Holzenergie

Holzenergie deckt über 40 % des Raumwärmebedarfs in Österreich

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Österreich ist Vorreiter in Sachen Wärme aus Holzenergie. Über 40 % der Raumwärme kommt bei unseren südlichen Nachbarn aus Holz. Spitzenreiter sind Kärnten, Salzburg und die Steiermark. Zum Vergleich: in Deutschland bestreitet Holzenergie nur 8,5 % des Wärmemarktes.

Holz hat seinen Vorsprung gegenüber Heizöl und Erdgas als wichtigster Energieträger zur Beheizung von Wohnräumen in Österreich weiter vergrößert, ist der neuen Erhebung der Statistik Austria zum Energieeinsatz der Haushalt zu entnehmen.

Ein Drittel (66 PJ) des österreichischen Raumwärmeeinsatzes von insgesamt etwa 200 Petajoule (PJ) entfielen im Jahr 2019/20 auf Scheitholz-, Pellets- oder Hackgutheizungen. Zählt man aus Biomasse erzeugte Fernwärme dazu, kommt man annähernd auf 82 PJ und einen Anteil von 41 %.

Hinter der Bioenergie folgen Erdgas (23 %) und Heizöl (16 %) als wichtigste Raumwärmeerzeuger. Fernwärme (16 %) hat in den letzten Jahren stark zugelegt und mittlerweile fast mit Heizöl gleichgezogen. Der ‚Raus aus Öl und Gas‘-Bonus der österreichischen Bundesregierung zeige in Kombination mit den Kesseltauschprogrammen der Bundesländer Wirkung, analysiert Franz Titschenbacher, Präsident Österreichischer Biomasse-Verband.

667.000 Haushalte in Österreich nutzen Holzeinzelfeuerungen (Kessel oder Öfen) als primäres Heizsystem. Als Brennstoffe setzen sie zu 76 % Brennholz, zu 12 % Hackschnitzel, zu 10 % Pellets und zu 2 % Holzbriketts ein. Dazu kommen 1,2 Mio. Fernwärmeanschlüsse in Österreich, die fast zur Hälfte mit biogener, meist aus Hackschnitzeln, Rinde und Sägenebenprodukten erzeugter Fernwärme beliefert werden.

Spitzenreiter Kärnten, Salzburg und Steiermark

In Kärnten liefert Holz inklusive Fernwärme 62 % der Raumwärme, in der Steiermark und Salzburg beträgt dieser Anteil je 49 %. Deutlich unter dem Bundesschnitt liegt einzig Wien mit 9 %. „Die Marktanteile von Bioenergie für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser können laut Studie der TU Wien bis 2050 auf über 50 % gesteigert werden“, erklärt Titschenbacher. Aufgrund von Gebäudesanierungen und immer effizienteren Holzheizungen führe dies zu keinem erhöhten Verbrauch an Holzbrennstoffen.

Fortschritte beim Ölausstieg

Erstmals gab es in der neuen Erhebung der Statistik Austria bei Heizöl gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017/18 wieder einen deutlichen Rückgang (–12 %), nachdem der Heizölverbrauch seit dem weltweiten Einbruch des Ölpreises 2014 eher konstant geblieben war. Die Anzahl der Ölheizungen als Hauptheizsystem ging 2019/20 auf 509.000 Stück zurück, das sind 100.000 Ölkessel weniger als noch vor fünf Jahren. Laut Regierungsprogramm sollen bis 2035 alle Ölkessel in Österreich ausgetauscht werden.

Wesentlich mehr Arbeit ist aber beim Ersatz der Gasheizungen zu verrichten, denn deren Anzahl liegt seit zehn Jahren bei etwas mehr als 900.000 Exemplaren. „Nur wenn wir den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen konsequent weiterverfolgen, erreichen wir unsere Klimaziele“, unterstreicht Titschenbacher. „Im Raumwärmebereich stehen genügend erneuerbare Alternativen zur Verfügung, um in den nächsten Jahren komplett aus fossilem Öl und Gas auszusteigen.“

Und in Deutschland?

Mit 120 Terawattstunden liefert die Holzwärme CO₂-neutral gut 5 % des deutschen Endenergieverbrauchs. Diesen Wert nennt eine Broschüre des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der der Initiative Holzwärme (IH) angehört. Ca. 13 % des Endenergieverbrauchs des deutschen Wärmemarktes decken die erneuerbaren Energien ab. Rund 65 % davon (insgesamt also rund 8,5 %), die genannten 120 TWh, lassen sich der Holzenergie zurechnen. Die energetische Nutzung von Holz binde bereits heute über alle ihre Anwendungsformen hinweg jährlich 36 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente.

Quellen: ÖBV, BDH