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Valfix

Doppeltest: BaStIng Valfix und Schleiferl in der Praxis

Die oberbayerische Ideenschmiede BaStIng hat Anfang des Jahres gleich zwei neue Produkte auf den Markt gebracht: Die Erfinder des Akkukeils haben mit dem ValFix die zwei bisher bekannten Bauformen von Schraubkeilen kombiniert. Das Schleiferl soll nach ihrer Vorstellung die Schärftechnik für Kettensägen revolutionieren. Wir haben beides über die vergangenen Monate getestet.

Mit dem Siegeszug der mechanischen Fällkeile, deren Vorteilhaftigkeit ja mittlerweile auch wissenschaftlich belegt ist, sind immer mehr Spielarten auf den Markt gekommen; vor allem natürlich die ferngesteuerten Versionen, die bei abgängigem Laubholz derzeit eine gewisse Rolle spielen. Aber auch kleine und leichte Ableger wurden entwickelt, die bei nicht ganz so anspruchsvollen Aufgaben durch geringes Gewicht und schnelle Verfügbarkeit punkten sollen. Grundsätzlich gab es da bisher zwei Bauformen: Die meisten Hersteller verstecken die Spindel für den Vortrieb innen im Keil. Lediglich die Firma Forstreich nutzt mit Erfolg die außenliegende Spindel. Den Vorteilen – sehr effektive Hubhöhe durch einen langen Vorschubweg und einfache, robuste Abstützung/Lagerung im Gehäuse stehen auch ein paar prinzipielle Nachteile gegenüber: So ein Gerät hat eine große Baulänge, eine Drehmomentabstützung für den ferngesteuerten Einsatz ist nur sehr aufwändig zu realisieren und beim Transport liegt immer die fettig-ölige Spindel offen.

Teilintegrierte Spindel

Ohne die seitliche Abdeckung des Keils sieht man schön die gegenläufigen Gewindegänge der teilintegrierten Spindel. Der Ansatzbereich für den Schlagschrauber zeigt schon leichte Abnutzungserscheinungen Foto: H. Höllerl

Der kleine ValFix kombiniert letztlich beide Bauweisen miteinander. Die Hälfte der Spindel sitzt im Innenkeil, die andere Hälfte steht nach hinten heraus. Fast die gesamte Länge kann für den Ausschub genutzt werden. Entsprechend konnte hier ein sehr flacher Keilwinkel gewählt werden, weil so auch nahezu die ganze Höhe des Innenkeils (3,5 cm) in Hub umgewandelt werden kann. Das Gerät wiegt nur 1,36 kg und passt in die ganz normale Keiltasche am Werkzeuggurt, wo das Gewicht auch kaum zu spüren ist. Der Schrauber ist ebenfalls kleiner und leichter als beim großen Bruder ValFast: Der Milwaukee FMTIWF-12 bringt ein maximales Drehmoment von 610 Nm. Mehr soll man dem kleinen Kerl auch nicht zumuten. Er wiegt dabei incl. 5-Ah-Akku 2,4 kg. Das sind 1 100 g weniger als für den Schrauber des ValFast. Wir haben diesen am Sappie-/Beilhalter des Gurts eingehängt. Das ist soweit in Ordnung, allerdings baumelt er da ziemlich stark herum, so dass man ihn nach der Fällung zum Entasten definitiv am Stammfuß liegen lässt und erst nach dem Anschreiben der Maße wieder aufnimmt, um damit zum nächsten Baum zu gehen. BastIng bietet zwischenzeitlich einen speziellen Halter an, mit dem sich der Griff des Schraubers am Gurt einclipsen lässt. Damit rührt sich nix mehr. Der Nachteil der offenen Spindel fällt hier nicht so stark ins Gewicht, weil man den kleinen Keil dort nicht anfassen muss.

Ein großer Vorteil: Der kleine und leichte Schraubkeil ValFix passt ganz einfach in die vorhandene Keiltasche am Forstgurt Foto: H. Höllerl

Schnell und kräftig

Im Testeinsatz zeigte sich sehr schnell ein grundlegender Vorteil: Dieses Gerät ist so handlich, dass es eigentlich immer dabei ist. Die Kollegen rissen sich förmlich darum, wer den ValFix mitnehmen darf. Mit dem schnellen Schrauber liegen die Bäume im Handumdrehen – das erfreut vor allem den Beifäller vor dem Harvester. Ohne die angegebene Hubkraft von 15 t in diesem Fall extra nachgemessen zu haben, kamen wir übereinstimmend mit allen Testern zu dem Schluss: Im Nadelholz braucht man eigentlich die großen Keile nicht, da reicht der ValFix in jedem Fall aus. Laubholz mit seinen schweren Kronen lässt sich bis zu einem BHD von rund 45 cm gut kontrollieren. Im schwachen Holz funktioniert der große ValFast irgendwann nicht mehr so gut, weil es gar keinen rechten Platz für die Anlage des Schnabelschnitts gibt, in dem man den Keil anfänglich verankert. Auch der Raum bis zur Bruchleiste für den Vortrieb des Innenkeils ist zu knapp. Weil das alles viel kleiner ausfällt, lässt sich der ValFix schon ab rund 20 cm BHD gut einsetzen.

