Forstbetrieb Waldbau

In NRW verschlechtert sich der Waldzustand

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht den Waldzustandsbericht 2020. Zusätzlich wurde seitens der Umweltministerin Ursula Heinen-Esser ein Wiederbewaldungskonzept vorgestellt. Der Waldzustand hat sich 2020 weiter verschlechtert. 

Mischwälder aus mindestens vier Baumarten sollen künftig auf den Schadflächen wachsen, die Stürme, Dürre und Borkenkäfer seit 2018 verursacht haben. Hierbei bilden heimische Baumarten den Kern der künftigen Waldgeneration. So sieht es das neue Wiederbewaldungskonzept des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen vor. Wie wichtig der Umbau zu vielfältigen und klimastabilen Wäldern ist, zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung. Wie befürchtet, hat sich der Zustand der Wälder 2020 weiter verschlechtert.

Schwere Kronenschäden nehmen zu

Zwar ist der Anteil der Bäume ohne Schäden von 19 % im Jahr 2019 auf jetzt 23 % gestiegen. Gleichzeitig hat aber auch der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung zugenommen. Er liegt jetzt bei 44 %. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Diese Zunahme der schweren Kronenschäden ist ein deutliches Indiz für den besorgniserregenden Zustand des Waldes. Der mittlere Nadel-/Blattverlust über alle Baumarten zeigt 2020 eine leichte Zunahme auf 29 % (28 % im Vorjahr). Großflächige Schäden sind vor allem bei der Fichte zu beobachten. Die Fichte steht aufgrund ihres flachen Wurzelsystems seit drei Jahren unter permanentem Trockenstress.

Wälder müssen bunt und vielfältig sein

„Corona hat viele Menschen wieder der Natur näher gebracht. Vielerorts war die Waldwanderung jedoch von Blicken auf braune, abgestorbene Nadelwälder getrübt“, sagte Heinen-Esser. Der Klimawandel ist schneller, als stabile Mischwälder entstehen können. Nadelholzmonokulturen hätten in ihren Augen keine Zukunft. Die Natur ist bund und vielfältig. Laut Heinen-Esser müssen die Wälder auch so sein. „Wir fordern und fördern daher die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern. Diese sind wichtig für die Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zu einer Risikominimierung für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei“.

Gezielte Pflanzungen sollen unerstützend wirken

Bei der Wiederbewaldung sollen zunächst Potenziale der natürlichen Verjüngung genutzt werden. Die natürlich vorhandene Waldverjüngung kann dann um gezielte Pflanzungen ergänzt werden. Dies kann zum Beispiel erforderlich sein, um auf ehemaligen Fichtenstandorten heimische Laubbäume zu fördern. Die Pflanzungen sollen dabei in der Regel in Gruppen und nicht großflächig erfolgen. Zur Stabilisierung der Bestände und als Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt wird die Anlage von Waldrändern unter Verwendung heimischer Baum- und Straucharten empfohlen.

Die Waldarbeitsbranche leistet Enormes

„Den Forstleuten, Waldbäuerinnen und Waldbauern gilt derzeit unsere volle Unterstützung. Sie leisten in der aktuellen Phase Enormes und müssen gleich mehrere Mammutaufgaben parallel bewältigen. Während es auf der einen Fläche noch darum geht, die Borkenkäfer-Ausbreitung einzudämmen, geht es auf anderen Flächen darum, die neue Waldgeneration zukunftsfest aufzubauen. Hierbei bieten wir breite fachliche und finanzielle Unterstützung“, so die Ministerin.

Förderangebote werden an Schadenslage angepasst

Zur Unterstützung von Wald, Forst- und Holzwirtschaft haben Land und Bund in diesem Jahr zusätzliche Mittel bereitgestellt. Insgesamt stehen 2020 57 Mio. € bereit. Das Umweltministerium passt die Förderangebote kontinuierlich an die Schadenslage an und hat bereits zahlreiche Vereinfachungen im Förderverfahren umgesetzt. Aktuell ermöglicht dies im Rahmen der Extremwetter-Förderung die Auszahlung von drei Millionen Euro pro Woche. Zwischenzeitlich hat auch der Bund zusätzliche Fördermittel bereitgestellt. Aus einem Förderprogramm in Höhe von 700 Mio. € werden 500 Mio. € genutzt, um mit einer Prämie die nachhaltige Waldbewirtschaftung im Privat- und Kommunalwald zu unterstützen.

Umfangreiche Beratungsangebote

Neben Finanzmitteln unterstützt das Land die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei der Vorbereitung der Wiederbewaldung durch umfangreiche Beratungsangebote und unter anderem auch neue digitale Karten. Die Karten stellen die Eignung von Baumarten in Abhängigkeit von den heutigen und künftigen Standortverhältnissen im Klimawandel dar. Sie sind über www.waldinfo.nrw.de frei abrufbar.

 

Den Waldzustandsbericht 2020 können Sie hier nachlesen. 

Das Wiederbewaldungskonzept NRW finden Sie hier. 

Quelle: MULNV NRW