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Hubschrauber mit fliegender Säge

Schwere Stürme haben in den vergangenen Jahren auch im Bahnverkehr für Schäden gesorgt. Um die Schiene sturmsicherer zu machen, hat die Deutsche Bahn darauf mit dem „Aktionsplan Vegetation“ reagiert. Ein seltener, aber spektakulärer Helfer ist ein Hubschrauber mit fliegender Säge.

An einem Herbsttag im vergangenen Jahr arbeitet ein Hubschrauber an der Bahnstrecke zum Kasseler Hauptbahnhof. Die Aerospatiale SA 315B Lama ist ein richtiges Kraftpaket. Ihre Turbine bringt bis zu 870 PS. Diese Leistung braucht sie auch, denn unter ihr hängt an einem fast 40 m langen Gestänge eine riesige Kreissäge mit zehn rotierenden Sägeblättern.

Helimatic hat die fliegende Säge entwickelt

Das Hightech-Schneidewerkzeug hat schon vor vielen Jahren die deutsche Firma Helimatic, ein Tochterunternehmen der österreichischen Firma Wucher Helicopter, entwickelt. Sie verfügt über einen eigenen Zweitakt-Antriebsmotor von Rotax mit 45 PS samt separatem Tank. Jedes der 55 cm Durchmesser großen Sägeblätter ist über eine Rutschkupplung mit der Antriebswelle verbunden. Die Betriebszeit mit einer Spritfüllung beträgt rund eineinhalb Stunden. Ähnlich lang kann auch der Heli fliegen, bis er tanken muss.

Mit der hängenden Säge kann der Pilot an Waldrändern und Hecken entlang der Bahnstrecke bis zu 25 cm dicke Äste aus der Luft durchtrennen. Mit mit den Gehölzen hat die Deutsche Bahn zum Teil massive Probleme, weil ganze Bäume und dicke Äste bei Stürmen in die Stromleitungen oder auf Gleise fallen und Störungen verursachen.

Notaus am Steuerknüppel

Pilot Wolfgang Jäger aus Vorarlberg ist extrem erfahren. Er ist einer von nur zwei Piloten seiner Firma, die mit der Säge fliegen dürfen. Dabei hat das Unternehmen 15 Helikopter und entsprechend viele Berufspiloten im Einsatz. Durch seine jahrzehntelange Erfahrung kann er die Säge 40 m unter seinem fliegenden Arbeitsplatz fast zentimetergenau an der störenden Vegetation, aber möglichst weit entfernt von Stromleitungen, Masten oder anderen gefährlichen Hindernissen entlang jonglieren. Wenn der Routinier mit mehr als 8 000 Flugstunden die Bäume mit der Säge erfasst, wirbeln Äste und Gestrüpp in wildem Bogen durch die Gegend. Oft versetzt es den Helikopter in der Luft um mehr als einen Meter, wenn die Säge zuviel Schwung bekommt oder eine Böe das Arbeitsgerät ins Schwingen bringt. „Bis zu einer Windgeschwindigkeit von etwa 45 km/h kann noch geflogen werden, ist der Wind stärker, wird es zu gefährlich“, sagt Jäger.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Forst & Technik 3/2019.

Jürgen Schelling

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