Laufende Verbesserung

Um volle Leistung zu bringen, müssen die Schraubkeile immer gut geschmiert werden. Dafür besitzt der ValFix zwei Schmiernippel: einen hinten am Lagerbock und einen unter dem Quetschschutz am Innenkeil. Das funktioniert im Prinzip recht gut, allerdings zeigte sich nach einiger Zeit, dass die Schrauben zur Befestigung dieser seitlichen Abdeckungen sich immer wieder losvibrierten. Nachträgliches Einkleben mit Schraubensicherungsgel half bei der fettigen Oberfläche nur kurzzeitig. Das soll in der Serie künftig von vornherein gegeben sein. Ein weiterer Punkt, wo sich beginnender Verschleiß zeigt, ist die Sechskant-Aufnahme der Spindel für den Schlagschrauber: Das Gerät besitzt im Prinzip keinen Endanschlag. Wenn die Welle zu Ende ist, verschwindet sie langsam im Lagerbock, bis die Schlagnuß abspringt. Darunter leiden die Außenkanten. Den gleichen Effekt gibt es übrigens bei den Produkten von Forstreich-Maschinenbau. Um die Spindel wieder zurückzudrehen, ist ein weiterer, kleiner Sechskant aufgebracht. Doch dazu muss der Keil zunächst entlastet werden und der passende Schlüssel zur Hand sein. Letztlich ist die Spindel also ein Verschleißteil. Der Ersatz schlägt mit 50 € netto zu Buche. Der ganze Keil kostet 400 €, das Komplettset mit Schrauber, Ladegerät, zwei Akkus und dem Gürtelhalter liegt bei 910 €. Die Kollegen werden sich das Teil auf jeden Fall kaufen – das ist eigentlich der beste Beweis, dass sie damit zufrieden waren. Zwischenzeitlich hat der ValFix auch die Prüfung zum KWF-Profi bestanden.

Update vom 1.6.2020: Zwischenzeitlich wurde die Spindel noch stärker gehärtet, damit der Verschleiß nicht mehr ins Gewicht fällt.

Schleiferl

An dem zweiten Produkt, das wir in diesen Tagen intensiv ausprobiert haben, scheiden sich auf den ersten Blick einmal wieder die Geister. Viele Leute, die das Schleiferl zum ersten Mal zu Gesicht kriegen, reagieren mit Unverständnis und Ablehnung: Weshalb sollte man so ein klobiges, umständliches und teures Ding mitschleppen, wenn es doch zum Schärfen von Motorsägenketten ein paar ganz simple und effektive Werkzeuge gibt? Aber – wir erinnern uns – so ähnlich klangen die Kommentare auch, als BaStIng den Akkukeil zum ersten Mal zeigten …

Die meisten Befürchtungen gehen dahin, dass sich mit dem Schleifband entweder keine konsistente Schärfe erzielen lässt, oder dass der Materialabtrag viel zu hoch sei – eine Sägekette also viel schneller verbraucht ist, als mit der üblichen Feiltechnik. Auch diesen Fragen galt es auf den Grund zu gehen.

Die Grafik zeigt: Mit dem Schleifband entsteht eine gerade Schneide, ähnlich einem Kantenschliff Grafik: BastIng

Beim Schärfen mit der Rundfeile arbeiten viele mit Hilfsmitteln, um den korrekten Schärfwinkel einzuhalten. Der Brustwinkel ergibt sich vornehmlich aus der Stärke der Rundfeile. Eigentlich ganz einfach – und trotzdem ist allgemein bekannt, dass ziemlich viel Übung und eine ruhige Hand dazugehört, bis wirklich eine scharfe und schnitthaltige Kette dabei herauskommt. Das Schleiferl mit seinem Schleifband hat im Prinzip den Vorteil, dass der Abtrag im Bereich des Zahndachs geradlinig verläuft und nicht gebogen, wie bei der Schneide, die durch eine Rundfeile entsteht. Das sollte erst mal eine höhere Standzeit begünstigen. Die ersten Prototypen des neuen Schärfgeräts mussten völlig freihändig geführt werden, was die Einhaltung gleichmäßiger Winkel sehr schwierig machte. Inzwischen hat der Apparat am vorderen Ende „Ohren“ bekommen. Hält man diese jeweils schön parallel zur Sägeschiene, entspricht das einem Schärfwinkel von 30° und einem normalen Brustwinkel.

