Holzindustrie, -verbände

ISC: Starke Nachfrage, aber Herausforderungen in der Versorgung

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Zum ersten Mal in hybrider Form fand am 14. Oktober die Internationale Nadelholzkonferenz (ISC) im Clarion Hotel in Helsinki sowie online statt. Gastgeber war der finnische Sägewerksverband zusammen mit dem Europäischen Sägewerksverband (EOS) und dem Europäischen Holzhandelsverband (ETTF).

2020 musste die Konferenz coronabedingt komplett online stattfinden. Dieses Jahr ließ die pandemische Lage eine Präsenzveranstaltung zu. Um ein möglichst großes Publikum zu erreichen, wurde die Konferenz parallel online übertragen. Am Ende waren 200 Besucher vor Ort, weitere 100 sahen online zu.

Große Unsicherheit

Das Jahr 2021, so die Bilanz der Veranstalter, wird als außergewöhnlich in die Geschichte eingehen. Die Nachfrage am Nadelschnittholzmarkt erreichte über weitere Teile des Jahres nie dagewesene Höhen, allerdings in einem volatilen Umfeld und großer Unsicherheit für die Zukunft. Man erwartet einen Rekordzuwachs in der Produktion du im Verbrauch von Nadelschnittholz, der am Ende des Jahres bei 6 – 7 % gegenüber 2020 liegen dürfte.

Die Marktdynamik, die sich bereits im Jahr 2020 andeutete, hielt 2021 an. Die Nachfrage war getrieben, von einem lebhaften Baumarktsektor, einem starken Renovierungsmarkt und einer robusten Baubranche. Für 2022 erwarten die Marktteilnehmer ein moderates weiteres Wachstum, trotz der sehr hohen Niveaus von Produktion und Verbrauch. Die Unsicherheit inmitten sich rasch verändernder Märkte ist allerdings groß.

Marktextreme

Morten Bergsten, Vizepräsident und Vorsitzender des Bereichs Nadelholz im ETTF, EOS-Präsident Herbert Jöbstl und Kai Merivuori, Geschäftsführer des finnischen Sägewerksverbands fanden in ihren Präsentationen ähnliche Botschaften von ihren jeweiligen Standpunkten als Hersteller oder Verbraucher von Nadelschnittholz. Alle drei betonten, das Jahr 2021 sei von einem Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot geprägt gewesen, das sich im 4. Quartal abzumildern scheine. Dieses Ungleichgewicht habe im 1. Halbjahr die Preise in Rekordhöhen und die Lagerbestände in Rekordtiefen getrieben.

Um den lokalen Bedarf zu bedienen, haben sich die Europäischen Firmen dieses Jahr auf die heimischen Märkte fokussiert. Der einzige Überseemarkt für europäisches Nadelschnittholz, der 2021 gewachsen ist, sind die USA. Auch herrschte über weite Teile des Jahres eine sehr hohe Nachfrage bei extrem volatilen Preisen.

Steigende Nachfrage

Ein Grund optimistisch zu sein sei die sich immer weiter verbreitende Erkenntnis über das Potenzial von Holz, die klimatische Temperaturerhöhung abzumildern und der steigende Marktanteil von Holz im Bauwesen, erläuterte Herbert Jöbstl in seiner Präsentation. Die Kundschaft der europäischen Sägewerke sei seit dem beginn der Pandemie gewachsen. Es werde für den Erfolg der Sägeindustrie entscheidend sein, zumindest einige dieser neuen Kunden zu halten.

Die Nadelschnittholzpreise waren über viele Jahre niedrig im Vergleich zu anderen Baumaterialien. Sie könnte sich jetzt auf einem höheren Niveau stabilisieren. Diese Ansicht teilten Referenten von beiderseits des Atlantiks. Morten Bergsten betonte, dass der Verbrauch im kommenden Jahr voraussichtlich stärker wachsen werde als die Produktion, was auf eine starke zugrundeligende Nachfrage hindeute. Die Gesamtsituation des Nadelholzsektors sei gut.

Herausforderungen

Dieses grundsätzlich rosige Bild berge jedoch zahlreiche Herausforderungen, insbesondere wenn es um die Versorgung mit Rohmaterialien geht. Die Rohholzpreise, die über weite Teile des Jahres 2020 niedrig waren, legten ab Ende 2020 zu und erreichten in einigen europäischen Ländern Rekordstände.

Und während die Vorteile von Holz hinsichtlich des Klimawandels wissenschaftlich auf breiter Basis unstrittig anerkannt werden, scheine die aktuelle EU-Politik zum Hindernis bei der Mobilisierung von Rohholz in den kommenden Jahren zu werden. Sie sei zu monothematisch festgelegt auf die Umweltleistungen des Waldes ausgerichtet und vernachlässige ökonomische Aspekte und den Versorgungsbedarf des Holzsektors.

Dazu komme das russische Exportverbot für Rundholz, das am 1. Januar 2022 in Kraft tritt und den globalen Rundholzmarkt umwälzen und damit die europäische Versorgung weiter unter Druck setzen werde.

Während 2021 ein eher ruhiges Jahr war, was Kalamitäten betrifft, sei es absehbar, dass der Klimawandel in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen und auch von den europäischen Wäldern einen nennenswerten Tribut fordern werde.

Nächste ISC

Die nächste Internationale Nadelholzkonferenz wird im Oktober 2022 in Dänemark stattfinden. Mehr Informationen und Präsentationen unter https://ettf.info/isc-2021.

Quelle: EOS