Holzverkauf und Holzpreise

Holzmarkt weltweit: Bisher kaum Sanktionsfolgen

Bearbeitet von Jörg Fischer

Das Jahr 2021 schlug mit Bedarfs- und Preishochs alles bisher Dagewesene, gefolgt von brutalen Rückgängen. Im 1. Halbjahr 2022 wiederholte sich das 2021er-Marktgeschehen, komprimiert auf sechs Monate – samt einem Krieg in Europa …

Der Marktaufschwung 2022 begann Mitte Dezember 2021. Damals, als die Preise ihre Tiefststände erreicht hatten, wurde massiv von Holzhandel und Verarbeitern eingekauft. Bei Brettschichtholz ging es sogar so weit, dass Südeuropa in wenigen Monaten teilweise den Jahresbedarf einkaufte. Die Folge war ein Preisauftrieb bei Schnittholz und Weiterverarbeitungsprodukten bis April, Mai. Das geht aus einem Bericht des Holzkuriers hervor.

Holzmarkt weltweit: Welche Rolle spielt der Ukrainekrieg?

Für die genannte Preisentwicklung spielen der 24. Februar (der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine) und seine Folgen keine direkte Rolle – ebenso wenig wie beim Bedarfs- und Preisrückgang seither. Die verkaufte Ware musste erst verbaut werden. Auf den einsetzenden Auftragsrückgang reagieren die Unternehmen mit Produktionsdrosselungen. Jetzt, Mitte des 3. Quartals und mitten in den Betriebsferien, sind die Preise teilweise nahe den Tiefstständen angelangt. Mit der Wiederbelebung des Baugeschehens im September könnte sich die Lage wieder stabilisieren. Auch wird dann Ware aus den Sanktionsländern fehlen, da seit 10. Juli wirklich nichts mehr eingeführt werden wird.

Was bedeutet diese Entwicklung für den Bausektor?

Der mitteleuropäische Holzbau wird am Ende des Jahres auf eines der besten Jahre seiner Geschichte zurückblicken – allerdings mit deutlich reduzierten Auftragsständen für 2023. Die allgemeine Unsicherheit, verschärfte Kreditrichtlinien der Banken, immense Kostensteigerungen bei der Energie und die damit verbundenen Inflationsängste lassen insbesondere die privaten Bauherren vorsichtiger werden. Die Auftragsbücher der Bauunternehmen für 2023 sollen ziemlich leer sein.

Seit dem 10. Juli sind die EU-Sanktionen in vollem Umfang gegen Russland und Belarus wirksam. Das heißt, dass die EU-Mutterkonzerne ihre russischen Töchter eigenständig arbeiten lassen müssen. In der Sägewerksbranche sind davon etwa Mayr-Melnhof Holz in Efimovskij betroffen oder die Hasslacher-Gruppe in Malaya Vishera oder die Egger-Gruppe in Shuya und Gagarin sowie Kronospan gleich an sechs russischen und zwei weißrussischen Standorten. Die Sägewerke waren bisher primär auf den Export ausgelegt. Diese müssen sich nun neue Märkte suchen. Die Holzwerkstoff-Produktionen arbeiten primär für den Binnenmarkt der nun betroffenen Sanktionsländer. Alle Unternehmen sind aber gleichermaßen hart von der Ersatzteilbeschaffung abgekoppelt.

Russland verteidigte im 1. Halbjahr erfolgreich seine Position auf den Weltmärkten für Nadelschnittholz (s. Weltkarte). Entgegen der Erwartung gab es keine Exportlawine Richtung China (+2 %), sondern größere Steigerungen, etwa Richtung Japan. Trotz rückläufigen Bedarfs („Lockdowns“) und deutlich erschwerter Logistik („fehlende Container“) konnten sich Finnland und Schweden in China profilieren.

Die Weltkarte zur Holzmarkt-Entwicklung im 2. Halbjahr 2022 kann hier heruntergeladen werden.

Quelle: holzkurier.com