Holzverkauf und Holzpreise

Holzmarkt zwischen Extremen

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Auf Corona-Lockdown, Dürre und Waldschäden im Jahr 2020 folgte eine extreme Nachfrage im Frühjahr 2021, die durch Produktionsausweitungen der Unternehmen der Säge- und Holzindustrie aufgefangen wurde. Seit Juli zeigt sich nun eine gegenteilige Entwicklung am Holzmarkt: Die Nachfrage für Nadelschnittholz ist aufgrund hoher Lagerbestände bei Handel und Verarbeitern deutlich gesunken und macht neuerliche, gegenläufige Produktionsanpassungen der Säge- und Holzindustrie nötig, berichtet der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH).

Eine aktuelle Marktumfrage unter den Mitgliedsunternehmen des DeSH bestätige den seit Juli anhaltenden Trend: „Nach den Corona-Sondereffekten im Jahr 2020 und zu Beginn des Jahres stehen wir erneut vor einer veränderten Marktsituation mit einem deutlichen Nachfragerückgang beim Nadelholz. Rund 40 % unserer Mitglieder erwarten eine negative Geschäfts- und Absatzentwicklung in den kommenden Monaten, fast ebenso viele müssen ihre Produktion entsprechend anpassen. Bereits im Juli ist die Produktionstätigkeit im Vergleich zu den vorherigen Monaten deutlich verringert worden“, erklärt DeSH-Präsident Jörn Kimmich. Damit folgt der Holzmarkt einem ähnlichen Muster, wie es kurz zuvor in den USA zu beobachten war.

Anpassung der Produktionstätigkeit an geringere Nachfrage

Hintergrund dieser gegenläufigen Entwicklung sei der große Vorratsaufbau beim Holzhandel und in weiteren Verarbeitungsstufen, der oftmals den Jahresbedarf deutlich überstieg. Zudem sei eine allgemeine Abschwächung der Corona-Sondereffekte, wie etwa im Heimwerker-Bereich, zu beobachten. „Dank großer Investitionen der Branche in den Ausbau ihrer Produktions- und Personalkapazitäten konnte im vergangenen Halbjahr die sprunghaft hohe Nachfrage bewältigt werden. Das ist eine gute Nachricht für die Steigerung der Holzverwendung in Deutschland in den kommenden Jahren. Die momentane Marktentwicklung geht jedoch in die entgegengesetzte Richtung“, ergänzt Kimmich.

Gebe es in den kommenden Monaten keine Marktveränderungen, werde die Säge- und Holzindustrie ihre Absatzwege international verbreitern müssen, um ihre Produktionskapazitäten zu erhalten und weiterhin das schadbedingt anfallende Holz aus deutschen Wäldern verarbeiten zu können.

Zukunftsstrategie Holz

Die aktuelle Marktsituation der Branche war bereits ein zentrales Thema auf dem vom DeSH ausgerichteten Deutschen Holzkongress. Die Experten aus Wirtschaft, Forschung und Industrie waren sich einig, dass die Branche eine Zukunftsstrategie für ein nachhaltiges Wachstum der Holzverwendung in Deutschland für die kommenden Jahre entwickeln muss.

„Das Hin und Her zwischen den Nachfrageextremen schadet der Branche langfristig. Wir wollen sicherstellen, dass wir die Herausforderungen der Zukunft meistern können. Ganz oben auf der Agenda steht die Holzverfügbarkeit für den heimischen Holzbau, ohne die die Klimaneutralität des Gebäudesektors nicht erreicht werden wird“, so Kimmich. Man benötige aber auch bessere Marktprognosen und Bedarfsanalysen, sowie eine schnelle und effektive Infrastruktur für Transport und Logistik, um bei Extremwetterereignissen das Holz schnell verarbeiten zu können. Von zentraler Bedeutung seien darüber hinaus die politischen Rahmenbedingungen, angefangen bei der europäischen LULUCF-Verordnung bis hin zu der deutschen Klimaschutzgesetzgebung.

Quelle: DeSH