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IG BAU enttäuscht von Greenpeace-Waldkampagne

Die Landesvertretung Niedersachsen der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt reagiert enttäuscht auf die, so wörtlich, „einseitige und unausgewogene“ Wald-Kampagne von Greenpeace. Die Gewerkschaft bedauert in einer Presseerklärung vom 15. November, dass Greenpeace die einseitige und auf kurzfristige Effekte ausgerichtete Kampagne zum Schutz der Wälder fortführt. Greenpeace müsse in seinen sog. Faktenchecks selber eingestehen, dass sie den Zahlen z. B. der Niedersächsischen Landesforste oft nur Auffassungen entgegenstellen kann. Gerade vor diesem Hintergrund sei es unseriös, wenn Greenpeace einen Dialog mit den Nds. Landesforsten ablehnt.
„Besonders enttäuscht sind gerade wir als Forst- und Umweltgewerkschaft, dass Greenpeace in keiner Weise darauf eingeht, dass der überwiegende Teil der heute aus Ihrer Sicht schutzwürdigen Wälder erst wieder durch Försterhand aufgeforstet und gepflegt wurden. Es ist eine nicht akzeptable Ignorierung dieser Leistungen, wenn in der Kampagne suggeriert wird, dass die letzten Urwälder vor den Förstern geschützt werden müssen. Tatsachen, wie der europaweit anerkannte LÖWE- Standards in den Niedersächsischen Landesforsten (NLF), ein eigens Waldschutzgebietskonzept (Nds. Landesforsten) oder durch die Forstverwaltung erarbeitete Managementpläne für FFH-Gebietewerden in keiner Weise berücksichtigt und geben der Kampagne einen sehr fragwürdigen Anstrich“ so Peter Martensen Vorsitzender der Landesvertretung der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.
 
„Bedauerlich finden wir auch die geringe Dialogbereitschaft von Greenpeace, so hätten wir uns gewünscht, dass im Zuge der Kampagne auch der Kontakt und der Austausch mit den Beschäftigten in der Forstbranche und mit den Fachgewerkschaften gesucht wird. Durch die gewählte Vorgehensweise werden Försterinnen und Förster, die nicht nur beruflich, sondern in aller Regel auch mit ganzem Herzen Bewahrer des Waldes sind in einen Zusammenhang mit Exploitationswirtschaft und Waldzerstörung gestellt. Dies tut einem ganzen Berufsstand völlig Unrecht und trägt in bedauerlicher Art und Weise zu einer Frontenbildung zwischen Förstern auf der einen und Greenpeace auf der anderen Seite bei, die aus gewerkschaftlicher Sicht eigentlich Schulter an Schulter für den Wald arbeiten sollten. Die Landesvertretung steht jederzeit für einen konstruktiven Dialog bereit“ führt Peter Martensen weiter aus.
 
Aus Sicht der BAU sind insbesondere auch die Arbeitsplätze im Cluster Wald und Holz und damit die Zukunft des ländlichen Raums bei allen Konzepten zu berücksichtigen. Auf keinen Fall wird seitens der Gewerkschaft eine Segregation der Waldfunktionen mitgetragen.
 
Die IG-BAU hat auf Bundesebene ein Positionspapier zu Frage der Biodiversität im Wald verabschiedet, in dem die Standpunkte definiert sind.
Position der IG Bauen Agrar Umwelt zu Flächenstilllegungen in den Wäldern Deutschlands

Spätestens seit Verabschiedung der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ durch die Bundesregierung im Jahr 2007 ist das Thema Biodiversität in Fachkreisen allgegenwärtig und nimmt einen breiten Raum in der gesellschaftlichen Diskussion ein.

Es gilt dabei den Spagat zu vollziehen zwischen der Sicherstellung der naturnähesten Landnutzung zur Produktion des ökologisch unbedenklichen Rohstoffes Holz auf der einen Seite und von notwendigen Natur- und Artenschutzaspekten auf der anderen Seite. Wälder stellen in unterschiedlicher Ausprägung auf der weit überwiegenden Fläche Deutschlands und Mitteleuropas die natürliche Vegetationsform. Allein aus diesem Grunde sind im Wald auf Teilflächen natürlichen, vom Mensch unbeeinflussten

Abläufen Raum zu geben. Unbeeinflusste Waldareale können die „Urwälder von morgen“ sein, die Aufschluss über eine möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung geben und das mögliche Artenpotential aufzeigen.