Die „Ohren“ als Winkelanzeige sind eine große Hilfe beim Schärfen Foto: H. Höllerl

Ausgerüstet mit diesen Informationen wagten wir uns an die ersten Schärfversuche. Mit der Aussage von Josef Strobl im Anleitungsvideo im Hinterkopf, dass man erst ungefähr eine ganze Kette runtergefeilt haben muss, bis man es einigermaßen beherrscht, gingen wir allerdings ganz offensichtlich zu zaghaft ans Werk. So eine richtige Schärfe wollte sich nicht einstellen. Immerhin war schnell klar: Beim Einschnitt von vorgerücktem Holz oder beim Abstocken im Windwurf, ist es enorm vorteilhaft, mit diesem Gerät schnell wieder einsatzbereit zu sein, wenn die Kette ständig durch Schmutz am Holz stumpf wird. Mit diesem Fazit hätten wir eigentlich den Test schon fast beendet, schließlich reicht das für den Unternehmer ja durchaus als Argument, sich so ein Gerät anzuschaffen. Trotzdem wollten wir noch einmal genau wissen, wie es geht und was mit entsprechender Erfahrung rauszuholen ist. Deswegen luden wir Josef Strobl ein, uns die Technik noch einmal live vorzuführen, mit entsprechenden Probeschnitten zum Vergleich.

Übung macht den Meister

Erfinder Josef Strobl zeigt uns noch einmal die korrekte Anwendung des Schleiferls Foto: H. Höllerl

Dabei konnten wir noch einmal nachvollziehen wie das Prinzip funktioniert. Es gibt zwar für jede Kettenteilung eine eigene Umlenkwelle für das Schleifband (0,325“ und 3/8“ gehören zur Serienaustattung) aber im Grunde genommen lässt sich auch mit der 1/4-pico-Welle eine .404“-Harvesterkette schleifen. Dabei wird lediglich die Zahnflanke auf einer immer längeren Strecke gerade ausgeformt, ähnlich dem Kantenschliff. Bei den ersten Schnittversuchen im Zusammenhang mit der KWF-Prüfung zeichnete sich auch ab, dass Ketten, die solchermaßen geschärft wurden, Schnittschutzhosen deutlich schneller durchtrennen als rund gefeilte. Strobl konnte uns beweisen, dass er mit seinem neuen Werkzeug eine Schärfe erzeugen kann, die einer sorgfältig handgefeilten Kette mindestens ebenbürtig ist. Umgekehrt war auch eindrucksvoll zu sehen, wie standfest eine „steile Schneide“ sein kann. Der Materialabtrag ist nach unserer Ansicht schon höher als mit der Feile, aber längst nicht so wie bei einem Automaten, der zudem immer stur alle Zähne auf die gleiche Länge bringt. Darauf legt Strobl nämlich keinen gesteigerten Wert. Er bearbeitet enfach jedes Zahndach so lange, bis es scharf ist. Allerdings empfiehlt er dringend, danach für jeden Zahn den Tiefenbegrenzer wieder korrekt einzustellen, z.B. mit dem Tiefenbegrenzer-Schleiferl, einer Lehre aus Chromstahl, über die man mit der Fächerscheibe drüberfährt. Nach seiner Erfahrung, die uns auch von einigen Kettensägen-Profis bestätigt wurde, ist das für einen ruhigen und geraden Schnitt wesentlich wichtiger als die exakt gleichen Zahnlängen.

Wichtiger als gleichmäßige Zahnlängen erscheint, dass jeweils der Tiefenbegrenzer angepasst wird Foto: H. Höllerl

Preisfrage

Das Schleiferl ist mit 235 € netto definitiv kein Schnäppchen. Der Akkuschrauber sollte mindestens 3000 U/min. liefern, deswegen ist der vom ValFix eigentlich nicht optimal geeignet. Im Set mit dem kurzen Heck-Schrauber Milwaukee M18 CBLID liegen wir bei 420 €. Der verwendet immerhin die gleichen Akkus. Trotzdem gibt es schon eine Reihe von Unternehmern, die auf dieses Gerät schwören, zum Teil werden sogar Harvesterketten an der Maschine geschärft. Ein kleines Experimentierfeld für die Firma BaStIng bleiben bisher noch die Schleifbänder. Sie verschleißen noch relativ schnell und es soll in Zukunft verschiedene Körnungen geben: für die schnelle Instandsetzung und für die ganz feine Schärfe.

Es gibt durchaus auch Harvester-Unternehmer, die nicht jedes Mal gleich die Sägekette wechseln Foto: M. Kubatta-Große

Heinrich Höllerl

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