Holzindustrie, -verbände

Holzgebäude sind sicher gegen Brände

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Wie sicher sind mehrgeschossige Holzgebäude bei Feuer? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt „TIMpuls“ unter der Leitung der Technischen Universität München (TUM).

Ziel ist es, valide Grundlagen für ein einheitliches Regelwerk zum Bau von mehrgeschossigen Holzgebäuden zu liefern. Bei realen Brandversuchen im Originalmaßstab hat sich bestätigt, dass hohe Holzgebäude bei Einhaltung von bestimmten Baumethoden selbst den Vollbrand einzelner Wohnungen sicher überstehen.

Der nachwachsende Baustoff Holz liegt im Trend, die Nachfrage nach Holzgebäuden steigt. Zwar werden längst nicht mehr nur Einfamilienhäuser aus Holz gebaut, aber für das brandschutztechnisch sichere Bauen von mehrgeschossigen Holzgebäuden existiert nur ein beschränktes rechtliches Regelwerk.

Holzbau bis zur Hochhausgrenze regeln

„Unser Ziel ist es, das Bauen bis zur Hochhausgrenze, also bis 22 Meter, im gesamten Bundesgebiet geregelt zu ermöglichen“, erklärt Thomas Engel vom Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der TUM. Gemeinsam mit der TU Braunschweig, der Hochschule Magdeburg-Stendal und dem Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge arbeitet die Forschungsgruppe der TUM daran seit etwa vier Jahren im Projekt TIMpuls.

Brandräume simulieren vollgestellte Wohnungen

Zum Abschluss des Projektes wurden die gewonnenen Erkenntnisse im realen Versuch auf dem TUM-Campus in Garching getestet. Brandräume im Maßstab 1 zu 1, die mit Holz vollgestellt waren dienten als Versuchsaufbau. „Wir simulieren dabei Wohnungen mit einer realen Brandlast, also mit vielen Büchern und Einrichtungsgegenständen“, sagt Engel.

In den Versuchen wurden verschiedene Holz-Bauweisen und Brandschutzmaßnahmen betrachtet. Bei einem ersten Referenzversuch waren sowohl die Wände als auch die Decke des Brandraumes mit zweimal 25 mm dicken Gipsplatten bekleidet. Nachdem aufgeschichtete Holzscheite, die die Einrichtungsgegenstände im Gebäude simulierten, verbrannt waren, erlosch das Feuer. „Wie bei einem Gebäude aus nichtbrennbaren Baustoffen, bei dem das Feuer, nachdem die Brandlast im Haus verbrannt ist, von selbst ausgehen soll“, erklärt Engel.

Wie sicher sind sichtbare Holzoberflächen?

Allerdings: Die meisten Menschen, die in Holzgebäuden wohnen, wünschen sich in ihrer Wohnung mindestens eine sichtbare Holzwand oder eine sichtbare Holzdecke. Diese Szenarien wurden in vier weiteren Versuchen simuliert: Sichtbare Holzdecke, alle Wände mit 18 mm Gips bekleidet, Holztafelbaudecke, zwei gegenüberliegende sichtbare Massivholzwände aus Brettsperrholz sowie zwei bekleidete Holztafelbauwände, sichtbare Brettschichtholz-Decke und vier mit 36 mm Gips bekleidete Holztafelbauwände, ein Raum mit einer sichtbaren Brettschichtholzdecke, einer sichtbaren Brettsperrholzwand und drei bekleideten Holztafelbauwänden.

Brandversuche als Basis für Regelwerke

In den Brandräumen wurden jeweils etwa 400 Messstellen verbaut. „Wir wissen daher zum Beispiel genau, in welcher Tiefe der Wand welche Temperatur herrscht“, erklärt Prof. Stefan Winter, Leiter des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion. Strömungssensoren können zudem viel über das Flammenbild und die freigesetzte Energie aussagen.

„Das entscheidende Ergebnis unseres Projektes ist, dass wir die Basis für Regelwerke liefern können, indem wir die Rahmenbedingungen zeigen, unter denen sicher mit Holz gebaut werden kann“, sagt Winter. Wie genau die Umsetzung in die Bauordnungen erfolgt, ist auch eine politische Entscheidung. „Wenn wir zeigen können, dass die Tragfähigkeit des Holzgebäudes auch nach zwei Stunden Vollbrand erhalten bleibt, kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland die Feuerwehr längst vor Ort ist.“

Die Auswertung der Versuche wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Winter: „Wir haben eine riesige Datenmenge gesammelt, die uns nicht nur hilft, den Brandschutz bei Holzgebäuden zu bewerten, sondern auch wissenschaftliche Einblicke in den Brandverlauf liefert.“

Quelle: TU München