach außer in eng begrenzten wissenschaftlichen Zirkeln kaum jemand – für die breite Öffentlichkeit waren Begriff und Inhalte „terra incognita“.Von 1957 bis 1973 war Vité in den USA am Boyce Thompson Institute for Plant Research tätig, wo er im Auftrag dieses Instituts forstliche Forschungsstellen in Kalifornien und Texas einrichtete, deren Direktor er war. Nebenher wirkte er als Gastprofessor an den Staatsuniversitäten von Oregon (Corvallis), Kalifornien (Berkeley) und Texas (A&M-University). Im Jahr 1973 folgte Vité einem Ruf auf den Lehrstuhl für Forstzoologie an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg, wo er diese Arbeiten konsequent fortsetzte. Seinem Wirken verdanken wir vielfältige grundlegende Erkenntnisse zur Biologie der Käfer und zur chemischen Charakterisierung von Duftstoffen sowie wegweisende Technologien.Als besonders verdienstvoll muss dabei gewertet werden, dass Vité bei seinen grundlagenorientierten Forschungsarbeiten niemals die waldschutzpraktische Anwendung in Forstbetrieben aus dem Blick verloren hat und damit maßgeblich zum erfolgreichen Transfer wissenschaftlicher Grundlagenerkenntnisse zu praxistauglichen Umsetzungen im Wald beigetragen hat. Entsprechend finden sich unter seinen mehr als 200 Publikationen nicht nur solche in Journalen wie Science und Nature, sondern auch viele in Zeitschriften für Forstpraktiker. 1981 wurde Vité mit dem Karl-Abetz-Preis und 1988 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.Wer mit ihm in Kontakt kam, wurde nicht nur von seinen herausragenden wissenschaftlichen Fähigkeiten und seiner geradezu unglaublichen Schaffenskraft beeindruckt sondern unweigerlich auch von der Person Jean-Pierre Vité selbst. Faszinierend waren vor allem sein Ideen- und Innovationsreichtum, seine ausgeprägte Fähigkeit zu völlig unkonventionellem Denken und sein Charme und Humor.Vités eigentliches Lebenswerk – seine Arbeiten über Wirtsfindung und Pheromonbiologie von Borkenkäfern und der Technologietransfer in biotechnische Waldschutzverfahren gegen Borkenkäfer – sind ein gewichtiger und moderner Beitrag zum Management von Wäldern auf ökologischer Grundlage. Das hohe wissenschaftliche Renommee Jean-Pierre Vités im In- und Ausland beruht aber nicht alleine auf diesen Verdiensten, sondern ganz wesentlich auf seinen weit über die Forstwirtschaft hinausreichenden richtungsweisenden Impulsen zur Etablierung der chemischen Ökologie als wissenschaftlicher Disziplin.

U. Kohnle

Auch interessant

von