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In Memoriam Norbert Kohlstock

In Memoriam Norbert Kohlstock

Am 2. Februar verstarb Landforstmeister Prof. Dr. habil. Norbert Kohlstock. Das Leben eines allseits geschätzten Kollegen und Freundes, eines verdienstvollen Brandenburger Forstmannes und Forstwissenschaftlers hat sich damit vollendet. Alle die ihn kannten, sind davon zutiefst berührt.
Norbert Kohlstock wurde am 29. November 1932 als Sohn eines Arztes in thüringischen Steinbach-Hallenberg geboren. Schon früh bekam er das Interesse an der Natur und damit auch die Liebe zum heimischen Wald vermittelt. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Abitur in Waltershausen, Kreis Gotha, trat er 1951 eine Forstfacharbeiterlehre in den traditionsreichen Oberförstereien Tabarz und Tambach-Dietharz an. Er hat damit den Forstberuf „von der Pike auf“ erlernt, eine gute Schule für das spätere Leben, wie sich zeigen sollte. Wie bei so vielen tüchtigen Thüringer Forstleuten führte auch sein Weg an die Forstwirtschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin nach Eberswalde.
Mit dem Abschlusszeugnis als Diplom-Forstwirt verließ Norbert Kohlstock 1957 Eberswalde und absolvierte die vorgeschriebene Betriebsassistentenzeit wiederum in den Wäldern Thüringens, in den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieben Bad Berka und Gotha. Im Jahre 1959 erfüllte sich sein Wunsch in der Forstwissenschaft tätig zu sein. Er kam zurück nach Eberswalde und wurde Assistent und später Oberassistent im Institut für Waldbau der Forstwirtschaftlichen Fakultät unter der Leitung von Prof. Egon Wagenknecht. Eine seiner Aufgaben war es, seinen Chef bei der Redaktion der Zeitschrift „Archiv für Forstwesen“ zu unterstützen. Zudem übernahm er die Sichtung europäischer Fachzeitschriften, was seinen Weitblick förderte.
Seine erste größere wissenschaftliche Arbeit war eine Wuchsgebietsmonographie für den Fläming, die er 1963 mit einer Promotion zum Thema „Waldbauliche Richtlinien für die Bewirtschaftung der Wälder in Gebiet des Flämings (Oberförsterei Nedlitz)“ abschloss. Eine einschneidende Veränderung im Leben des aufstrebenden Forstwissenschaftlers Norbert Kohlstock brachte das Jahr 1965. Als 32-Jährigem wurde ihm die Leitung der traditionsreichen und waldbaulich anspruchsvollen Oberförsterei Chorin übertragen, in der solch bekannte und wissenschaftlich ambitionierte Forstleute wie Max Kienitz, Alfred Dengler, Adolf Olberg und Werner Flöhr wirkten, die richtungsweisende Leistungen für die Waldbewirtschaftung im nordostdeutschen Tiefland hinterlassen haben. Er selbst hat seine Oberförsterzeit in Chorin einmal als seine zweite Lehrzeit bezeichnet. In der gut 6-jährigen Tätigkeit als Leiter der Oberförsterei Chorin erwarb er sich berufspraktische Erfahrungen, die ihn prägten und qualifizierten für die anwendungsorientierte waldbauliche und ertragskundliche Forschung. Von 1971 bis 1982 war Norbert Kohlstock Leiter der Abteilung Waldbau/Ertragskunde des Instituts für Forstwissenschaften Eberswalde. Das war eine äußerst arbeitsintensive und produktive Schaffensperiode. Als ein persönlicher Beitrag zur Aussöhnung mit unseren östlichen Nachbarn wurde eine enge Zusammenarbeit mit polnischen Forstwissenschaftlern begonnen, die u.a. zur Übergabe der alten preußischen Versuchsflächenunterlagen östlich von Oder und Neiße an Prof. Trampler vom Forstlichen Forschungsinstitut Warschau führten. Norbert Kohlstock wird von seinen damaligen Mitarbeitern ein ausgesprochener Spürsinn für Neues, von der forstlichen Praxis Gefragtes bescheinigt. Themenschwerpunkte waren u.a. rationelle Verfahren zur kombinierten Durchforstung der Kiefer sowie die waldbauliche Behandlung von aufgelichteten Beständen in der Folge der orkanartigen Stürme vom November 1972. Norbert Kohlstock förderte dabei stets die Versuchsflächenarbeit und setzte sich für ein interdisziplinäres Zusammenwirken von Ertragskunde, Waldbau, Standortserkundung und Technik/Technologie am IFE ein. Die Forschungstätigkeit war in hohem Maße ergebnisorientiert, auch in enger Zusammenarbeit mit der forstlichen Praxis.
