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Holzmarkt in der Schweiz

Die Branchenvertreter der Schweizer Forst- und Holzwirtschaft haben sich an einer Sitzung der Interessengemeinschaft Industrieholz vom 9. Februar 2011 zum Marktgeschehen geäußert. Es besteht eine rege Nachfrage nach Nadelholz für die Sägereien und nach Industrieholz. Die Nutzungsmengen werden fortlaufend abgeführt. Es ist jedoch noch offen, ob auch in den nächsten Monaten die Holzlieferungen der Nachfrage genügen werden.
Allgemeine Wirtschaftslage

Die weltweite Krise trat in der Schweiz weniger ausgeprägt in Erscheinung als in den meisten anderen Industrieländern. Die positive Entwicklung beruht vor allem auf soliden Wachstums-raten des privaten Konsums, einer generell stabilen heimischen Nachfrage sowie der hohen Nachfrage aus Asien. Für die Schweiz wird das internationale Umfeld aber weiterhin eine grosse Herausforderung bleiben. Die Schuldenkrise in mehreren europäischen Ländern wird die Euroschwäche nachhaltig beeinflussen. Ausserdem werden die beschlossenen Sparprogramme einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage nach Schweizer Gütern haben. Exportorientierte Firmen sind davon besonders betroffen.
Das Baugewerbe gehört weiterhin zu den Stützen der Schweizer Konjunktur. Die seit längerer Zeit bestehende Kombination von tiefen Hypothekarzinsen und hoher Einwanderung von gut qualifizierten Arbeitskräften sorgt für eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnungen im oberen Preissegment. Beim derzeitigen Rekordwert von im Bau befindlichen Wohnungen dürften in den kommenden Monaten weiterhin positive Ein-flüsse auf den Rund- und Schnittholzmarkt ausgehen.
Papierindustrie
In der Papierfabrik Utzenstorf AG war im letzten Jahr die Auslastung hoch und der Verkauf von Zeitungsdruckpapier gut. Es wurden 197.000 t Papier produziert und 202.000 t verkauft. Das Papierlager wurde abgebaut. Auch die Exportmenge konnte, dank einer Absicherung des Eurokurses, relativ gut gehalten werden. Gesamthaft sind momentan 90 % der geplanten Jahreskapazität im Verkauf bereits vertraglich gebunden. Daher wird mit einer Vollauslastung gerechnet. Die Preise für Zeitungsdruckpapier haben sich wieder etwas erholt. Der Wechselkurs drückt jedoch immer noch stark auf das Ergebnis. Die Versorgung mit Holz ist momentan gut. Falls die Liefermengen eingehalten werden, wird wieder ein Nasslager eingerichtet. Der Jahresbedarf beträgt rund 70.000 Rm Schleifholz.
  Die neue Papiermaschine der Perlen Papier AG ist im September gut angelaufen. Zurzeit werden rund 900 Tonnen Zeitungsdruckpapier pro Tag produziert. Die Papierproduktion erfolgt immer noch mit Verlust. Dabei spielt auch die Altpapierversorgung eine wichtige Rolle. Einerseits sind die Preise enorm angestiegen, andererseits ist auch die Nachfrage in Asien sehr hoch. Die Versorgung mit Waldholz ist momentan gut. Es besteht die Hoffnung, dass sie weiterhin nach Planung erfolgt.
Sägeindustrie
Die Holzversorgung liegt auf tiefem Niveau. Zahlreiche Werke werden eher zu knapp beliefert. Es zeichnet sich daher auf den Sommer hin eine Unterversorgung ab. Der Bedarf ist häufig höher als die Liefermengen. Die Rundholzpreise waren zum Teil höher oder mindestens gleich hoch wie im angrenzenden Ausland. Trotzdem konnte der Bedarf nicht überall abgedeckt werden. Die Produktion konnte nicht immer im vorgesehenen Rahmen abgewickelt werden. Sie ist in der Mehrzahl der Kantone im letzten Jahr deutlich zurück gegangen. Die zu geringen Rundholzmengen schlagen sich bei den Produktionskosten negativ zu Buche.

Der Verkauf von Schnittwaren läuft in der Schweiz gut, im Ausland sind die Probleme wegen dem Wechselkurs aber enorm. Der Export ist für die Schweizer Sägereien wichtig, da einige Sortimente praktisch nur im Ausland abgesetzt werden können. Zudem macht der Branche der Konkurrenzdruck auf dem Schweizer Markt zu schaffen, da ausländische Ware billig importiert werden kann.

