ABO

Jährlich 65.000 neue Privatwaldeigentümer

Aus diversen Studien und Erfahrungsberichten wissen wir: „Wald wird nicht verkauft, sondern vererbt“. Was kennzeichnet die „neue“ Generation? Teilergebnisse einer Thünen-Befragung deuten Trends in der „Kopf-stärksten“ Eigentumsgrößenklasse an.

 

In Deutschland ist etwa die Hälfte der Waldfläche Privatwald. Mit einem Viertel (2,6 Mio. ha begehbare Holzbodenfläche) der deutschen Waldfläche kommt dem Kleinprivatwald (bis 20 ha) für den Erhalt der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion eine zentrale Bedeutung zu. Jedoch genauso wie die Gesellschaft im Wandel ist, scheint sich auch die Struktur der Privatwaldeigentümer zu verändern; was insbesondere für die „Kopf-stärkste“ Eigentumsklasse gilt: eben diesen Kleinprivatwald. Der Kenntnisstand zum Kleinprivatwaldeigentum für die Schaffung von eigentümerorientierten Angeboten ist aber unzureichend und beschränkt sich auf regionale Studien (Schraml, 2018). So liegen selbst zur Anzahl der deutschen Privatwaldeigentümer nur grobe Schätzungen vor. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Pluralität der Lebensumstände und der Bewirtschaftungsziele der Eigentümer im Zuge des Agrarstrukturwandels und der Urbanisierung zugenommen haben. Im Kleinprivatwald befinden sich nicht mehr überwiegend die traditionellen, bäuerlichen Bewirtschaftungsziele und -formen. Dennoch zielen die bestehenden Förder-, Betreuungs- und Beratungsangebote vor allem auf eine traditionelle, forstwirtschaftliche Waldbehandlung. Wie vorliegende Studien belegen, erreichen diese Angebote einen großen Teil der Privatwaldeigentümer nur eingeschränkt.

Umfrage

Mittels einer Telefonstichprobe war es möglich, die Anzahl der Privatwaldeigentümer zu schätzen. Der Anteil identifizierter Privatwaldeigentümer lag bei 2,96 %. Legt man für die Hochrechnung die deutsche Bevölkerung zugrunde, dann leben in Deutschland 61.394.673 Personen ab 18 Jahren (Stichtag: 31.12.2015). Auf dieser Basis ergeben sich hochgerechnet etwa 1,82 Mio. Privatwaldeigentümer.

Insgesamt 1.056 von 1.202 befragten Privatwaldeigentümern waren in der Lage, eine Angabe zur Größe ihres Waldeigentums zu machen. Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, haben 95,5 % der Privatwaldeigentümer eine Waldeigentumsgröße bis 20 ha. Das bedeutet, dass wir in Deutschland hochgerechnet etwa 1,74 Mio. Kleinprivatwaldeigentümer haben und sie die „Kopf-stärkste“ Eigentumsklasse bilden.

Von besonders großem Interesse sind daher die Ergebnisse zu Kleinprivatwaldeigentümern und ihrem Waldeigentum. Wie in Tabelle 2 zu sehen ist, können bundesweit repräsentative Aussagen zum Alter, zur Eigentumsdauer, zum Alter bei Eigentumsübergang und zur Waldentfernung gemacht werden. So sind Kleinprivatwaldeigentümer derzeit im Durchschnitt 52 Jahre alt und seit 18 Jahren Waldeigentümer. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Eigentümer ihren Wald durchschnittlich mit 36 Jahren übernommen haben. Dabei liegt das Waldeigentum im Mittel 46 km vom eigenen Wohnort entfernt – wobei mindestens die Hälfte der Eigentümer höchstens 3 km (der sogenannte Median) von ihrem Waldeigentum entfernt wohnen.

Als besonders relevant erscheinen für Forstpraktiker und -politiker die Veränderungen die sich bei den „neuen“ Kleinprivatwaldeigentümern eingestellt haben. Wir gehen an dieser Stelle davon aus, dass „neue“ Eigentümer diejenigen sind, die ihren Wald in den vergangenen 10 Jahren übernommen haben. Zu diesem Zweck sind in der Tabelle 2 die beiden Gruppen „alte“ (>10 Jahre; 62 %) und „neue“ (≤10 Jahre; 38 %) Waldeigentümer vergleichend dargestellt. Ohne an dieser Stelle zu sehr auf die statistischen Details eingehen zu wollen, sei angemerkt, dass die augenscheinlichen Unterschiede zwischen der Eigentumsdauer über und bis zehn Jahre tatsächlich auch statistisch signifikant sind. So weicht das durchschnittliche Alter um 12 Jahre voneinander ab und beträgt für die „Alten“ 58 Jahre und die „Neuen“ 46 Jahre. Im Mittel haben die „Neuen“, erwartungsgemäß, ihren Wald seit fünf Jahren und die restlichen Waldeigentümer seit 26 Jahren.

Interessant ist das Alter des Eigentümers bei Eigentumsübergang. Dies hat sich in den vergangenen zehn Jahren anscheinend deutlich erhöht und zwar auf 41 statt 33 Jahre. Gleiches gilt für die Entfernung zwischen dem Waldeigentum und Wohnort, welche sich mehr als verdoppelt hat und zwar auf 66 statt 27 km. Allerdings sei auch an dieser Stelle angemerkt, dass nach wie vor mindestens die Hälfte der Kleinprivatwaldeigentümer sehr nah am eigenen Waldeigentum wohnt – hier hat sich die Entfernung lediglich von höchstens 2 auf 3 km erhöht. Betrachtet man den Anteil der Kleinprivatwaldeigentümer, die ihren Wald in den vergangenen 10 Jahren übernommen haben, so lässt sich feststellen, dass dies jährlich etwa 65.000 „neue“ Eigentümer (vermutlich überwiegend durch Generationenwechsel) waren. Diese Eigentümer scheinen demnach durchschnittlich älter zu sein, wenn sie das Eigentum übernehmen, und räumlich zunehmend weiter entfernt von ihrem Waldeigentum zu leben, als die Generationen zuvor. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Veränderungen bei Kleinprivatwaldeigentümern eingetreten sind, welche die Aktivierung der Eigentümer vor weitere Herausforderungen stellen dürften.

Weitere Hintergründe zum Projekt und speziell zur Befragung unter www.waldbefragung.de Der Waldklimafond wird auf der Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages unter gemeinsamer Federführung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) errichtet.

Dr. Christoph Neitzel KKEG-Projektkoordinator Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie Hamburg, E-Mail: christoph.neitzel@thuenen.de

Auch interessant

von