ForstBranche

Holzlogistik: Wo stehen wir? – Wo geht es hin?

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Am 23. Juni gab es auf dem digitalen KWF-Kongress einen Themenblock zur Holzlogistik. Hier gibt es zusammengefasst die wichtigsten Erkenntnisse für den Rundholztransport. Prof. Dr. Thomas Purfürst ging der Frage nach: Wo stehen wir bei der Digitalisierung der Holzlogistik? – Wo geht die Reise hin?

Dazu ging er zunächst einmal eine lange Liste von Hemmnissen durch, die einer Effizienzsteigerung durch Digitalisierung der Holzlogistik im Wege stehen.

Hemmnisse, wohin man schaut

Da wäre zunächst einmal der fehlende flächige Datenempfang, der eine unmittelbare Datenübertragung behindert. Man ist in der Forstwirtschaft wie auch im Holztransport oft auf eine asynchrone Kommunikation angewiesen. Cloud-Lösungen funktionieren da nicht, die erfassten Daten müssen erstmal lokal gespeichert werden, bis wieder Empfang da ist. Das erhöht den Aufwand bei der Datenhaltung und en dafür nötigen Geräten.

Weiter geht es bei der Positionsbestimmung von Lkw, Poltern und Forstmaschinen. Hier liege großes Optimierungspotenzial für die Holzlogistik, wenn die notwendigen Positionsdaten allen Akteuren ohne Zeitverlust bekannt wären. Wo arbeitet der Harvester gerade? Wo kann der Forwarder rücken? Wo liegen welche Sortimente an der Gasse? Wo welches Polter? All diese Daten liegen meist nicht digital vor.

Bei der digitalen Erschließung bietet NavLog ein enormes Potenzial, sagt Purfürst. Dies werde aber nicht ausgeschöpft. Man könne mit NavLog den Transport von der Raubeuge bis zum Werk abwickeln. Der Navigationsdatensatz Wald sei dafür eine gute Basis. Was fehle seien beispielsweise tagesaktuelle Informationen zu Wegesperrungen. Die Navlog Daten werden aber nur ein- bis zweimal im Jahr aktualisiert. Lediglich die Bayerischen Staatsforsten haben eine Schnittstelle zu tagesaktuellen Daten.

Aktivitäten zur Digitalisierung

Das Projekt VEHIT soll helfen, Holztransporte auf die Schiene zu verlagern, indem mögliche Holzverladebahnhöfe per Holzaufkommensanalyse identifiziert werden. So sollen die Wege zum nächsten Bahnhof möglichst kurz gehalten werden.

Auch bei der Erfassung und Nachverfolgung von Holzmengen sei man noch nicht da, wo man hinmüsse, so Purfürst. Es gebe verschiedene Kennzeichnungs- oder Erkennungssysteme wie Barcodes, Nummernplättchen, RFID-Transponder, Waagen oder optische Wiedererkennungssysteme. Die Frage sei, was man eigentlich kennzeichnen müsse. In jedem Fall seien Doppelvermessungen zu vermeiden und Ziel müsse sein, kein Holz mehr manuell zu vermessen.

Blick in die Zukunft

Einen möglichen weiteren Entwicklungsschritt sieht Purfürst wie Martin Müller im Einsatz autonomer Maschinen im Wald und auf der Straße. Ausgehend von heute schon erhältlichen Assistenzsystemen seien selbstfahrende Forstmaschinen denkbar oder auch Truck Platooning, also mehrere selbstfahrende Lkw, die einem Leitfahrzeug folgen.

Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber allein der zunehmende Fahrermangel könnte solche Systeme notwendig machen. Zusätzlich erzeuge die Extremsituation am Holzmarkt einen hohen ökonomischen Druck. „Und ökonomischer Druck führt zu Innovationsschüben“, so Purfürst abschließend. Man darf also gespannt sein.