Hornbach Brennholzproduktion
Typische Klientel: KLeinkunden mit ihrem Pkw-Anhänger
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Hornbach steigt in die Brennholz-Produktion ein

01. Juni 2019

Anfang Mai sorgte eine Nachricht für Aufruhr in der Brennholzbranche: Der Baumarktbetreiber Hornbach hat mit einer eigenen Scheitholzproduktion begonnen und will diese offenbar groß aufziehen. Die erste Maschine stand jetzt vier Wochen lang vor der Filiale in Bornheim wo auch die Firmenzentrale ist. Wir haben uns das Konzept vor Ort erklären lassen.

Jeder Anhänger wird exakt ausgelasert, um das Transportvolumen zu ermitteln
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Auf dem Baumarkt-Parkplatz ist ein großzügiges Areal mit Gittern abgetrennt. Dort liegen circa zwei Lkw-Ladungen starkes Buchen-Industrieholz. Daneben steht eine mobile Sägespaltkombination vom Typ Posch K 650 vario. Mit der neuen Technik, bei der ein großes Spaltmesser die Rundlinge im „Vorbeifahren“ immer wieder zerteilt, anstatt das Holz auf einmal durch ein Spaltkreuz zu pressen, lässt sich vor allem aus starken Stämmen (bis 65 cm) sehr effektiv ein gleichmäßiges Scheitholz erzeugen. Der angrenzende Bereich ist ähnlich angelegt wie der Autoschalter beim Schnellimbiss: Wenn der Kunde ankommt, wird zuerst das Ladevolumen seines Anhängers mit dem Lasermessgerät ermittelt und mit dem zulässigen Gesamtgewicht abgeglichen. Nach der Bezahlung der bestellten Menge zieht der Kunde vor zum Förderband. Dort wird das Brennholz direkt auf seinen Anhänger produziert. Die Mitarbeiter achten peinlich genau darauf, dass sich währenddessen niemand im Gefahrenbereich aufhält und geben noch Tipps zur Ladungssicherung. Nach wenigen Minuten ist schon der Nächste dran.

Dauertiefpreis

Die Baumarktkette ruft im Internet einen Verkaufspreis von nur 49 €/SRm ab einer Abnahmemenge von 5 SRm in 33 cm Länge auf. Soll das ein kurzfristiges Lockangebot sein? Wir treffen Peter Eberdorfer, den Geschäftsführer der Hornbach Forst GmbH, die Anfang April eigens gegründet wurde. Er stellt von vorneherein klar: „Nein, bei Hornbach gibt es keine Preisaktionen. In dieser Firma gilt die Philosophie des Dauertiefpreises.“ Also muss eine auskömmliche Kalkulation dahinterstehen: „Das Konzept soll möglichst schlank und einfach sein. Wir haben keine großen Lagerflächen, es gibt keine Trocknung und auch keine Verpackungskosten. Bei der Beschaffung achten wir auf kurze Wege. So können wir einen guten Preis an die Kunden weitergeben. Die Regionalität ist uns aber auch noch aus anderen Gründen wichtig. Baumärkte stehen oft in dem Ruf, ihr Brennholz über sehr weite Strecken aus Trockenkammern in Osteuropa zu beziehen. Dagegen wollen wir ein Zeichen der Transparenz und Nachhaltigkeit setzen. Dabei muss die Hornbach Forst GmbH aber ihr eigenes Geld verdienen. Es ist keine Quersubventionierung durch den Verkauf von Abdeckplanen oder Feuchtemessgeräten vorgesehen.“

Steffen Hornbach, der Vorstandsvorsitzende der Hornbach Baumarkt AG steht offenbar voll uns ganz hinter der Idee. Die Maschine auf dem Platz gehört ihm persönlich. Im Juli soll aber die erste von insgesamt zehn eigenen Maschinen kommen, mit denen in Zukunft bundesweit die Märkte versorgt werden sollen. Alle werden ein 80-km/h-Fahrwerk und eine klimatisierte Führerkabine haben. Der Antrieb erfolgt über ein aufgebautes Hatz-Aggregat. Von den 97 Filialen in Deutschland sind voraussichtlich rund die Hälfte von den räumlichen Gegebenheiten geeignet. Somit würde jede Maschine fünf Filialen turnusmäßig anfahren. Das Rohholz wird dann jeweils vor Ort eingekauft. Das muss auch nicht immer Buche sein. In Anbetracht der großen Kalamitätsmengen an Fichte, regional auch Esche, würde Eberdorfer gerne auch diese Hölzer anbieten, sofern es die Kundschaft annimmt. Generell müssen die Mitarbeiter auch jetzt schon viel aufklären, vor allem zum Thema Lagerung und Trocknung des frischen Holzes. Bei der modernen Spalttechnik entstehen sehr viele vierkantige Scheite. Stapelt man diese zu dicht auf, funktioniert die Durchlüftung nicht. Wenn diese Informationen nicht ankommen, werden möglicherweise einige Kunden enttäuscht sein, wenn ihr Ofen nicht ordentlich brennt.

Kostenstruktur

Peter Eberdorfer, der Geschäftsführer der Hornbach Forst GmbH legt Wert darauf, dass seine verkauften Schüttraummeter auch ein garantiertes Festmaß enthalten
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Je nach den Beschaffungskosten sollen die Verkaufspreise für jeden Markt eigenständig kalkuliert werden. Aber auch bei der Produktion sind noch nicht alle Faktoren fix. Beispielsweise ist noch nicht endgültig geklärt, wie der Transport der Maschinen zum nächsten Standort geschehen wird und wie die Beschickung mit Stammholz zukünftig passiert. Eine „Luxusvariante“ wäre ein Unimog mit aufgebautem Ladekran. In der Minimallösung wird zu den Sägespaltautomaten eigentlich gar keine zusätzliche Technik mehr beschafft: Ein starker Gabelstapler ist an jeder Baumarktfiliale vorhanden. Zum Umsetzen könnte Eberdorfer auf normale Lkw-Zugmaschinen aus dem Hornbach-Fuhrpark zurückgreifen. Auch beim Personal kann sich die junge Forst-GmbH auf die große Mutter stützen: Bei Schlechtwetter werden die Arbeiter im Markt eingesetzt und verrechnet. Das sind natürlich Voraussetzungen, von denen ein einzelner Brennholzproduzent nur träumen kann. Insofern befürchten viele Kollegen deutliche Verwerfungen im Markt. Sie werden sich wohl jetzt noch stärker auf den zusätzlichen Service mit Trocknung, Absiebung und Lieferung fokussieren müssen.

Heinrich Höllerl