Die 11 Jahre als Abteilungsleiter Waldbau/Ertragskunde waren für ihn und seine Familie, er war inzwischen verheiratet und Vater von drei Kindern, nicht einfach. In diese Zeit fallen auch 4 Einsätze als Spezialist in Vietnam. Auch hier war es das Bestreben von Norbert Kohlstock, durch seine Arbeit konkrete Veränderungen zu bewirken. Er wollte damit den Menschen in einem geschundenen Land nach besten Kräften durch Anleitung zur Selbsthilfe unter die Arme greifen. Trotz hoher Zusatzbelastungen konnte Norbert Kohlstock in dieser Zeit seine Habilitationsschrift auf dem Gebiet der Rohholzerzeugung erfolgreich abschließen. Eine neue berufliche Herausforderung brachte das Jahr 1982, als er zum Direktor des Bereiches Forstpflanzenzüchtung des IFE in Waldsieversdorf berufen wurde. In seinem Forschungsbereich waren 105 Mitarbeiter einschließlich Graupa in den 3 Abteilungen Züchtung, biologisch-genetische Grundlagen und Sortenvermehrung beschäftigt. 1985 erfolgte in Anerkennung seiner fachlichen Leistungen die Ernennung zum Professor der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften. Auch in Waldsieversdorf gelang es ihm, durch seine Glaubwürdigkeit, Aufgeschlossenheit, seine Loyalität und seinen kooperativen Führungsstil das Vertrauen seiner Mitarbeiter zu gewinnen. Das führte auch dazu, dass diese ihn während der Zeit der politischen Wende 1989/90 als ihren Vertreter in den wissenschaftlichen Rat des IFE wählten, der an die Stelle der alten Institutsleitung trat. 1990 wurde er von den Mitarbeitern des damaligen IFE zum geschäftsführenden Direktor gewählt, eine Aufgabe, die wegen des Personalabbaus, der Umstrukturierung und der Aufdeckung politischer Verstrickungen ein hohes Maß an Sensibilität, Objektivität, Gerechtigkeitsempfinden und menschlicher Anteilnahme erforderte. Norbert Kohlstock hat sich zu dieser Zeit zudem verdienstvoll eingesetzt als Mitglied der Gründungs- und Berufungskommission der Fachhochschule Eberswalde. Er hat damit einen wesentlichen Anteil an der Wiederbegründung der forstlichen Lehre in Eberswalde.
Am 1. Juni 1992 übernahm Norbert Kohlstock erneut die Leitung der Forstpflanzenzüchtung in Waldsieversdorf, nunmehr als eigenständiges Institut Bestandteil der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft Hamburg.
Norbert Kohlstock war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien, darunter des Pfeil-Preis-Kuratoriums der Stiftung F.V.S. Hamburg. Mit Aufgaben der Lehrtätigkeit war er betraut an der Fachhochschule Eberswalde und der Sektion Gartenbau der Humboldt-Universität zu Berlin. Zudem hat er 13 Doktoranden und 2 Habilitanden betreut. Ein Ehrenamt sei besonders hervorgehoben, sein langjähriges Engagement als Vorstandsmitglied des Brandenburgischen Forstvereins. Norbert Kohlstock übernahm die Leitung zahlreicher Exkursionen und hielt überzeugende Vorträge auf den Jahrestagungen des Forstvereins. Mit seiner ausgewogenen Sicht forstlichen Wirkens distanzierte er sich von dogmatischen und realitätsfernen Vorstellungen und gab integrierenden waldbaulichen Möglichkeiten den Vorzug. Dadurch gab er auch vielen jüngeren Forstleuten in Brandenburg eine Orientierung und erreichte in der forstlichen Praxis einen hohen Bekanntheitsgrad. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde ihm 2002 die Ehrenmitgliedschaft des Forstvereins verliehen.
Zieht man ein Resümee des Berufsleben des Verstorbenen, dann ist sein Lebenswerk ein außerordentlich imposantes. Es umspannt Forstpraxis, Waldbau, Ertragskunde, Forstpflanzenzüchtung und tropische Forstwirtschaft, die in über 130 Veröffentlichungen ihren Niederschlag gefunden haben. Norbert Kohlstock ist damit ein würdiger Vertreter der sogenannten „Eberswalder Schule“ mit ihrem engen Standorts-und Praxisbezug.
Am 13. Februar fand unter großer Anteilnahme die Trauerfeier für Norbert Kohlstock in der Klosterkapelle zu Chorin statt. Er hat seine letzte Ruhestätte auf dem Klosterfriedhof in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Choriner Oberförster Max Kienitz, Alfred Dengler und Adolf Olberg gefunden. Seine ehemaligen Mitarbeiter aus der Forstpraxis, dem heutigen Thünen-Institut und Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde werden Norbert Kohlstock stets in dankbarer und bleibender Erinnerung behalten.
Klaus Höppner

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