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Jagd im gesellschaftlichen Spannungsfeld

Jagd im gesellschaftlichen Spannungsfeld

„Die Jägerschaft arbeitet an der Erhaltung und der Verbesserung der Lebensräume aller wild lebenden Tierarten. Sie hat den Auftrag, Wildschäden an Wald, Feld und Flur zu minimieren und  das Wild vor Krankheiten und Gefahren zu schützen. Die Jägerinnen und Jäger erfüllen dadurch wichtige Aufgaben zum Erhalt unserer vielfältigen Kulturlandschaften“, sagte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle MdL, bei der jährlichen Hauptversammlung der Kreisjägervereinigung Ravensburg am 1. April 2011 in Schlier-Wetzisreute.
Die Jagd habe sich in einer pluralistischen und eher naturfernen Gesellschaft vielfältigen Fragestellungen zu stellen. „Die Öffentlichkeit schaut immer dann ganz besonders auf die Jägerinnen und Jäger, wenn es um den Natur- und Umweltschutz, den Tierschutz oder um die Belange der Land- und Forstwirtschaft geht“, erklärte Köberle. Wer heutzutage die Jagd ausübe, müsse sich immer wieder gegenüber „Nicht Jägern“ oder gar Jagd-Gegnern rechtfertigen. Sehr vielen Menschen sei das Verständnis für das Arbeiten der Jäger in der Natur und mit der Natur im Laufe der letzten zwei bis drei Generationen abhanden gekommen.
Was früher Selbstverständlichkeit gewesen sei, werde heute oftmals hinterfragt. „Ich ermutige die Jägerschaft, ihre Positionen in der gesellschaftlichen Diskussion offensiv zu vertreten und durch Argumente zu überzeugen“, betonte Köberle. So müsse zum Beispiel der Aspekt der jagdlichen Tradition stärker in den Vordergrund gerückt werden. „Eine zentrale Rolle in der jagdlichen Tradition spielt seit Jahrhunderten die Weidgerechtigkeit, die für einen ganzheitlichen Denkansatz bei der Jagdausübung steht. Weidgerechtigkeit ist nichts anderes als Ethik, Moral und Tierschutz. Weidgerechtigkeit ist der Ausdruck allerhöchsten Respekts des jagenden Menschen gegenüber dem Tier aus der Gesamtverantwortung für die Schöpfung heraus“, erklärte der Minister. Ohne Weidgerechtigkeit wäre eine Jagdausübung in Baden-Württemberg undenkbar. Aufgabe der Jagdverbände sei es, dies den Bürgerinnen und Bürgern stärker zu vermitteln und darauf hinzuwirken, dass Jagd nicht als das bloße Töten von Tieren missverstanden werde.
Jagd im Spannungsfeld mit Landwirtschaft und Forst
„Wald- und Landwirtschaft stehen ohne effektive Bejagung auf verlorenem Posten. Bei zu hohen Wildbeständen drohen empfindliche Schäden an Kulturpflanzen. Dies zu verhindern, muss das gemeinsame Ziel von Bauern, Förstern und Waldbesitzern sowie den Jagdausübenden sein“, sagte Köberle. In Teilen Baden-Württembergs bestehe dabei noch Nachholbedarf. Insgesamt habe sich aber der seit Jahren bewährte baden-württembergische Weg als richtig erwiesen. „Entscheidungen sollen aufgrund sachlicher Überlegungen und auf wissenschaftlich fundierter Basis und unter Verzicht auf pauschale Schuldzuweisungen gefällt werden“, betonte Köberle. Dazu gehöre es auch, dass Raum für kontroverse Diskussionen vorhanden sei. Kennzeichen seien ein konstruktiver Dialog und die Einbindung aller betroffenen Akteure und Gruppen.
 
MLR

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