Zur Entwicklung der natürlichen Abläufe ist auf eine ausreichende Flächengröße zu achten. Die ungenutzten Waldgebiete sollten die Waldgesellschaften repräsentieren, FFH-Gebiete könnten ein prädestinierter Such-Raum sein. Grenzwirtschaftswälder sind einzubeziehen, aufgrund der Repräsentanz ist dem allerdings Grenzen gesetzt. Die schon derzeit nicht genutzten Waldflächen und Schutzgebiete (nach Angaben größerer Forstverwaltungen i.d.R. zw. 5 10% der Fläche) sind in die Überlegungen einzubeziehen und bei der Flächenermittlung anzurechnen. Das in Bearbeitung befindliche Gutachten bzw. Studie der Nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt ist als belastbare Datengrundlage abzuwarten und anschließend zu berücksichtigen. Ein Ausgleich für die eingestellte Nutzung von Waldflächen sollte die Mobilisierung von Holzreserven insbesondere im Privatwald mit entsprechenden Beschäftigungsoptionen sein. Des Weiteren ist ein schonenderer Umgang mit dem Rohstoff Holz angeraten, anstatt einer sorglosen Steigerung des pro Kopf Verbrauches nachzueifern. Insbesondere das direkte Verbrennen von Rohholz ist einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.
 
Eine wissenschaftliche Begleitung der Flächen erscheint sinnvoll und angeraten. Fragen zur Kohlendioxidbindung dieser „Urwälder“, des Artenaufkommen, der Walddynamik sollten dargestellt und permanent kritisch hinterfragt werden. Flankierend zu den aus der Nutzung genommenen Wäldern ist auf eine Vernetzung, einen Biotopverbund der Flächen zu achten, ein solcher zu organisieren, weitere Naturschutzleistungen sind zu berücksichtigen und darzustellen.
 
Ungenutzte Waldareale begleiten die Waldbewirtschaftung, sind fester Bestandteil moderner Forstwirtschaft. Trotzdem muss klar sein, dass die multifunktionale Forstwirtschaft das Gebot auf der großen Fläche sein muss. Nur so sind alle berechtigterweise eingeforderte Waldfunktionen dauerhaft zu sichern und zur Verfügung zu stellen.
 
Die möglichst breite Verwendung des ökologischen Rohstoffes Holz, produziert nach naturverträglichen/naturgemäßen Waldbewirtschaftungsverfahren, ist ein aktiver Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und hat daher den breitesten Raum einzunehmen.
 
Die ungenutzten Waldareale dürfen Arbeitsplatzoptionen in der deutschen Forstwirtschaft nicht nachhaltig beeinträchtigen. Allerdings sind die Chancen für eine hochqualifizierte Betreuung der Flächen zu sehen und für die Zukunft Ableitungen eine optimale Forstwirtschaft belastbar zu entwickeln. Naturnahe Waldwirtschaft ist das Werk von professionellen Fachleuten in der Waldbetreuung und gestaltung, sie sichert neben allen gesellschaftlichen Ansprüchen hochqualifizierte Arbeitsplätze in einer Wechselwirkung.
 
In Abwägung all dieser Aspekte kommen die Gremien der IG BAU zu dem Ergebnis, dass:
  • Ungenutzte, ihrer natürlichen Entwicklung überlassenen Waldareale zum Schutz und Entwicklung der Biodiversität im Wald fester Bestandteil moderner Forstwirtschaft sind.
  • Es ist eine Zielgröße von fünf Prozent, unter Berücksichtigung der derzeit schon ungenutzten Areale, der Waldfläche anzustreben, verteilt über alle Eigentumsformen.
  • Ein geeignetes Mittel zur Sicherung und Umsetzung des skizzierten Modells können moderne, anerkannte Zertifizierungssysteme sein.
  • Die Kosten für die naturschutzorientierten Maßnahmen und Aspekte sind transparent darzustellen und wissenschaftlich zu dokumentieren.

 

IG BAU Landesvertretung Niedersachsen / IG BAU

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