Internationaler Holztag Klagenfurt 2022
Auf dem Internationalen Holztag in Klagenfurt meldeten Sägeindustrie und Holzhandel noch gute Geschäfte für das 1. Halbjahr 2022, brachten aber auch Zukunftssorgen wie fehlenden Rohstoff oder überbordende Bürokratie zum Ausdruck.
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Holztag Klagenfurt: Gute Geschäfte, aber Zukunftssorgen

11. September 2022

Der Internationale Holztag im Rahmen der Holzmesse in Klagenfurt ist in Österreich seit Jahrzehnten das Leitevent der Sägeindustrie und des Holzhandels, auf dem die Holzmärkte in Österreich und den Nachbarländern diskutiert werden. Die Vorsitzenden der Verbände zeigten sich zufrieden mit der Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr 2022.

DI Markus Schmölzer, Vorsitzender der österreichischen Sägeindustrie, ist zufrieden mit dem Jahresstart der Branche: „Die Sägeindustrie blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2022. Wir konnten die Produktion steigern und auch mehr Holz aus Österreichs Wäldern verarbeiten.“

Holzernte 2021 um 10 % gestiegen

In Österreich wurden im Jahr 2021 10,9 Mio. m³ Schnittholz produziert. Das ist eine erneute Steigerung der Produktionsleistung. Für das laufende Jahr wird eine leichte Steigerung der Produktion auf 11 Mio. m³ Schnittholz prognostiziert.

Die Rohstoffversorgung ist für die Unternehmen der Sägeindustrie die Voraussetzung für Arbeitsplätze und Wertschöpfung. „Für die Sägeindustrie sind unsere heimischen Wälder klar die Rohstoffquelle Nummer 1. In Österreich fiel die Holzernte 2021 um fast 10 % höher aus als im Vorjahr, dieser Trend setzt sich heuer fort. Trotzdem wächst in Österreich mehr Holz nach als geerntet wird. Die Holzimporte aus unseren Nachländern sind rückläufig“, so Schmölzer.

Österreichischer Holzhandel ist international feste Größe

Im Internationalen Holzhandel sei Österreich weiterhin sehr gut positioniert, betont. Ing. Franz Mühlbauer, Vorsitzender des österreichischen Holzhandels: „Österreich ist im 1. Quartal 2022 zweimal in den weltweiten Top Ten der größten Nadelschnittholz-Warenströme vertreten. Die Exporte aus Österreich in Richtung Italien sind auf Platz 3 und jene nach Deutschland auf Platz 7. Das vermeintlich kleine Österreich ist am internationalen Markt ein großer Player.“

Die wichtigsten Kunden österreichischer Unternehmen sind in den Nachbarländern. Nummer 1 ist Italien mit 45 % des österreichischen Schnittholzexports und an 2. Stelle liegt Deutschland mit 19 %.

Sägeindustrie fordert: Rohstoffversorgung sichern!

Mit Blick auf die kommenden Monate sind Schmölzer und Mühlbauer jedoch skeptischer. Schmölzer: „Wir spüren die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit in unseren Auftragsbüchern. Mit Sorge sehen wir die gestiegenen Kosten in der Produktion für Energie und Rohstoffe sowie in der Logistik. Die Sägeindustrie ist eine robuste und krisenfeste Branche, aber von einem Konjunktureinbruch und der steigenden Inflation können wir uns nicht entkoppeln.“

Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage fordert Schmölzer von der Politik, den Fokus auf die Stabilisierung und Stärkung der Wirtschaft zu setzen: „Wichtig ist es jetzt, unabhängige Wertschöpfungsketten zu stärken und wachstumsorientierte Rahmenbedingungen zu setzen. Für uns in der Sägeindustrie bedeutet dies in erster Linie, dass die Rohstoffverfügbarkeit weiterhin gewährleistet ist. Dazu ist ein Signal der europäischen und nationalen Politik notwendig, dass die Diskussion um die Außer-Nutzung-Stellung der Wälder beendet wird und es ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen und aktiven Waldwirtschaft gibt.“

Holzhandel fordert: Bürokratie abbauen!

Auch Franz Mühlbauer erwartet weitere Maßnahmen, um die Wirtschaft zu entlasten. „Ein kostengünstiges Konjunkturprogramm ist der Abbau und die Vermeidung von Bürokratie. Wir sind im Holzhandel mit hohem Dokumentationsaufwand und Rechtsunsicherheit konfrontiert. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen ist das ein großes Problem. Österreich setzt EU-Verordnungen und EU-Recht besonders streng und übereifrig um.“

Besonders kritisch sieht Mühlbauer die geplante EU-Lieferketten-Richtlinie: „Wir haben mit dem Holzhandelsüberwachungsgesetz, kurz HolzHÜG, bereits ein Instrument gegen illegalen Holzhandel und brauchen keine zusätzlichen Anforderungen. Das bestehende Überwachungssystem sollte stattdessen zielgerichtet vereinfacht werden, damit es auch von Klein- und Mittelbetrieben, ohne böse Überraschungen zu erleben, angewendet werden kann.“

Quelle: FV Holzindustrie Österreich