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Jagdsaison 2010/2011: Hohe Schwarzwildstrecke in Bayern

Bayerns Jägerinnen und Jäger haben in der vergangenen Jagdsaison rund 60 500 Wildschweine erlegt – das ist ein Drittel mehr als im Jahr zuvor und das bislang zweithöchste jemals im Freistaat erreichte Ergebnis. Zu verdanken ist der Erfolg in allererster Linie dem unermüdlichen Einsatz der Jäger und der immer besseren Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern, wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sowie Vertreter des Jagdverbands, des Bauernverbands und des Waldbesitzerverbands nach einem Treffen in München einmütig betonten. Gleichzeitig appellierten Minister und Verbände an die Jäger, die vielerorts überhand nehmenden Wildschweine weiter intensiv zu bejagen. Eine deutliche Reduktion der Bestände sei dringend notwendig, um die zunehmenden Schäden in der Landwirtschaft und die steigende Gefahr von Wildunfällen und Schweinepest in den Griff zu bekommen. Gerade nach Jahren mit hohen Jagdstrecken muss man laut Brunner konsequent nachsetzen, um dauerhaft wirksame Effekte zu erzielen. Denn Schwarzwild sei außerordentlich vermehrungsfreudig. Das heuer erwartete besonders reiche Angebot an Eicheln und Bucheckern in den Wäldern werde den Tieren helfen, besser über den Winter zu kommen und mehr Frischlinge zu werfen. Unter solchen Bedingungen seien Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent zu befürchten.  
Der Minister und die Verbände raten deshalb, die im Jahr 2002 gemeinsam erarbeiteten „Empfehlungen zur Reduktion überhöhter Wildschweinbestände“ konsequent umzusetzen. Sie empfehlen unter anderem, gemeinsam Schwarzwild-Arbeitsgemeinschaften zu gründen, weiträumig angelegte Bewegungsjagden zu organisieren, in schadensträchtigen Zeiten Schwerpunktbejagungen in der Feldflur durchzuführen und die als „Kirrung“ bezeichnete Anlockfütterung restriktiv zu handhaben. Brunner zufolge werden die Empfehlungen zunehmend und in enger Zusammenarbeit zwischen Jägern, Landwirten und Waldbesitzern umgesetzt. Aus Sicht des Bauernverbands besteht aber durchaus noch Handlungsbedarf. Wertvolle Impulse setzen nach Auskunft des Jagdverbands auch die vom Verband eigens gegründeten regionalen Schwarzwild-Arbeitskreise.  
Als weitere Möglichkeit, die Bejagung der Wildschweine effektiver zu gestalten, sehen Praktiker die Anlage von Schussschneisen in den Feldern –  denn die in den Sommermonaten reichlich vorhandene Deckung in der Feldflur erschwert den Jagderfolg. Brunner hatte deshalb im Frühjahr eine Ausnahmeregelung des Bundes auf Bayern übertragen: Die Landwirte können seither Schussschneisen in ihren Feldern anlegen, ohne dafür finanzielle Einbußen durch wegfallende EU-Zahlungen hinnehmen zu müssen. Auch bleibt ihnen ein aufwändiges Vermessen und Herausrechnen von Teilflächen erspart. Minister und Verbände appellieren angesichts der Erleichterungen an Bauern und Jäger, frühzeitig und in gegenseitiger Abstimmung für das kommende Jahr Schussschneisen zu planen und anzulegen und diese dann für die Bejagung intensiv zu nutzen.
Hintergrund:
Die vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten zusammen mit dem Landesjagdverband Bayern e.V., dem Bayerischen Bauernverband und dem Bayerischen Waldbesitzerverband erarbeiteten „Ernpfehlungen zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände“ wurden im Jahr 2002 publiziert. Diese Ernpfehlungen sind im Jahr 2004 in die „Richtlinien für die Hege und Bejagung des Schalenwildes in Bayern“ aufgenommen worden.
StMELF

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