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Initiative Holz und Arbeit NRW: Absurde Verhältnisse bei der Rundholzbeschaffung

Initiative Holz und Arbeit NRW: Absurde Verhältnisse bei der Rundholzbeschaffung

Die Initiative Holz und Arbeit NRW prangert die derzeit absurden Verhältnisse bei der Rundholzbeschaffung an. Während der Großsäger Klausner aus Österreich vom Land regelmäßig per Bahn mit Ganz-Zügen voller Holz aus Nordrhein-Westfalen (zuletzt insgesamt 10.500 Fm) beliefert wird, müssen mittelständische Unternehmen aus der Region bis ins Ausland vorstoßen, um ihren eigenen Rohstoffbedarf zu decken.
Die Theodor Schulte GmbH aus Meschede etwa musste zuletzt 1.600 Fm Fichten- und Tannenholz aus Dänemark und Schleswig-Holstein importieren; ein Transportweg von immerhin mehr als 500 km. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Transportkosten des heimischen Unternehmens um etwa 20 %. Dabei hat sich der Einkaufsradius für Schulte immer weiter ausgedehnt: von der Heimat über ganz Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bergisches Land, Rheinland-Pfalz, Hessen und Belgien.
„Hier läuft etwas völlig schief. Es kann doch nicht sein, dass ausländische Großunternehmen so dermaßen bevorzugt werden – und das alles letztlich auf dem Rücken der heimischen Holzindustrie“, sagt Geschäftsführer Markus Schulte, Mitglied der Initiative Holz und Arbeit NRW, zu der mehr als 30 Unternehmen gehören. „Die Rohstoff-Situation ist sehr angespannt. Das muss auch das Land beachten und Schaden von der regionalen Holzindustrie abwenden.“
Großbetriebe mit Überkapazitäten werden künstlich am Leben gehalten
Branchenintern wird inzwischen auch kritisiert, dass international aufgestellte Großsäger immer wieder von den Finanzmärkten gestützt wurden, obwohl die Produktionskapazitäten nicht in den Marktbedarf passen. Mittelständler dagegen bieten zwar die vom Markt geforderte Flexibilität der Produktionskapazitäten, müssen aber unter den Wettbewerbsverzerrungen leiden. Fachleute sehen Parallelen zur Bankenkrise und fragen sich, ob auch Großsäger „toobigtofail“ sein sollen.
Bauchschmerzen bereitet den mittelständischen Säge-Unternehmen aus dem Sauerland aktuell aber vor allem, dass das Holz für die aktuellen Klausner-Lieferungen aus verschiedenen NRW-Regionen stammt, unter anderem aus dem Forstamtsbezirk Hochstift bei Paderborn und dem Forstamt Kurkölnisches Sauerland. Das ist – vor allem der kurzen Wege wegen – zugleich jedoch ein traditionelles Einkaufsgebiet für die heimischen Betriebe. Schulte dazu: „Unsere Einkaufsposition wird massiv geschwächt, während Großbetriebe mit ihren Überkapazitäten quasi künstlich am Leben gehalten werden.“
Es wäre sehr wünschenswert, so die Initiative Holz und Arbeit NRW, dass die Holzlieferungen an Fa. Klausner eingestellt werden und das Holz aus dem Landeswald NRW an mittelständische, regionale Säger vermarktet wird, so die Initiative Holz und Arbeit NRW.
Ökologisch höchst fragwürdig
 
Auch unter ökologischen Gesichtspunkten seien die Lieferungen an den österreichischen Großsäger höchst fragwürdig, so die Initiative Holz und Arbeit NRW. „Es fallen unnötige Transportwege und somit auch unnötige Transport- und Energiekosten an. Mit Ökologie hat das nichts zu tun“, stellt Schulte fest und fügt an: „Paradoxerweise passiert das alles ausgerechnet unter einer Landesregierung mit grüner Beteiligung.“
Die Initiative Holz und Arbeit NRW ist ein Zusammenschluss von mehr als 30 Unternehmen der Säge- und Holzindustrie in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam vertreten sie die Interessen mittelständischer Sägebetriebe auf politischer Ebene. Die Initiative setzt sich für die Erhaltung gewachsener, regionaler Wirtschaftsstrukturen ein. Ziel ist eine nachhaltige Nutzung vorhandener Holzpotenziale und eine heimische Holzvermarktung zur langfristigen Sicherung aller ökologischen und ökonomischen Vorteile der Holznutzung.
Initiative Holz und Arbeit NRW

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