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IK mahnt zu sachlicher Diskussion

In den letzten Tagen haben zahlreiche Wortmeldungen zu den neuesten Entwicklungen im Kartellverfahren für erhebliche Unruhe gesorgt. Der Initiativkreis Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse (IK) ist mehr als irritiert darüber, dass von den Verantwortlichen in den Verwaltungen sowie von der Holzindustrie Unsicherheit schürende Informationen gestreut werden, die auf den Erhalt des Einheitsforstamtes abzielen und die Forstwirtschaft außerhalb des Einheitsforstamtes in ein zweifelhaftes Licht rücken.Änderung des BWaldG nicht zielführendEs ist aus Sicht des IK notwendig, folgendes klar zu stellen:

  • Der von der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH) in ihrer Pressemitteilung vom 27.1. befürchtete Verlust der „hohen ökologischen Standards im Wald“ kann nicht nachvollzogen werden. Auch ohne das Einheitsforstamt drohen in deutschen Wäldern weder Waldvernichtung noch großflächige Monokulturen.
  • Die große Verbreitung der Forst-Zertifizierung (FEFC, FSC) basiert auf dem freien Willen der Eigentümer (auch kleiner Waldflächen) und drückt das Verantwortungsbewusstsein der privaten und kommunalen Waldeigentümer für ihr Eigentum und für eine an den gesellschaftlichen Bedürfnissen ausgerichtete Waldbewirtschaftung aus. Daran wird sich auch ohne ein Einheitsforstamt nichts ändern.
  • Die dem Holzverkauf vorgelagerten Prozesse sind reine Dienstleistungen für Dritte und in ihrer rechtlichen Würdigung keinesfalls hoheitliche Tätigkeiten.
  • Eigentümer kleinerer Waldflächen ohne forstliches Fachwissen finden geeignete Ansprechpartner in den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen. Seit mehr als 10 Jahren sind die Forstverwaltungen der Länder aufgefordert, diese zu fördern und in ihrer Eigenständigkeit und Professionalisierung zu unterstützen. Dieser Auftrag wurde von den Verwaltungen mit Einheitsforstämtern – mit Ausnahme einiger vom BKartA geforderter Pilotprojekte – nicht wirklich ernst genommen (und von der Holzindustrie mit z.T. aggressiver Selbstwerbung in den Reihen der Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaften sogar behindert). Hier wird ein erhebliches Umdenken notwendig.
  • Die Grundlage für die Schaffung von Ausnahmefällen nach dem neu zu formulierenden § 46 BWaldG ist rechtlich umstritten. Es ist nicht unerlässlich für die Erreichung gesamtgesellschaftlicher Ziele der Waldbewirtschaftung, an einem Einheitsforstamt festzuhalten und dem Holzverkauf vorgelagerte Tätigkeiten vom Kartellrecht auszunehmen.
  • Die Abkehr vom Einheitsforstamt kann eine echte Chance sein. Bundesweit sind die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in jenen Ländern am besten entwickelt, in denen es KEINE Einheitsforstämter gibt. Dort sind sie professionelle Dienstleistungsunternehmen und zudem ein zuverlässiger Partner der Holzindustrie.
  • Die überwiegende Mehrheit der Zusammenschlüsse in Deutschland lehnt eine Änderung des BWaldG ab (Beschluss Bundeskongress Oktober 2014).

Der IK widerspricht vehement der Behauptung, eine nachhaltige Bewirtschaftung sei nur in staatlicher Obhut möglich. Nachdem schon im Anschluss an die Präsentation der Ergebnisse der BWI 2 in 2004 die Aufforderung nicht gehört wurde, Wege zur Mobilisierung des Holzes und zur Schaffung schlagkräftiger Strukturen im Kleinprivatwald ernsthaft zu suchen, hilft jetzt der Schrei nach Rettung des Einheitsforstamtes auch nicht weiter. Vielmehr brauchen wir Konzepte, wie wir mit der veränderten Situation umgehen. Der IK reicht hier die Hand und bietet seine Unterstützung an.

Der IK ist ein informeller Verbund von forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen mehrerer Bundesländer Deutschlands unter dem Dach der AGDW-Die Waldeigentümer. Er vertritt insgesamt knapp 54.000 Waldeigentümer mit einer Fläche von mehr als 550.000 ha.

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