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Im Holz

Im Holz

Im Oktober erschien beim BergWegVerlag in Bad Hindelang ein wunderbarer Bildband. Er heißt „Holz – Die Waldarbeit in den Allgäuer Bergen“. Geschrieben hat ihn der Fotograf, Autor und Verleger Christian Heumader. Wie er im Vorwort erklärt, entdeckte er 2013 bei einem Bekannten eine Sammlung historischer Fotos, die Holzfäller bei der Arbeit zeigten. „Ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihre Werkzeuge, aber auch der Stolz in ihren Gesichtern“ beeindruckten ihn ebenso, wie die „Baumgiganten“, die sie gefällt hatten. Wie hatten sie diese Bäume praktisch ohne technische Hilfsmittel bewegt und ins Tal gebracht?Um das zu klären, besuchte er über drei Jahre hinweg im Allgäu Waldbauern, Holzfäller, Fuhrleute und Forstunternehmer, die ihm aus dieser versunkenen Zeit und über die später folgende Mechanisierung berichteten. Am Ende des Buches stellt Heumader sie alle vor: 48 Männer und vier Frauen, die auf den 304 Seiten des Buches ihre Erinnerungen ausbreiten und ihm zahlreiche Fotos überlassen haben. In ihren Erzählungen lässt er sie immer wieder in ihre Allgäuer Mundart fallen, für die er gleich auch die Übersetzung mitliefert – und am Ende des Buches zusätzlich ein Glossar für die Fachbegriffe.Der Bildband zeigt, wie tiefgreifend sich die Waldarbeit in den letzten 100 Jahren verändert hat. Die Arbeit mit Axt und Waldsäge spielt dabei eine kleinere Rolle, als der Umgang mit dem Sappie und der winterliche Holztransport mit Hand- und Pferdeschlitten ins Tal und weiter in die Sägewerke. Der Siegeszug der Motorsäge, das Aufkommen der Forstschlepper und Seilbahnen werden aber ebenso abgedeckt wie die Holzernte mit dem modernen Harvester.Insgesamt jedoch dominiert der nostalgische Blick zurück. Das zeigen allein die durchgängig schwarz-weißen Fotos des Buches. Das gilt auch für die vielen Bilder, mit denen Heumader die jüngeren Zeitzeugen bei der nachgestellten Arbeit mit historischem Forstgerät abgelichtet hat. Dass seine Sympathie denjenigen gehört, die auch heute noch ohne die moderne Technik auskommen, das zeigt das letzte Kapitel „Trotzdem: es gibt sie noch“, in dem er zwei aktive Pferde- und einen Schlittenrücker zu Wort kommen lässt.Die vergangene Welt lebt also fort. Das Rattern der Maschinen mag das Geläut der Pferdeglocken und den hellen Schlag der Axt verdrängt haben. „Geblieben ist das Gewicht der Stämme, das Prasseln brechender Äste, der dumpfe Schlag beim Aufprall eines gefällten Baumes. Auch die Gefahr und das Quäntchen Unberechenbarkeit. Geblieben sind außerdem die Menschen, die vielleicht genau diese Gefahr reizt.“Infos zum Buch:Christian Heumader: Holz – Die Waldarbeit in den Allgäuer Bergen. BergWegVerlag 2016, 304 Seiten, Format 24,5 cm × 30 cm, Hardcover-Einband, Preis 48,50 €, ISBN 978-3-00-053217-7

Oliver Gabriel

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