Newsletter
ABO
Holzdiebe werden immer dreister

Holzdiebe werden immer dreister

Wird es ein klirrend kalter oder doch eher ein milder Winter? Die Meinungen der Wetterexperten gehen auseinander -doch kluger Mann baut vor und besorgt sich Holz für den Kamin. Direkt aus dem Wald. Allerdings nicht immer legal. „Wir konnten früher mehr Brennholz an die Bevölkerung abgeben“, sagt Wilhelm Uschmann, Leiter des Forstbetriebes Anhalt, der zum Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt gehört. Einerseits sei in den letzten Jahren die Nachfrage der Industrie gewachsen. Und die werde zuerst bedient. So beliefere der Landesforst das Biomasseheizwerk Piesteritz und die Stadtwerke Leipzig, erklärt Uschmann. Und andererseits, „macht der Landeswald gerade mal 30 Prozent der Waldflächen im Land aus. Wir können deshalb den Bedarf der Bevölkerung nicht zu 100 Prozent decken.“
Direkt vor der Haustür
Seit viereinhalb Jahren leitet Uschmann den Forstbetrieb Anhalt. Und auch er bestätigt den landesweiten Trend: „Holzdiebstähle haben zugenommen. Es kommt mittlerweile vor, dass ganze Wagenladungen verschwinden.“ Rund 35 000 Hektar groß ist die Fläche des Landesforstbetriebes, die sich über den ehemaligen Regierungsbezirk Dessau (ohne Bernburg) erstreckt. Zwischen 140 000 und 150 000 Festmeter Holz werden im Jahr geschlagen, erklärt Produktionsleiter Jörg Amme. „Ein geringer Prozentsatz“, sagt er, „geht verlustig.“ Genau beziffern kann er ihn nicht. Zumal die Verluste nicht nur auf Seiten des Forstbetriebes liegen müssen, wie Sven Kutzner, Bereichsleiter Waldschutz, erklärt: „Wenn das Holz verkauft ist, dann hat die Firma den Schwarzen Peter.“
Holz werde sehr oft über Vorkasse verkauft, „für den Abtransport ist dann der Besitzer zuständig“, erklärt Uschmann. Die Holzströme zu kontrollieren und nachzuvollziehen, ob das Holz, das aufgearbeitet am Waldweg steht, auch ordnungsgemäß abgefahren wird, das sei sehr schwierig. Diebe nutzen das aus. So ist beispielsweise Anfang des Jahres im Hohen Fläming ein gesamter Lkw-Zug illegal abgefahren worden. „Das waren um die 20 Tonnen Holz, zwischen 15 und 20 Festmeter“, sagt Amme. Doch nicht nur im großen Stil wird zugelangt. „Die Leute schrecken ja nicht mal davor zurück, direkt beim Förster vor der Haustür zu klauen.“ Wenn Förster einen Diebstahl feststellen, erfolgt umgehend die Diebstahlanzeige bei der Polizei gegen unbekannt. Doch es sei, bedauert Amme, äußerst schwierig, jemanden in flagranti zu erwischen. Und doch glaubt Sven Kutzner, dass die Bevölkerung in den vergangenen Jahren sensibilisiert wurde, da ein privater Brennholzkunde auf den anderen aufpasse, ebenso achten Jäger vermehrt auf mögliche Holzdiebe. Allerdings sei eben die Fläche so groß, dass eine Überwachung kaum möglich ist.
Holz wird vor allem verfeuert
Und doch scheint es nicht unmöglich, Tätern auf die Schliche zu kommen. Etwa 40 Fälle von Diebstahl im Wald hat die Polizeidirektion Ost in diesem Jahr registriert, „in 20 Fällen gab es einen Tatverdacht gegen Personen“, erklärt Pressesprecherin Doreen Wendland. Die Hälfte aller Fälle wurde dabei im Landkreis Wittenberg registriert. Zur Gesamtschadenshöhe konnte sie allerdings keine Angaben machen.
Diebe, wissen Fachleute, unterscheiden nicht nach Eigentumsarten im Wald. Ob Privatwald, Landeswald oder Stadtwald – sie greifen zu und hinterlassen oft großen Schaden. Mit etwa 3000 Euro hat ihn ein privater Waldbesitzer beziffert, der Wald bei Rotta besitzt. Mindestens 16 über 170 Jahre alte Kiefern wurden illegal geschlagen. Der Besitzer hatte das im April festgestellt – die Diebe waren seit dem August 2009 am Werk. Oder ein anderer Fall in diesem Jahr: Über 35 Raummeter Holz hatten Unbekannte mit einem Transporter abtransportiert, das in der Gemarkung Schmilkendorf und Morxdorf im Landkreis Wittenberg gelagert worden war. Der Verlust beträgt etwa 1000 Euro.
Experten gehen davon aus, dass das gestohlene Laub- oder Nadelholz vor allem verfeuert wird und helfe, die Gas- und Ölkosten zu senken. „Wenn sie mit Holz feuern, heizen sie billiger“, sagt Thomas Keindorf, Landesinnungsmeister des Schornsteinfegerhandwerks in Sachsen-Anhalt und Präsident der Handwerkskammer Halle. „Und wenn sie es klauen, ganz billig.“
 
Heidi Thiemann/MZ

Auch interessant

von