Holzindustrie, -verbände

Holzhandel: Tegernseer Gebräuche werden aktualisiert

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Mitte Mai fand die Abschlusssitzung der Kommission zur Neufeststellung der „Gebräuche im Handel mit Holz und Holzprodukten in Deutschland“, bekannt als „Tegernseer Gebräuche“, statt.

Damit sei ein Meilenstein des seit 2016 andauernden Prozesses mit vielen Branchenvertretern erreicht, erklären der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) und der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz), die den Novellierungsprozess koordiniert haben. Die Verabschiedung der neuen Gebräuche ist für den Herbst dieses Jahres geplant.

Prozess dauerte sechs Jahre

In sechs Jahren sei es gelungen, die „Gebräuche im Handel mit Holz und Holzprodukten in Deutschland“, auch bekannt als „Tegernseer Gebräuche“ zu überarbeiten und an die aktuellen wirtschaftlichen Anforderungen anzupassen, so DeSH Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt.

Die Regelungen für den inländischen Handel mit Holz und Holzprodukten sind zuletzt im Jahr 1985 aktualisiert worden. 2016 hatte der Deutsche Holzwirtschaftsrat (DHWR) den Anstoß zur Überarbeitung gegeben. Die Holzbranche habe sich in den letzten Jahrzehnten auf vielen Ebenen verändert. Mit der Überarbeitung trage man nun diesen Entwicklungen der letzten 30 Jahre Rechnung und schaffe Klarheit für die Unternehmen, ergänzt GD Holz Geschäftsführer Thomas Goebel.

Neufeststellung mit Branchenvertretern

Nachdem der DeSH zusammen mit dem GD Holz 2020 das Verfahren vom DHWR übernommen hatte, konnte die Kommission aus Vertretern der Holzwirtschaft im darauffolgenden Jahr den ersten Teil, in dem vertragsrechtliche Bestimmungen geregelt sind, zusammen mit Anhang B zu den Maklergebräuchen fertigstellen. Zuvor hatte der DHWR nach Abschluss der Beratungen zum ersten Teil der Gebräuche, Ende 2020, eine Gegenüberstellung der Versionen 1985 und 2021 veröffentlicht, die deutlich machte, welche Gebräuche sich mit den Jahren gewandelt hatten und zu welchen Ergebnissen die Neufeststellung gekommen war. Bis jetzt gelten aber noch die Gebräche von 1985.

Unter der Koordination von DeSH und GD Holz folgte die Überarbeitung des zweiten Teils mit den produktspezifischen Bestimmungen zu Schnittholz und Furnier sowie des Anhangs A mit den Güteklassen für Nadelschnittholz. Darüber hinaus wurden zwei neue Anhänge erstellt, die sich mit Warengruppen (Anhang C) und Begriffsbestimmungen (Anhang D) auseinandersetzen.

Sichere Rahmenbedingungen schaffen

Die neu festgestellten Handelsgebräuche stellen eine schriftlich kodierte Dokumentation gelebten Brauchtums im Sinne des § 346 Handelsgesetzbuch (HGB) dar und erlangen so Normcharakter. Mit der Überarbeitung habe man die Anforderungen an Rechtssicherheit und spezifische Produktanforderungen aktualisiert. Damit werden nun verlässliche Rahmenbedingen für alle Marktteilnehmenden geschaffen, so Goebel und Schmidt abschließend.

Quellen: DeSH, GD Holz