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Holzmarkt in Bayern

Der Sturm Niklas kam zu einer Zeit, als sich bereits andeutete, dass die Preise in neuen Quartalsverhandlungen leicht sinken könnten, da zum Einen die Sägeindustrie ihre Rundholzlager bereits gefüllt hatte, zum Anderen eine gehörige Unsicherheit hinsichtlich der Absatzlage spürbar war. Die ersten Schätzungen hinsichtlich der durch „Niklas“ angefallenen Mengen wurden mittlerweile durch verschiedene Stellen bestätigt. So gehen beispielsweise die Bayerischen Staatsforsten unverändert von rund 1 Mio. Fm aus und auch im Privat-/Körperschaftswald scheinen sich die 1 Mio. Fm zu bestätigen. Es wird allerdings gemutmaßt, dass etliches Holz erst bei der Aufarbeitung der Einzelwürfe anfällt, weil der eine oder andere Hänger zusätzlich zu entnehmen ist. Dies könnte zu zusätzlichen Mengen führen, die ursprünglich nicht geplant waren. Umgekehrt scheint in manchen Regionen doch eine nicht unbeachtliche Menge an Bruchholz angefallen zu sein, die als Stammholz kaum zu vermarkten ist und eher ins Brennholz geschnitten wird. Auch ist zu berücksichtigen, dass gerade im Kleinprivatwald im ländlichen Raum viel Holz in Eigenregie aufgearbeitet und für den eigenen Bedarf geschnitten wird.
Letztlich dürfte die Diskussion um die tatsächliche Höhe des Sturmholzanfalls ins Leere führen, da in den Hauptschadgebieten größere Mengen bereits als Sturmholz zu Angstpreisen von 80 bis 82 €/Fm verkauft wurden. Anderenorts – und eher in entfernteren Regionen – wird das Holz ohne Abschläge in bestehende Verträge geliefert, so dass nur in Einzelfällen gesonderte Sturmholzverträge geschlossen wurden. Etwas weiter nördlich von München gelten Sturmholzpreise von rund 85 €/Fm und je weiter man sich nach Norden bzw. vom Schadereignis wegbewegt, gehen sie eher Richtung 90 €/Fm. Etliche – auch größere – Waldbesitzer liefern weiterhin zu Preisen auf Vorsturmniveau oder zu leicht abgesenktem Niveau, das durchaus auch noch bei 100 €/Fm liegen kann. So bestehen auch die Staatsforsten auf einer ordnungsgemäßen Belieferung der Kontrakte zu unveränderten Preisen, auch wenn dies nicht immer unproblematisch ist. Wo dies nicht möglich ist, weil die Mengen einfach zu groß sind, werden Nasslager eingerichtet bzw. befüllt. Teilweise wird auch die Möglichkeit genutzt, gewisse Mengen regional umzulenken, so dass der reguläre Einschlag auch in weniger betroffenen Gebieten zu Gunsten von Lieferungen aus Sturmregionen reduziert bis eingestellt wurde.
Die BaySF betreibt eigenen Aussagen zufolge keine aktive Vermarktung von Windwurfholz. Bei der Anfuhr von Holz kommt es immer wieder zu Konkurrenzsituationen zwischen den verschiedenen Anbietern und auch den Fuhrunternehmern. Zwar sind die Transportkapazitäten in der Regel zu gering, dennoch müssen manche LKWs längere Wartezeiten bei der Anfuhr in Kauf nehmen, um das Holz in die Säge fahren zu können.
Der tatsächliche Flaschenhals bei der Bewältigung der Kalamität scheint zurzeit am ehesten bei den Frachtkapazitäten zu liegen. Insgesamt betrachtet ist die Situation am bayerischen Holzmarkt zwar angespannt, aber nicht besorgniserregend. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Waldbesitzer aus der Erfahrung gelernt haben und in erster Linie zuerst die Einzelwürfe aufarbeiten und erst dann in die Fläche gehen. Dies ist zwar recht aufwändig, aus phytosanitären Gründen jedoch erforderlich. Die Käfersituation ist aktuell nicht sonderlich bedrohlich. Die Käfer haben sich oft eingebohrt, das befallene Holz wird aber möglichst zügig abgefahren und die Käfer somit dem Bestand entzogen. Eine günstige Witterung mit kalten Nächten trägt ebenso dazu bei, dass – zumindest vorerst – nicht mit einem größeren Befall bis zum Sommer auszugehen ist. So rechnen viele Betriebe aus dem HMI-Meldenetz, dass Niklas als eher regionales Ereignis ab der Sommerpause relativ schnell in Vergessenheit gerät.
HMI, Quelle: HMI-Meldenetz

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