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Einer der Lufteklektoren auf der Halbinsel Weidenauel im Kermeter. Insektenforscher Dr. Esser baute die Lufteklektoren zum Fang flugaktiver Insekten.

Insektenleben zwischen Baumwipfeln

Im Nationalpark Eifel wurde erstmals das Insektenleben in den Baumwipfeln zu untersucht. In bis zu 20 m Höhe wurden zwischen März und September in den Baumwipfeln Fluginsekten mit so genannten Lufteklektoren gesammelt. Dazu hingen Baumkletterer der Nationalparkverwaltung die Anflug-Fallen in fünf bis 20 Metern Höhe auf. Als Standorte wurden Baumkronen in Eichen-, Buchen- und Kiefernwaldrändern sowie in trockenwarmen mit Felsen durchsetzten Eichenwäldern im Kermeter und Hetzinger Wald gewählt. Die Fallen bestehen aus übergekreuzten Plexiglasscheiben, die anfliegende Insekten nach oben oder unten über Trichter in alkoholgefüllte Fanggefäße leiten. Alle zwei Wochen leerten Ranger die Becher. Ende September wurde die letzte Falle abgebaut.

Bis zu neun Forscher arbeiten nun an der Auswertung des mehr als 10 000 Insekten umfassenden Fanges. Bearbeitet werden verschiedenste Insektengruppen: neben den äußerst artenreichen Hautflüglern, wie Wildbienen, Wespen, Ameisen, Pflanzenwespen unter anderem auch zahlreiche Zweiflügler wie die Schwebfliegen, Hummelschweber oder Bremsen sowie Schmetterlinge, Käfer, Kamelhalsfliegen und Wanzen. „Erst das Wissen über die Artenvielfalt auch dieser Waldbereiche kann Aufschluss über die aktuelle Ausstattung der Nationalparkwälder geben“, erläutert der Leiter des Fachgebietes Forschung und Dokumentation, Dr. Michael Röös. Außerdem seien die Daten wichtig, um die Entwicklung der nicht mehr einer menschlichen Nutzung unterliegenden Wälder, auch im Zuge der weltweiten Klimaerwärmung, verfolgen zu können.
 
Erste Auswertungen ergaben, dass 24 der bis jetzt im Nationalpark nachgewiesenen Stechimmen-Arten sich auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Arten befinden, 59 auf der entsprechenden Liste für Nordrhein-Westfalen. Bereits in den ersten Jahren der Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass im Nationalpark Eifel noch Arten vorkommen, die andernorts in NRW gefährdet oder bereits ausgestorben sind, wie die Berg-Feldwespe Polistes biglumis. Sie wurde an den trockenwarmen Hängen des Odenbachtals erstmals wieder seit 1952 in NRW nachgewiesen. Die Zahl der im Nationalpark nachgewiesenen Wildbienen und Wespen hat sich bis Ende 2012 ohne die noch auszuwertenden Eklektorfänge aus diesem Jahr auf 259 Arten erhöht, das entspricht 60 Prozent der bekannten Eifel-Fauna.

Lb Wald und Holz NRW
Einer der Lufteklektoren auf der Halbinsel Weidenauel im Kermeter. Insektenforscher Dr. Esser baute die Lufteklektoren zum Fang flugaktiver Insekten. Forscher nutzen oft Malaise Fallen - benannt nach ihrem Erfinder - um Fluginsekten in Bodennähe zu fangen. Hier baut Insektenforscher Dr. Esser eine Falle auf der Dreiborner Hochfläche auf. Seit 2008 kartiert der Biologe im Nationalpark.

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