Waldschutz

Holzschutz Schweiz: Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln

von Marc Kubatta-Große

Ein kleiner Teil der Pflanzenschutzmittel (PSM), die in der Schweiz verkauft werden, kommt im Wald zum Einsatz. Der Anteil beträgt rund 0,02 % der Gesamtmenge. Zwar sind PSM im Wald grundsätzlich verboten, es gibt aber Ausnahmen: In erster Linie werden damit gefällte Bäume behandelt, um sie vor Käfern und Pilzen zu schützen. Das sensible Ökosystem Wald soll aber nicht unnötig belastet werden. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat darum bei der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) einen Bericht in Auftrag gegeben, der Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln aufzeigt.

Kann geerntetes Holz, insbesondere bei Kalamitäten nicht rasch aus dem Wald abgefahren werden, wird es gelegentlich mit Spritzmitteln behandelt, um zu verhindern, dass es von Käfern befallen wird und an Marktwert einbüßt. Zwar verbietet das Waldgesetz grundsätzlich den Einsatz von Spritzmitteln im Wald. Aber es sind Ausnahmen vorgesehen, die in der Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung geregelt sind und die die kantonalen Behörden bewilligen müssen.

Die im Wald verwendeten Mengen sind mit rund 0,02 % des Gesamtverbrauchs an Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz überaus gering. Es handelt sich dabei aber teilweise um sehr giftige Stoffe, die das Ökosystem Wald beeinträchtigen können.

Im Wald dürfen nur Mittel eingesetzt werden, die vom Bund für einen solchen Einsatz zugelassen wurden. Zudem müssen die behandelten Polter außerhalb von Grundwasserschutzzonen und in ausreichender Distanz zu Oberflächengewässern liegen. Des Weiteren sind Anwender und Anwenderinnen solcher Substanzen verpflichtet, sich regelmäßig weiterzubilden.

Andere Maßnahmen und bessere Logistik

Der Bericht der HAFL nennt verschiedene Alternativen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Entfernt man beispielsweise die Rinde gefällter Nadelbäume, hält dies in der Borke brütende Käfer davon ab, das geschlagene Holz zu befallen.

Statt im Wald kann das Holz auch in ausreichender Entfernung dazu gelagert werden. In mindestens 500 Metern Distanz vom nächsten Nadelwald befindet es sich nicht mehr in Flugweite der Käfer. Für besonders wertvolle Sortimente empfehlen Fachleute Nasslager: Indem das Holz regelmäßig beregnet oder in Wasser gelagert wird, lässt es sich ohne Wertverlust bis zu sechs Jahre aufbewahren.

Am besten wäre es, geschlagenes Holz innerhalb von zwei bis drei Wochen aus dem Wald wegzubringen. Derzeit aber sind die einzelnen Schritte in der Holzverarbeitung noch nicht ausreichend aufeinander abgestimmt, sodass es Probleme bei der Logistik gibt. „Eine reibungslos funktionierende Wertschöpfungskette wäre der wirkungsvollste Hebel, um Spritzmitteleinsätze zu vermeiden“, ist Michael Reinhard vom BAFU überzeugt.

Die engere Zusammenarbeit und Absprachen zwischen den vielfältigen Akteuren der Wald- und Holzbranche könnten dazu beitragen, die derzeitigen Flaschenhälse zu beseitigen. Verschiedene digitale Hilfsmittel wie Computerprogramme für eine bessere Übersicht der Kette stehen hierfür zur Verfügung. Gute Erfahrungen wurden auch mit Organisationen gemacht, die das Holzangebot mehrerer Forstbetriebe zusammenführen und professionell vermarkten oder die Koordination zwischen den verschiedenen Betrieben der Holzbranche sicherstellen.

Kantone und Bund kooperieren

Wie der Bund, setzen sich auch die Kantone dafür ein, dass Pflanzenschutzmittel so sparsam und selten wie möglich im Wald verwendet werden. Die Kantone melden dem Bund, wie viel von diesen Chemikalien pro Jahr versprüht werden. Das ermöglicht es dem BAFU, neu eine jährliche Übersicht der eingesetzten Pflanzenschutzmittel zu erstellen. Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel sehe vor, dass die Handhabung dieser Stoffe verschärft wird, erklärt Michael Reinhard.

Insgesamt 13 Kantone haben bereits Maßnahmen zur Reduktion der Spritzmittel ergriffen, indem sie etwa das Forstpersonal und alle, die diese Mittel anwenden, sensibilisieren und beraten. Als weitere Maßnahmen unterstützen einige dieser Kantone die Errichtung von Nasslagern oder das Entrinden.

Kundschaft sensibilisieren

In nahezu der Hälfte der Fälle wird gelagertes Holz auf Verlangen der Käufer mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Wäre die Endkundschaft wie Bauherren oder Architekten bereit, verbläutes Holz zu akzeptieren, dann wären diejenigen, die das Holz weiterverarbeiten (Säger und Weiterverarbeiter) bereit, solches Holz als gleichwertig zum nicht verfärbten zu akzeptieren. Dann würden viele Spritzmitteleinsätze hinfällig. In seinen Eigenschaften stehe verbläutes dem frischen, weißen Holz kaum nach. An nicht sichtbaren Stellen, etwa hinter Verschalungen, sei es problemlos einzusetzen.

Sei es durch logistische Optimierung, die Sensibilisierung der Kundschaft und des Forstpersonals oder die Einrichtung alternativer Lagerplätze außerhalb des Waldes: Es gibt Möglichkeiten, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Wald weiter zu reduzieren. Die Ressourcenpolitik Holz des Bundes zielt in die gleiche Richtung, nämlich auf eine bessere Wertschöpfungskette, dazu gehören Logistik und Transport. Das BAFU kann entsprechende Projekte fördern.

BAFU/Red.