Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service

Initiative Holz und Arbeit NRW: Stiftungs-Plan hat gravierende Auswirkungen

Die beabsichtigte Überführung von bis zu 66.000 ha Staatswald in eine NRW-Stiftung könnte für die Bürger im Lande zu schmerzlichen Einbußen bei Mountainbiking, Wandertouren, Kaminholzbeschaffung und auch zu steigenden Baukosten führen. Das haben interne Berechnungen der Initiative Holz und Arbeit NRW ergeben. In ihr sind bislang rund 30 Holz verarbeitende Familienbetriebe aus Südwestfalen zusammengeschlossen.
Gemeinsam mit dem Bund Deutscher Forstleute (BDF) und dem Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) kritisieren die sauerländischen Familienbetriebe die von Landesumweltminister Remmel angekündigte Herausnahme von bis zu 50 % der Staatswaldflächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung und Überführung dieser Nutzwaldflächen in eine öffentlichrechtliche Stiftung. Das Vorhaben umfasst eine Fläche von bis zu 150.000 Fußballfeldern und würde für viele Wanderer bedeuten, dass sie den Wald nicht mehr wie bisher betreten können.
„Wir gehen von rund 800 km Wanderwegen aus, die dann nicht mehr nutzbar sind. Natürlich wären auch die rechts und links der Wanderwege gelegenen Flächen nicht mehr betretbar. Denn Wildniswald bleibt sich selbst überlassen, da modert das Holz, da fällt schon mal ein Ast vom Baum, da herrscht große Unfallgefahr. Diese Gefahr wird man nur eindämmen können, wenn man den Wald sperrt“, erklärt Hans-Georg Pieper, Sprecher der Initiative Holz und Arbeit NRW. Auch Pilzsammler wären übrigens betroffen: Wer bislang regelmäßig im Herbst mit Körben und Rucksäcken unter anderem auch durch staatliche Forste stromerte, wird wohl künftig nur noch in Privatwäldern Morcheln und Pilze einsammeln können.
Kritiker fordern verbindliche Klarstellung zur NRW-Stiftung
NRW-Landesumweltminister Remmel hatte bei der Vorstellung seiner Biodiversitätsstrategie im Februar die Waldflächen genannt, die dem privaten und öffentlichen Zugriff für immer entzogen werden sollen, indem diese Flächen in eine Stiftung zu überführen seien. Interessengruppen und Verbände hatten dies scharf kritisiert, weil die Zahl von rund 60.000 ha im Vorfeld nicht klar kommuniziert worden sei. Das Ministerium sprach daraufhin von einem redaktionellen Versehen und verwies auf jene nur 14.000 ha, die derzeit schon aus der Nutzung genommen seien. Eindeutig dementiert wurde die Zahl von 60.000 ha bislang jedoch nicht.
Genau dies fordern aber jetzt die Kritiker, und zwar auch, um der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken: „Wer so eklatant große Flächen dem Bürger entzieht, der treibt letztlich auch die Preise von Kaminbrennholz nach oben. Dann werden jedes Jahr 600.000 Rm Holz fehlen. Für 120.000 Haushalte, also eine Stadt wie Dortmund fehlt dann einfach komplett das Kaminholz“, erklärt Hans-Georg Pieper.
Auch Häuslebauer müssen tiefer in die Tasche greifen. „Ein Dachstuhl für ein normales Einfamilienhaus muss heute mit 15.000 € kalkuliert werden. Wir rechnen mit einem Preisanstieg von dauerhaft 15 %, wenn das Rohholz auf diese Weise künstlich verknappt wird“, erläutert Horst Knippschild vom Mescheder Holzhaus-Spezialisten Wiese-Holz.
Ein verwilderter Kulturwald ist kein Urwald
Kritiker sehen in dem Stiftungs-Plan aus dem Hause Remmel nicht nur die Gefahr der Unumkehrbarkeit sondern halten die Schaffung eines künstlichen Urwaldes für unnötig und auch für Augenwischerei. In Deutschland sei jeder Quadratmillimeter Wald ein Ergebnis jahrhundertelanger Bewirtschaftung. Aus der Nutzung genommene Flächen, wie die jetzt angekündigten 60.000 ha würden sich allenfalls zu Wildnisgebieten wandeln. Ein verwilderter Kulturwald sei aber etwas völlig anderes als ein wirklicher Urwald.
Initiative Holz und Arbeit NRW

Auch interessant

von