Beim Laubrundholz kann die Situation weiterhin als schwierig bezeichnet werden. Die Sägeindustrie hat jedoch ein spezielles Interesse, dass auch der Laubholzholmarkt gut funktioniert, da im Schweizer Wald Mischbestände häufig sind. Nur wenn das Laubholz guten Absatz findet, wird auch das Nadelholz aus diesen Beständen bereitgestellt.
Forstunternehmungen
Die Auslastung der Forstunternehmungen war diesen Winter bisher gut, wenn auch auf einem tiefen Preisniveau. Das gerüstete Holz wurde wegen den günstigen Witterungsbedingungen fast überall rasch abgeführt. Im Wald ist der Lagerbestand an Holzsortimenten daher sehr gering. Die Nachfrage in der Schweiz ist groß. Es wird aber auch viel Holz exportiert. Dies wird leider häufig falsch interpretiert und mit einer geringen Nachfrage in der Schweiz gleichgesetzt. Daher besteht die Gefahr, dass die Bereitstellung von Holz diesen Frühling zu früh eingestellt wird. Zudem hat der Energieholzboom dazu geführt, dass beispielsweise Schleifholz und Schwellensortimente teilweise nicht mehr aussortiert und direkt zu Hackschnitzeln zerkleinert werden.
Waldwirtschaft
Im Allgemeinen sind im Ausland die Sägewerke gut versorgt. Die Stammholzpreise erreichen keine Spitzenwerte mehr. Sie haben sich auf relativ hohem Niveau gefestigt. Aufgrund der günstigen Wirtschaftsprognosen und der hohen Auftragsbestände kann weiterhin von einer stabilen Nachfrage und guten Preisen ausgegangen werden.
Im Inland bewirken die hohen Auftragsbestände in der Bauwirtschaft eine mehrheitlich gute Auslastung der Sägereien. Bezüglich der Rundholzvorräte gibt es unterschiedliche Meldungen. Sie reichen von unterversorgt bis ausreichend und gut bevorratet. Verarbeiter von Massensortimenten werden durch den Konkurs von Mayr-Melnhof Swiss Timber vorübergehend komfortabel versorgt sein. Nadelstammholz wird ausserhalb Graubündens nach wie vor gut nachgefragt. Die Preise sind seit Frühjahr 2010 wegen des hohen Frankenkurses weniger angestiegen als im benachbarten Ausland. Die aktuellen Empfehlungen der Holzindustrie für eine Preisreduktion von 5 Franken pro Festmeter werden sich auf die Einschlagsmengen der kommenden Monate dämpfend auswirken.
Esche und Eiche werden gut nachgefragt und erzielen akzeptable Preise. Bei Ahorn und Buche bestehen wenig Nachfrage und unattraktive Preise. Für die Nutzung von Buchenholz ist auch ausschlaggebend, dass die SBB den Entscheid für die Beschaffung von Schwellen immer noch nicht bekannt gegeben hat.
Holzhandel
Die Versorgung der schweizerischen Holzindustrie konnte im letzten Herbst durchaus als prekär bezeichnet werden. Trotz der allgemein sehr guten Preise wurde die Einschlagstätigkeit teilweise nur zögerlich aufgenommen, was zu einer Unterversorgung einzelner Werke führte. Im Spätherbst verbesserte sich dann die Versorgungslage. Im Dezember 2010 wurde der Konkurs der Mayr-Melnhof Swiss Timber bekannt, der einige Auswirkungen auf die Holzströme haben wird. Die Holzindustrie in der Schweiz und im benachbarten Ausland wird jedoch die frei werdenden Mengen problemlos aufnehmen können.
Im ersten Quartal 2011 wurden beim Sägestammholz leichte Preiskorrekturen gegen unten vorgenommen, was hauptsächlich durch die Frankenstärke bzw. die Euroschwäche begründet wird. Der Export von Schnittholz wird immer schwieriger und zudem der Import aus dem Euroraum immer attraktiver. Die Nachfrage nach allen Waldholzsortimenten (Sägerundholz, Schleifholz, Plattenholz)   mit Ausnahme des Buchenstammholzes ist sehr gross. Die Preise sind vergleichsweise attraktiv. Daher könnten und sollten die geplanten Nutzungen durchgeführt werden. Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa in den nächsten Monaten kann man vorsichtig optimistisch sehen. Vor allem aus Deutschland werden vermehrt Zahlen über geringere Arbeitslosigkeit und gesteigerten Export präsentiert. Infolgedessen könnte man auf eine leichte Erholung des Eurokurses zum Schweizer Franken spekulieren, was zu einer leichten Entspannung führen könnte.
IG Industrieholz

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