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Die Kabine empfindet Markus Schneeweis bei Wind und Wetter als einen Segen

Holzfrächter von Beruf

Ein bissl narrisch muss man schon sein, um diesen Beruf auszuüben. Das jedenfalls sagt Markus Schneeweis, seines Zeichens Holzfrächter von Beruf. Er muss es ja wissen, und was er darunter versteht, möchte er gerne mitteilen. Also haben wir uns auf den Beifahrersitz geschwungen und sind mitgefahren.

Treffpunkt: sechs Uhr früh am Umkehrplatz am Donauufer bei Ybbs, wo Stora Enso das große Fichten-Zerspanerwerk betreibt. Heute läuft es gut, trotz der vielen Morgenladungen kommt Schneeweis bald an die Reihe. Als er fertig ist, geht es rein ins Führerhaus und ab durch den Schneeregen in die Voralpen Richtung Holz.

Die Fahrt nach Süden bietet die Möglichkeit, etwas über den Firmenchef zu erfahren. Holz fährt die Familie bereits in dritter Generation. Sein Großvater machte sich 1936 mit einem Lkw selbstständig, gerade als die Weltwirtschaftskrise am Abflauen war. Das Gewerbe lief gut, bis er mitsamt seinem Lastwagen zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Er überlebte, das Fahrzeug blieb aber auf dem Schlachtfeld zurück. Der Wiederaufbau nach dem Krieg zog sich hin, Großvater konnte aber ein solides Unternehmen weitergeben. Der Vater von Markus legte seinen Schwerpunkt mehr Richtung Baustelle und Kipper. Holz-Lkw waren aber immer Teil des Fuhrparkes.

Das berufliche Fundament holte sich Markus Schneeweis in der Höheren Technischen Lehranstalt in Mödling südlich von Wien. Dort absolvierte er die Fachrichtung Kfz-Technik. Damit hätte ihm ein sicherer Berufsweg in der Autobranche offen gestanden. Er entschied sich vor 13 Jahren aber bewusst für den Familienbetrieb. „Mein Herz schlägt eben für den Wald. Schon als Bub bin ich beim Vater und den anderen Chauffeuren mitgefahren und habe immer in der Werkstatt mitgeschraubt. Der Beruf ist zwar anstrengend, aber ich habe mit vielen Leuten zu tun und bin in schöner Landschaft unterwegs. Ich möchte nicht tauschen.“ So erläutert er die Motivation, den täglichen Kampf mit den Unbilden von Holz und Straße aufzunehmen. Kommt das jemandem bekannt vor?

Normalerweise bleiben er und seine vier Fahrer im überschaubaren Radius um den Betrieb, der in Otterthal beheimatet ist. Der kleine Ort liegt zwischen dem Semmering und dem Wechsel, den letzten namhaften Alpenpässen im Osten Österreichs. Dünn besiedelt und mit viel Wald ausgestattet, ist eigentlich genug Arbeit da. Doch Käfer und Wind machten 2016 die Disposition der Autos anspruchsvoller. Deshalb muss er als Chef auch weiter weg sein Brot verdienen. „Die Fahrer wollen abends zu Hause bei der Familie sein. Darum muss ich als Chef in den sauren Apfel beißen und im Auto schlafen.“ Frau und Kinder freut das nicht, aber man kann sich im Leben nicht alles aussuchen.

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Den vollständigen Artikel finden Sie in der Forst & Technik 3/2018.

 

Anton Friedrich

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