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Holzmarkt in der Ostschweiz

Die Ostschweiz ist als direkter Nachbar zu Deutschland und Österreich stärker von der Frankenaufwertung betroffen als andere Regionen. Dies hat auch große Auswirkungen für die Waldwirtschaft.
Der Rundholzverkauf ist und bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Waldbesitzer. Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses drücken nun drei Faktoren auf den Rundholzpreis.
Faktor 1: Der Wechselkurs. Verkauft ein Waldbesitzer sein Holz im angrenzenden Ausland erhält er zwar gleich viel Euros, aber der Erlös in CHF liegt 17 % tiefer. Die Ostschweiz produziert mehr Rundholz, als verarbeitet wird. Rund 1/4 der anfallenden Produkte finden in der Region keinen Abnehmer, Beispiel Laubholz oder Starkholz in minderer Qualität. Diese Mengen können nicht einfach reduziert werden, da die Pflege der Schutzwälder laufend sichergestellt sein muss.
Faktor 2: Holz kennt keinen Zollschutz, wie dies teilweise bei landwirtschaftlichen Produkten der Fall ist. Angebot und Nachfrage können frei spielen. Der Markt kann nicht reguliert werden.
Faktor 3: Das ausländische Schnittholz wurde auf einen Schlag 17 % günstiger. Die Schnittholzimporteure rechnen mit hohen Margen und Gewinnen und können den Markt trotzdem 10 bis 15 % billiger beliefern. Dies führt dazu, dass die Schweizer Sägewerke schnell Preisrücknahmen im Umfang von 10 bis 15 % tätigen müssen, um ihr Schnittholz weiterhin zu Marktpreisen absetzen zu können. Diese Preissenkungen kommen zu einem relativ schlechten Zeitpunkt. Der Holzbau und die gesamte Wirtschaft laufen gut und der Schnittholzbedarf ist sehr hoch. Eine solche oder ähnliche Situation hatte die Branche noch nie zu bewältigen. Rezepte gibt es kaum. Es wird nun in den nächsten Wochen und Monaten versucht, das Angebot an der Nachfrage der Holzabnehmer anzugleichen, damit keine oder nur kurzfristige Engpässe in der Rundholzversorgung entstehen. Auch auf der Verarbeiter-Seite ist noch vieles unklar. Wie viele Kunden weiterhin auf Schweizer Holz setzen und einen gewissen Mehr.preis in Kauf nehmen ist nicht abschätzbar. Auch die Entwicklung auf der Währungsseite ist ungewiss.
Strukturbereinigungen zu befürchten
Falls die aktuelle Währungssituation längere Zeit anhält, sind Strukturbereinigungen auf der Verarbeiter-Seite zu befürchten. Gerade die kleinen regionalen Sägewerke sind verlässliche Partner für die Waldbesitzer. Die kurzen Transportdistanzen und direkten Beziehungen werden geschätzt. Aber auch die Firma Holzwerk Lehmann AG in Gossau ist ein wichtiger Abnehmer von Massenprodukten weit über die Ostschweiz hinaus.
Die Holzmarkt Ostschweiz AG hat in den letzten zwei Wochen mit ihren Kunden verhandelt und bereits wieder Preise für alle Sortimente vereinbart. Die Preisrücknahmen liegen je nach Sortiment und Qualität im vereinbarten Rahmen zwischen 10 bis maximal 15 %. Preisrücknahmen beim Nadelholz von mehr als 15 % müssen somit nicht hingenommen werden.
Es muss nun wieder schnell eine stabile Preislage gefunden werden, damit die Waldbesitzer wissen was sie für ihr Rundholz bekommen.
Holzmarkt Ostschweiz AG

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