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Gruppenbild vor der durch zwei Studierende der HFR im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten gerade neu angelegten wachstumskundlichen Versuchsfläche im Lehrwald der Uni-Iwate Foto: B. Kaiser

Japanische Forst- und Holzwirtschaft auf Wachstumskurs

Eine Delegation der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) machte sich mit 15 Studierenden im Rahmen einer zehntägigen Reise ein Bild vom Entwicklungsstand der japanischen Forstwirtschaft. Ihr gehörten neben Rektor Bastian Kaiser, Projektleiter Prof. Sebastian Hein sowie dem Projektkoordinator M.Sc. Christoph End mit dem Kreisforstamtschef Alexander Köberle und Revierleiter Lorenz Truffner zwei Forstbeamte aus dem Landkreis Tübingen an. Außerdem waren mit Dipl.-Ing. (FH) Sonja Fehr und M.Sc. Marius Wöhler eine Expertin für Privatwaldbelange sowie ein Fachmann für die energetische Biomassenutzung in der Delegation.

HintergrundÜber acht Jahre ist es her, seit hochrangige Politiker Japans erste Kontakte zur Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) geknüpft haben. Schon damals ging es um das erklärte politische Ziel, den Holzbedarf des Landes in einem deutlich höheren Maße durch eigenes Holz zu befriedigen und die Importe zu reduzieren. Durch die Katastrophe von Fukushima 2011 und die dadurch zunehmende Bedeutung der Biomasse in den japanischen Energiekonzepten sowie durch den Japanbesuch von Ministerpräsident Kretschmann 2013 bekamen dieses Ziel und die Rolle der HFR bei dessen weiterer Verfolgung zusätzliche Impulse. Die Landesregierung Baden-Württemberg unterstützt seit zwei Jahren die Bemühungen der HFR durch eine Förderung ihrer Forstprojekte in Japan. Darüber hinaus erhielten die Studierenden finanzielle Unterstützung für diese Reise durch eingeworbene Sponsorengelder und vom Förderverein der Hochschule.Die Partner der HFRDie Partner der HFR in ihren bisherigen Japanaktivitäten waren zuerst mehrere Universitäten in verschiedenen Präfekturen (Provinzen/Länder) sowie die landesweit zuständige staatliche Forstverwaltung Japans. Wie in Baden-Württemberg unterstützen jedoch auch vor Ort politische Akteure die enge Zusammenarbeit. Ein Zeichen dafür war der Besuch des Gouverneurs der Präfektur Gifu mit einer großen Expertendelegation in Stuttgart und Rottenburg im vergangenen Jahr.In zunehmendem Maße integrieren sich nun auch japanische Privatwaldbesitzer sowie die im (Wieder-)Aufbau befindliche Holzindustrie des Landes. Das Projekt entwickelt somit eine erfreuliche Eigeninitiative. Entsprechend setzten sich die Gesprächspartner, die Vor-Ort-Termine und Besichtigungen der Rottenburger Delegation auf dieser Reise zusammen.Entwicklung der japanischen ForstwirtschaftVor dem Hintergrund des starken Wirtschaftswachstums Japans und der starken Landeswährung Yen hatte man die eigene Forstwirtschaft fast 60 Jahre lang vernachlässigt und nahezu den gesamten Holzbedarf dieser Industrienation durch Importe gedeckt. Dies erstaunt umso mehr, als Japan zu den waldreichsten Ländern weltweit zählt und über große Nutzungspotentiale verfügt. Deren Erschließung ist jedoch wegen vieler Steillagen, häufiger Taifune und der schlechten Infrastruktur im Landesinneren schwierig und war deshalb in den Zeiten eines starken Yen und billigen Holzes auf den Weltmärkten „unattraktiv“. Diese Einstellung änderte sich mit dem Einbruch der Wirtschaftskraft nach der Tsunami- und Reaktorkatastrophe. Nun muss es darum gehen, aus wachsenden Bäumen und Wäldern auch Wachstumsbranchen in der Forst-, Holz- und Biomassenutzung anzustoßen, um den großen Erwartungen der japanischen Politik und Bevölkerung an die eigenen Wälder und die eigene Forstwirtschaft möglichst rasch, aber doch nachhaltig gerecht werden zu können.Die Rolle der HFRDie Rolle der HFR ist dabei forschend, beratend, vermittelnd und lernend zugleich. Ihr ist die Integration der Holz- und Forstmaschinen-Industrie in dieses nationale Großprojekt deshalb ebenso wichtig, wie die der Studierenden beider Länder.So befasste sich die Delegation mit ersten konkreten Versuchen für eine dauerhafte Waldwirtschaft mit dem wirtschaftlich wichtigsten Baumarten, die von Rottenburg aus angestoßen und mitbetreut werden. Sie sollen Wege aus der in Japan üblichen Kahlschlagswirtschaft und deren fatalen Erosionsfolgen entwickeln. Außerdem wurden neue Logistikketten in der Holzernte bis hin zur Sägewirtschaft und zum Holzhausbau besichtigt, analysiert und diskutiert. Und schließlich standen politische Gespräche auf dem Programm – unter anderem der „Gegenbesuch“ beim Gouverneur der Präfektur Gifu.AusblickSchon im September erwartet die HFR wieder eine 45 Personen große Besuchsgruppe aus Japan und für Juni 2016 hat man mit den japanischen Partnern die Organisation und Durchführung eines „Deutsch-japanischen Tages der Forstwirtschaft“ in Rottenburg geplant, bei der ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Waldbesitz, Holz- und zu Maschinenindustrie sowie aus der Politik aus beiden Ländern miteinander ins Gespräch und zu belastbaren Arbeitskontakten kommen sollen. Der Termin ist so gewählt, dass auch die etwa 150 japanischen Expertinnen und Experten ihn mit einem Besuch der größten „forsttechnischen Leistungsschau in Europa“ (KWF-Tagung) verbinden können, die 2016 in Bayern stattfinden wird.

Petra Martin-Jacob/HFR
Für den Großteil Japans typische Mischung aus gepflanzten Sugi-Beständen im großflächigen Laubwald Foto: M. Wöhler Gruppenbild vor der durch zwei Studierende der HFR im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten gerade neu angelegten wachstumskundlichen Versuchsfläche im Lehrwald der Uni-Iwate Foto: B. Kaiser

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