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IG BAU fordert 11 Euro Mindestlohn für Waldarbeiter

IG BAU fordert 11 Euro Mindestlohn für Waldarbeiter

Die IG BAU forderte auf der Forstmesse Interforst in München 11 Euro Mindestlohn für Waldarbeiter. Bundesweit soll künftig kein Forstbeschäftigter weniger als 11,00 Euro pro Stunde verdienen.Der Branchen-Mindestlohn müsse im Tarifvertrag verankert werden.

„Viel Zeit haben wir dafür nicht. Ausländische Arbeitskräfte stehen schon bereit, um für Dumpinglöhne im Wald zu holzen“, sagte Klaus Wiesehügel am 15. Juli im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Forstmesse Interforst in München. Der IG-BAU-Bundesvorsitzende befürchtet, dass bestehende Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft massenweise verloren gehen, wenn im Mai kommenden Jahres die Arbeitnehmer-Freizügigkeit kommt. „Sobald die Grenzen offen sind, droht der Waldboden zum Dumpinglohnsumpf zu werden. Wenn Forstbeschäftigte auf die Straße gesetzt und durch Billiglohnkräfte ersetzt werden, wird die Qualität der Arbeit zwangsläufig in den Keller rutschen“, so Wiesehügel. Dies sei lediglich durch die Einführung des Mindestlohns zu verhindern. Eine Alternative dazu gebe es nicht.
Die Forstwirtschaft habe bereits einen drastischen Arbeitsplatzabbau verkraften müssen. Innerhalb von nur zehn Jahren sei nahezu jede dritte Stelle wegrationalisiert worden: Im vergangenen Jahr arbeiteten bundesweit nach Angaben der IG BAU rund 48.900 Beschäftigte in der Branche. 1999 seien dies immerhin noch nahezu 71.100 gewesen.
„Da ist systematisch Forst-Know-how aus dem Wald abgezogen worden. Das ist eine gefährliche Entwicklung, die sich rächt“, sagte Klaus Wiesehügel. Wichtige Aufgaben kämen so zu kurz oder blieben ganz auf der Strecke. Als Beispiel nannte der Bundesvorsitzende der Forst-Gewerkschaft die Schädlingsbekämpfung. Immer häufiger werde Schädlingsbefall erst viel zu spät registriert. Auch für die Sicherung von Waldwegen bleibe wegen der dünnen Personaldecke immer weniger Zeit. Zudem setzt die Forstwirtschaft nach Angaben der IG BAU in den letzten Jahren verstärkt auf Monokulturen. Diese seien mit weniger Personal und damit „billiger durchzuforsten“.
Die Gewerkschaft spricht vom „Sparwahn im Wald“ und sieht darin einen bedrohlichen Trend: „Weniger Mischwald bedeutet mehr Monokultur. Mehr Monokultur bedeutet aber weniger Abwechslung in der Landschaft. Damit geht der Freizeitwert des Waldes mehr und mehr verloren. Ich wundere mich, dass die Tourismusbranche nicht lauter Alarm schlägt“, so Wiesehügel. Die beste Therapie für die „grünen Lungen“ sei immer noch eine gute Versorgung des Waldes mit dem „Forst-Doc“ – vom Waldarbeiter bis zum Förster. Denn die heimischen Forstbeschäftigten identifizierten sich mit „ihrem Wald“.
IG BAU

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