Ausbildung

„Industriewald Rheinelbe“ als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Bearbeitet von Jörg Fischer

Das Projekt „Industriewald Rheinelbe – Wildnis- und Naturerfahrungsraum im Ruhrgebiet“ des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen im Regionalforstamt Ruhrgebiet, Schwerpunktaufgabe Urbane Wälder, wurde im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Die Auszeichnung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die auf Chancen aufmerksam machen, die die Natur für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft bietet. Coronabedingt wurde der Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ im kleinen Rahmen in der Forststation Rheinelbe in Gelsenkirchen verliehen.

Nach der Begrüßung und einer kurzen Projektvorstellung durch Peter Bergen, dem Leiter des Regionalforstamtes Ruhrgebiet, richtete die Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, Karin Welge, ihr Grußwort an den Teilnehmerkreis. Die Laudatio und Auszeichnung erfolgte durch Ulrich Dohle, Juror der UN-Dekade und Bundesvorsitzender des Bunds Deutscher Forstleute (BDF). Ein Rundgang durch den Industriewald mit Erläuterungen direkt vor Ort rundete das Auszeichnungsprogramm ab.

Welge gratulierte zur Auszeichnung: „Ich freue mich, dass der Industriewald Rheinelbe ein so wertvoller Ort für die Kinder im Gelsenkirchener Süden geworden ist, für so viele Kita- und auch Grundschulkinder, ob aus der Kita Leithestraße oder anderen Einrichtungen. Weil sie hier, mitten in der Stadt, den Wald und die Natur erleben und dabei viele Erfahrungen machen können, die ihnen beim Aufwachsen helfen und sie vielleicht fürs Leben prägen.“

Projekthintergrund des Industriewaldes Rheinelbe

1996 startete das heutige Industriewaldprojekt (erst „Restflächenprojekt“ genannt) im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscherpark mit dem Ziel, den Strukturwandel auch als Chance zu nutzen und Industriebrachen des Ruhrgebiets durch natürliche Sukzession hin zu Wald und biologisch vielfältigen und wertvollen Lebensräumen für Flora und Fauna wie auch für die Menschen vor Ort zu entwickeln.

Das Herzstück des Industriewaldprojekts ist der Industriewald Rheinelbe mit der gleichnamigen Forststation auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Rheinelbe, südlich des Gelsenkirchener Stadtzentrums.

Während das Spielen im ortsnahen Wäldchen für die heutigen Eltern- und Großelterngenerationen selbstverständlich war, stellt sich der Alltag vieler Kinder heute im Zuge zunehmender Urbanisierung, Digitalisierung, Technisierung und Ganztagsschule ganz anders dar. Im urbanen Raum stehen den Menschen immer weniger Freiräume zur Verfügung. So findet das Spielen von Kindern häufig drinnen statt.

Die auch daraus resultierende zunehmende Naturentfremdung steht dem angeborenen Grundbedürfnis nach Naturerfahrung gegenüber. Denn das freie Spiel in der Natur, das Entdecken und mit allen Sinnen begreifen, das Toben, Klettern und Bauen, das sich ausprobieren können, sind für eine gesunde kindliche Entwicklung unersetzlich. Naturerfahrungen fördern die Fantasie und Kreativität, die Sozialkompetenz, die Konzentrationsfähigkeit sowie die motorischen Fähigkeiten. Sie leisten zudem nachweislich einen erheblichen Beitrag zur Sprachförderung und Integration und wirken manchmal geradezu therapeutisch, so auch bei Kindern mit Flüchtlingsbiografie.

Es war zukunftsorientiert, dass sich bereits vor über 20 Jahren die gesellschaftlichen Institutionen, die im Elementar- und primärpädagogischen Bereich für die Bildung und Erziehung von Kindern verantwortlich waren, gemeinsam mit der Forstverwaltung und weiteren Partnern wie dem Umweltministerium NRW und der NRW Urban auf den Weg gemacht haben, Waldbesuche zu verstetigen und Naturerfahrungen in den Kita- und Schulalltag zu integrieren.

Was vor fast 25 Jahren als Kooperation zwischen der städtischen Kindertagesstätte Leithestraße in Gelsenkirchen und der Forststation Rheinelbe begann, ist heute eine bundesweit bekannte Erfolgsgeschichte mit Vorbildfunktion, die viele Nachahmer gefunden hat. Eine Schlüsselrolle haben die Mitarbeitenden der Forststation Rheinelbe, Oliver Balke und Christian Frank.

Eckhard Uhlenberg, 2009 Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen, wünschte sich damals: „Möge dieses Beispiel ‚Schule‘ machen.“ Das Beispiel hat Schule gemacht. In der Schwerpunktaufgabe Urbane Wälder des Regionalforstamtes Ruhrgebiet von Wald und Holz NRW sind im Geschäftsfeld Umweltbildung heute sechs Forstleute (fünf Forstmänner und eine Forstfrau) mit unterschiedlichen Stellenanteilen beschäftigt.

Einen Filmbeitrag zum „Industriewaldprojekt“ finden Sie unter https://service.video.taxi/embed/iaXnGVpMmXN5.

Quelle: Wald und Holz NRW (PM)