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Schwerpunkte der Veranstaltung waren der Anbau von schnellwachsenden Gehölzen und die Förderung von Kurzumtriebsflächen (KUF) im Saarland

Informationstag Kurzumtriebsflächen in Saarbrücken

Anbau und Förderung von Kurzumtriebsflächen (landwirtschaftliche Flächen, auf denen schnellwachsende Bäume angebaut werden) waren am 14.12.2012 Thema einer Informationsveranstaltung. Gastgeber war das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes (MWAEV) in Saarbrücken. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Bioenergieberatung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), der Landwirtschaftskammer des Saarlandes und dem Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES) durchgeführt.
Im Laufe des Tages wurde den 60 Teilnehmern der Veranstaltung durch Fachvorträge verdeutlicht, wie sie durch Anbau von schnellwachsenden Gehölzen eine Wertschöpfung erzielen können. Neben Erläuterungen zu Anlage und Pflege und Ernte von Kurzumtriebsflächen (KUF) wurden die Eckpunkte der Förderung aufgezeigt. In einem ergänzenden Ausstellungsteil präsentierten zwölf Firmen aus der Holzbranche Maschinen und Geräte zur Anlage und Bewirtschaftung von KUF sowie zur Gewinnung und Verwendung von Holzhackschnitzeln.
Förderprogramm „Klima plus Saar“
 
Eröffnet wurde der Informationstag durch den Staatssekretär des MWAEV, Jürgen Barke. Er betonte die Notwenigkeit zum Handeln in Hinblick auf die klimapolitischen Ziele. Dazu wurde im Saarland durch die Landesregierung das Förderprogramm „Klima plus Saar“ ins Leben gerufen. Auch die Anlage von Kurzumtriebsflächen (KUF) ist förderfähig, wie Nicola Saccà, Referatsleiter im MWAEV, in seinem Vortrag erläuterte. Im Rahmen der Anlage der Flächen können 1 000 EUR Zuschuss je Hektar beantragt werden. Zu beachten ist, dass die Anpflanzung bis spätestens 30.6.2014 erfolgt sein muss. Die förderfähige Flächengröße liegt zwischen 0,5 und 7,5 ha pro Antragsteller, die Mindestpflanzenzahl bei 7 500 Pflanzen je Hektar. Beantragen können diese Förderung nicht nur Landwirte und forstwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Kommunen und deren Eigenbetriebe mit eigenen Grundstücken.
Anlage und Wirtschaftlichkeit von KUF
Grundlagen zum Anbau von KUF wurden von Sebastian Müller (BLE) behandelt. Kurzumtriebsflächen behalten ihren landwirtschaftlichen Flächenstatus bei. Voraussetzung ist, dass ein Ernteintervall von maximal 20 Jahren gewählt wird. Im Allgemeinen werden die Gehölze (v.a. Pappeln und Weiden) alle 3 bis 8 Jahre geerntet, und schlagen nach der Ernte erneut wieder aus den Wurzelstöcken aus. Die Kosten der Anlage einer KUF wurden in Abhängigkeit von Standort, Pflanzenanzahl und Pflanzverfahren mit 1 500 bis 2 800 EUR/ha angegeben. Die Förderung wurde hierbei nicht in Abzug gebracht. Bei Ernteintervallen bis circa 3 bis 4 Jahren kann das Holz durch einen Häcksler geerntet und in einem Arbeitsgang zu Holzhackschnitzeln verarbeitet werden. Bei Ernteintervallen bis zu 20 Jahren lässt sich das Holz mit forstwirtschaftlicher Technik ernten. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass das Holz vor einer Weiterverarbeitung durch Lagerung „natürlich“ trocknen kann.
Bernhard Wern (IZES) erläuterte im Rahmen einer Kosten- und Ertragskalkulation, welchen Einfluss die Förderung auf einen zu erwartenden Deckungsbeitrag hat. So erhöht sich der jährliche Deckungsbeitrag bei einem angenommenen Hackschnitzelpreis von 80 EUR/t fast um ein Drittel. Danach steigt der jährliche Deckungsbeitrag von 152 auf 199 EUR/ha. Rechnet man die Heizleistung des Holzes in ein Heizöläquivalent um, z.B. beim Einsatz in einer Hackschnitzelheizung, ist mit einer höheren Wertschöpfung zu rechnen.
Praxisbeispiel
Die Qualität des produzierten Holzes wurde durch Sonja Kay (IZES) als Schlüssel für die Vermarktung dargestellt. Neben einer Verbrennung des Holzes zur Gewinnung von Strom- oder Wärmeenergie kommt bei entsprechender Qualität auch eine stoffliche Nutzung wie beispielsweise in Holz-Faserplatten in Frage. Die Bedürfnisse eines in Frage kommenden Kunden an das zu vermarktende Holz sind vor der Ernte zu berücksichtigen; sie beeinflussen u.a. die Auswahl des Ernteverfahrens.
Wie eine Nutzung von Holzhackschnitzeln praktisch aussehen kann, erläuterte Günter Steffens. Der Nebenerwerbslandwirt ist Bürgermeister von Fronhofen im Hunsrück und Mitbetreiber eines privat betriebenen Nahwärmenetzes. Die angeschlossenen 7 Wohnhäuser werden seit 2006 ausschließlich mit einer zentralen Holzhackschnitzelheizung beheizt. Sämtliche angeschlossenen Haushalte sind auch Mitbetreiber einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Die Kosten der bereitgestellte Wämeenergie liegen unterhalb des vergleichbaren Ölpreises. Zur Versorgung der Heizanlage wurden in den vergangenen Jahren mehrere Hektar Kurzumtriebsflächen angelegt. Ziel ist ein Umtrieb von 8 bis 10 Jahren. Bei der Anlage der KUF wurden unterschiedliche Pflanzmethoden angewendet. Insgesamt ist das Anwuchsverhalten gut, wenn man die Begleitwuchsregulierung in den ersten Jahren beachtet, so das Fazit von Steffens.

Sebastian Müller, Marleen Gruhlke/BLE
Ernte einer Kurzumtriebsfläche mit einem modifizierten Mais-Häcksler Schwerpunkte der Veranstaltung waren der Anbau von schnellwachsenden Gehölzen und die Förderung von Kurzumtriebsflächen (KUF) im Saarland

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