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NRW: Wälder sollen klimafest werden

Stürme im Winter und Frühjahr, Trockenheit im Sommer gefolgt von einer Massenvermehrung des Borkenkäfers haben in nordrhein-westfälischen Wäldern sichtbare Spuren hinterlassen. Nun erklären das Umweltministerium, die Forstwirtschaft und Spitzenvertreter aus der Waldwirtschaft in Nordrhein-Westfalen ihren jeweiligen Beitrag dazu zu leisten, um die Wälder gemeinsam fit für das künftige Klima zu machen.

Die Umweltministerin Ursula Heinen-Esser sagte im Vorfeld zum Tag des Waldes am 21. März: „Wir müssen zweigleisig fahren: Derzeit benötigt die Waldwirtschaft akute Hilfe. Dafür stehen 2019 1,2 Mio. € zusätzliche Fördermittel von Bund und Land und für die folgenden vier Jahre weitere 550.000 € jährlich zur Verfügung. Darüber hinaus muss der Wald aber langfristig klimastabiler werden, denn zurzeit ist er zu anfällig für die Folgen des Klimawandels.“

Für den Waldbau bedeute dies: Vorsorge treffen und Risiken minimieren durch Diversifizierung und die Wahl geeigneter Baumarten. Mit dem gemeinsamen Waldbaukonzept wurde der aktuelle Stand der Forschung für die notwendige Klimaanpassung der Wälder kürzlich vorgestellt. Heinen-Esser: „Es wird künftig darauf ankommen, klimastabilere Mischwälder auf Basis heimischer Baumarten aufzubauen.“

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, ergänzte: „Gerade im Zeichen des Klimawandels und der anstehenden forstlichen Strukturveränderung unterstützen und beraten unsere Försterinnen und Förster mit Überzeugung und Sachverstand die Waldbesitzer in unserem Land. Unsere Mitarbeitenden begegnen täglich Bürgerinnen und Bürgern im Wald. Sie machen jeden Tag die Erfahrung, wie wichtig der Wald für unsere Menschen im Lande ist, gerade auch im Ballungsraum und der Ballungsrandzone.“

Auch der Vorsitzende des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen, Dr. Philipp Freiherr Heereman unterstützte die Zielrichtung: „Forstwirtschaft mit ihrem einmaligen Produkt Holz ist eine wichtige Säule der gesamten Wirtschaft Nordrhein-Westfalens. Deswegen müssen wir zukunftsorientiert handeln, dazu steht im besonderen Maße der private Waldbesitz. Mit den Schwierigkeiten, die gegenwärtig auf dem Wald und unserem Holzmarkt lasten, dürfen die Waldbauern nicht alleine gelassen werden.“

Unterstützung privater und kommunaler Waldbesitzer

Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es, insbesondere den privaten und kommunalen Waldbesitz in dieser Krise zu unterstützen. „Dabei können wir es nicht bei der rein fachlich beratenden Unterstützung der Waldbesitzer belassen. Ein umfassender Ansatz ist notwendig, der auch Hilfestellungen struktureller und finanzieller Art vorsieht. Neben den bereits beschlossenen und derzeit umgesetzten Hilfsmaßnahmen werden weitere Unterstützungen erforderlich sein“, bilanzierte die Umweltministerin. Zur Bewältigung der Schäden im Wald hat das Land 2018 eine „Task Force Borkenkäfer“ eingesetzt. Sie koordiniert besitzartenübergreifende und konkrete Maßnahmen, wie z.B. potenzielle Bekämpfungsstrategien, Holzlagermöglichkeiten oder Logistikverbesserungen. In der Task Force arbeiten gemeinsam Vertreter der Waldbesitz- und Holzwirtschaftsverbände, des Naturschutzes, des Bundes Deutscher Forstleute, der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sowie Experten der Landesforstverwaltung Nordrhein-Westfalen.

Umrüstung von Harvestern

Um 2018 umgehend mit konkreten Maßnahmen beginnen zu können, wurden Fördergelder für bis zu zehn sogenannte „Debarking Heads“ zur Umrüstung von Harvestern zu Erprobungszwecken freigegeben. Mit „Debarking Heads“ wird die Rinde befallener Bäume im Rahmen des üblichen Aufarbeitungsprozesses entfernt. Darüber hinaus hat der Landesbetrieb Wald und Holz forstlich ausgebildete „Kalamitätshelfer“ befristet eingestellt, um die extrem belasteten Personen in den Kalamitätsschwerpunkten zu unterstützen, die Bediensteten des Landesbetriebs selbst stehen den Waldbesitzenden mit Rat und Tat zur Seite.

Angesichts der gegenwärtig schwierigen logistischen Situation hat die Landesregierung die derzeitigen Regelungen zum maximalen Transportgewicht von 44 t sowie zum Aussetzen des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für den Transport von Kalamitätsholz bis zum Ende des Jahres 2019 verlängert. Die Regelung erfolgte in Abstimmung mit den angrenzenden Bundesländern, so dass auch eine überregionale Holzvermarktung erleichtert wird.

Weitere Infos: Waldinfo.nrw

 

 

 

MULNV

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