Waldschutz

Ist denn schon Herbst?

Bearbeitet von Rainer Soppa

Astronomisch beginnt der Herbst 2022 mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 23. September. Aber in diesem Jahr ist schon seit einiger Zeit bei vielen Laubbäumen eine typische Herbstfärbung zu sehen.

Schon im Sommer haben viele Laubbäume ihre Blätter verfärbt oder abgeworfen. Zum Teil sind die Blätter auch mattgrün an den Bäumen verdorrt. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen im trocken-heißen Unterfranken, aber auch in vielen anderen Gebieten hat der Herbst schon im Mitte Juli begonnen. In Bad Hersfeld zum Beispiel hat es laut wetterkontor.de in den Monaten Juni bis Ende August nur ein Drittel so viel Niederschlag gegeben wie im langjährigen Mittel.

Sommerlicher Laubabwurf einer Eiche Foto: J. Kaffenberger / HessenForst
Sommerlicher Laubabwurf einer Eiche
Foto: J. Kaffenberger / HessenForst

Ähnliche Phänomene eines vorgezogenen Herbstes wurden auch in den Trockenjahren 2003, 2015 und 2018 bis 2020 beobachtet. Vielerorts haben sich die Blätter gar nicht mehr verfärbt und die Bäume haben die grünen Blätter abgeworfen. Die Trockenheit kam in diesem Jahr offensichtlich zu schnell und heftig. Um die weitere Verdunstung sofort zu beenden und nicht komplett zu vertrocknen, haben die Bäume ihre transpirierenden Blätter schnellstmöglich abgeworfen. Oft blieb den Bäumen in diesem Jahr dabei keine Zeit mehr, ihre Nährstoffe und wertvollen Mineralstoffe aus den Blättern zurückzuziehen. Durch den Abbau des grünen Chlorophylls verlieren die Blätter auch ihre grüne Farbe und sie verfärben sich gelblich und rötlich.

Was bedeutet der frühzeitige Herbst für Laubbäume?

Wenn der Prozess des Nährstoff- und Mineralienrückzugs nicht oder nicht vollständig ablaufen kann, fehlen dem Baum diese Nährstoffe im folgenden Jahr. Besonders betroffen davon seien Phosphor und Kalium, aber auch Stickstoff und Magnesium, die in Normaljahren in Rinde und Wurzeln gespeichert werden. Die Laubstreu wird zwar im Laufe der Jahre von den Bodenorganismen wieder zersetzt und die Nährstoffe können von den Wurzeln der Bäume wieder aufgenommen werden. Aber das bedeutet eine weitere Kraftanstrengung für die Bäume.

Zuwachsverlust

Doch auch die Energiereserven der Bäume werden bei einem verfrühten Laubfall geringer. Weniger Blätter bedeutet auch eine geringere Leistung bei der Fotosynthese und somit auch weniger Energie und Wachstum für den Baum. Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft haben gezeigt, dass die vergangenen Hitzejahren in Trockengebieten bereits deutliche Zuwachsrückgänge zur Folge hatten. Normalerweise überlebt ein Baum einen trockenen Sommer ohne Probleme. Mehrere Jahre mit Wassermangel schwächen jedoch die Vitalität der Bäume erheblich. „Die gelegentlichen, kurzen Gewitterschauer haben so gut wie keinen Effekt auf den völlig ausgetrockneten Oberboden“ warnt Michelle Sundermann, Pressesprecherin von HessenForst.

Die Schutzfunktion der Laubbäume gegen das akute Verdursten führt also auf der anderen Seite zum Hungern der Laubbäume. Beim Austrieb im nächsten Jahr und möglicherweise sogar in den Folgejahren werden die Bäume das noch spüren.

Aussichten

Um den Wald an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen, begründen Waldbesitzer und Forstverwaltungen zukunftsfähige Mischwälder mit einer Vielzahl von Baumarten, die auch mit weniger Wasser zurechtkommen. Dazu zählen die Forstleute beispielsweise Eichen, Ahorne, Eschen und Linden aber auch Kiefer und Douglasie. Auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sagt der Eiche eine größere Stabilität im Klimawandel vorher als anderen Laubbäumen. Offensichtlich kommt die Eiche mit dem Klimawandel tatsächlich besser zurecht als Ahorn, Birke, Linde und Buche. Änderungen wird es auch bei der Begründung bzw. Wiederaufforstung geben müssen, da auch bereits die jungen Bäume stark unter der Trockenheit leiden.

LWF, HessesForst, Red