Baum und Natur

Internationaler Tag des Artenschutzes: Schlüsselarten und ihre Ökosysteme

Bearbeitet von Carolin Föste

Am 3. März wird jedes Jahr weltweit der Tag des Artenschutzes gefeiert (World Wildlife Day). Dabei steht er in diesem Jahr unter dem Motto „Rückgewinnung von Schlüsselarten für die Wiederherstellung von Ökosystemen“ und stellt damit Tiere und Pflanzen in den Fokus. Das Ökosystem Wald in Deutschland und weltweit ist vielen Arten der Flora und Fauna ein Zuhause und somit auch am heutigen Tag wieder Thema.

Zeichnen sich Deutschlands (Wirtschafts-)Wälder durch einen hohen Artenreichtum aus? Welche Wälder sind besonders artenreich und welche Arten gilt es zu schützen? Neben Beispielen für artenreiche Wälder wollen wir in diesem Beitrag auch über internationale Projekte zum Schutz der Vogelwelt sprechen.

Seltene Arten und Schwarzspechte

Schwarzsprecht an Baumhöhle
Schwarzspecht an Baumhöhle
Foto: R. Breidenbach

Die Wälder in Deutschlands sind artenreiche Habitate. Spechte dienen mit ihrer Bautätigkeit als Vorreiter für weitere Tierarten im Lebensraum Wald. Zieht der Schwarzspecht beispielsweise aus, erfüllen seine Baumhöhlen vielfach als Kinderstube von Hohltaube und Raufußkauz weitere Aufgaben. Danach wiederum wird das verrottende Holz zum Biotop für seltene Insektenarten wie dem Kardinalroten Schnellkäfer.

Auch der Biber ist ein Ökosystemingenieur und gestaltet einzigartige Waldökosysteme. Durch selbstgebaute Staudämme entstehen Auwälder und Waldtümpel, die seltenen Libellenarten eine Heimat bieten. In den Gefilden der Waldquellen und oberen Bachbereiche fühlen sich unscheinbarere Arten wohl: Der Alpenstrudelwurm und Köcherfliegenlarven sind Beispiele dieser für das Ökosystem wichtiger Arten. In bergigen Regionen mit vorwiegend Laubmischwäldern, lebt außerdem der Feuersalamander. So zeigen sich deutsche Wälder sehr vielfältig.

Michael Elmer, Team Waldnaturschutz vom Landes(forst)betrieb Wald und Holz NRW, erläutert den Stellenwert des Artenschutzes in der Forstwirtschaft: „In der Vogelwelt nimmt die Artenvielfalt – anders als in der Agrarlandschaft – zu. Ehemals oder nahezu ausgestorbene Vogelarten sind wieder zurück in unseren Wäldern. Kolkrabe, Schwarzstorch und Uhu sind eindrucksvolle Beispiele. Diese positive Entwicklung ist der Erfolg unserer jahrelangen Naturschutzarbeit im Wald.“

Studie der WSL unterstützt internationalen Naturschutz

Neue Erkenntnisse der Ökologie gibt es derweil auch aus der Schweiz. So berichtet die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) von ihrer Studie, die zeigt, dass die Schnäbel von Vögeln im Regenwald an die Größe der vorkommenden Früchte angepasst sind. Das gewonnene Wissen über das demnach enge Zusammenwirken von Arten und ihrem Lebensraum liefere Lösungsansätze für den Artenschutz, aber auch die Renaturierung von Wäldern und Wiederauswilderung von Tieren.

Vogelarten und ihre Schnabelgrößen
Ein Halsbandarassari (Pteroglossus torquatus) aus der Familie der Tukane frisst in Belize reife Palmfrüchte.
Foto: J. Norton via Wikimedia Commons, CC BY 2.0

„Vogelschnäbel und Palmenfrüchte stehen wohl schon seit Millionen von Jahren miteinander in Wechselwirkung“, sagt Ian McFadden, WSL-Gruppe Räumliche Evolutionsökologie. Mit weiteren Forschenden erstellte McFadden erstmals eine weltweite Karte, die Schnabel-Öffnungsweiten und die Größe der Palmfrüchte abgleicht. „Normalerweise erforscht man Interaktionen von Arten regional, wir haben dies nun auf globaler Skala anhand von Artmerkmalen gemacht“, so McFadden.

In den Forschungsergebnissen zeige sich, dass die beiden Merkmale enger verbunden waren, je näher die Arten am Äquator lebten. Diese Untersuchung über die Zusammenhänge zwischen Bäumen und Samenverbreitern sei auch ein Weg, um den Naturschutz zu unterstützen. „Wenn man zerstörte Wälder renaturieren will, muss man auch Samen verbreitende Tiere berücksichtigen und allenfalls wieder auswildern“, sagt McFadden. Viele Früchte würden schließlich durch Tiere verbreitet. Nach Ansicht des Biologen stützt die Studie die Hypothese, dass die Tropen eine so hohe Artenvielfalt aufweisen, weil die Interaktionen zwischen den Arten dort stärker sind.

Kann auch die Holzwirtschaft der Artenvielfalt dienen?

Anknüpfend an die These, die Interaktion zwischen Pflanzen- und Tierarten erhöhe die Artenvielfalt, gibt es in Deutschland Studien zu erhöhten Artenvorkommen in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e. V. (AGR) berichtet dazu, dass der Artenreichtum in bewirtschafteten Wäldern nicht geringer als in stillgelegten Wäldern sei – was auch eine Studie des Umweltbundesamts zeigt. Erklärt werde dies mit der Heterogenität, die durch gezielte Eingriffe entsteht. Ökologische Nischen tun sich infolgedessen auf. Durch diese kommen in Wirtschaftswäldern Arten vor, die im nicht genutzten Wald deutlich seltener wären.

„Artenschutz und Waldbewirtschaftung stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Es gibt viele Wege, wie mehr für die Biodiversität im Wald getan werden kann, ohne dass die Gesellschaft auf die nachhaltige Gewinnung der wertvollen Ressource Holz verzichten muss“, so Lukas Freise, Geschäftsführer der AGR. Der Holzhandel nehme Freise nach ebenfalls Einfluss auf die Artenvielfalt. In ganz Europa unterliege der Handel mit Holz, insbesondere der Handel mit Tropenholz, starken Auflagen. Europäische Gesetze zur Garantie von entwaldungsfreien Lieferketten für die Industrie sollen außerdem künftig die Zerstörung von Wäldern international noch besser verhindern.

Deutsche Wälder im Tag des Artenschutzes

Im letzten Jahr stand der Welttag des Artenschutzes im Zeichen des Waldes und machte auf weltweit schwindende Waldflächen aufmerksam. Die Rolle des Waldes als Lebensgrundlage des Planeten wurde dabei hervorgehoben. Das Thema ist abseits des 3. März relevant, da auch in Deutschland kürzlich auf die Waldschäden, die größer sind, als befürchtet, aufmerksam gemacht wurde.

Im nächsten Jahr feiert dieser „Mottotag der Natur“ sein 50-jähriges Jubiläum, da er bereits seit der Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens am 3. März 1973 jährlich stattfindet.

Quelle: WSL, Wald und Holz NRW, AGR