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Holzentladung im Sägewerk

Holztransport in der Corona-Krise

Die Corona-Krise wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und hat die Wirtschaft schwer getroffen. Während der Güterverkehr wegen der Corona-Maßnahmen um 20 % zusammengebrochen ist, kommt  der Holztransport bis jetzt mit einem blauen Auge davon. Das bestätigen auch die Hokztransportaufbauer, die wir zu diesem Thema gesprochen haben.

Anfang April hat die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher in einer Umfrage ermittelt, dass in der Holzbereitstellungskette nicht mit „großen systematischen Versorgungsproblemen“ zu rechnen ist. „Die bisherigen Rückmeldungen aus der Branche stimmen mich vorsichtig optimistisch, dass der Holztransport während der Krise weiter gut laufen kann“, sagte auch Marco Burkhardt, der Geschäftsführer der Bundesvereinigung des Holztransportgewerbes (BdHG). Allenfalls vereinzelt haben die Transportunternehmen zu wenig Arbeit.

Holzindustrie spürt Corona

Im Gegensatz dazu sprach der Bundesverband der Säge- und Holzindustrie (DeSH) sprach Anfang April  von einer ernsten Lage für die Branche und rechnete damit, dass ein Drittel der Mitgliesbetriebe Kurzarbeit einführen würden. Zwei Wochen später gab der Verband ein wenig Entwarnung, die Branche spüre den Corona-Virus weniger als erwartet. Für große Unsicherheiten sorgte in erster Linie der schwierige Schnitt- und Sägerestholzabsatz.

In Österreich ist die Lage aber schlimmer. Dort ist nicht nur die Nachfrage nach österreichischem Nadelsägerundholz abrupt eingebrochen, sondern auch der Abtransport bereits erzeugten Rundholzes vorübergehend fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Die Forstwirtschaft musste darauf mit einer raschen Drosselung des Einschlages reagieren. 

Es kommt den Holztransporteuren zugute, dass die Waldarbeit in Deutschland bisher einigermaßen normal funktioniert und noch immer viel Schadholz aufgearbeitet wird. Selbst wenn die Zufuhr in die Sägewerke stockt, läuft doch viel Sturm- und Käferholz in die wachsenden Nass- und Trockenlager. Auch der Export nach China in Seecontainern nimmt langsam wieder Fahrt auf. Und nicht zuletzt haben die Baumärkte in Deutschland wieder geöffnet, sogar in Italien nahm die Holzindustrie die Arbeit wieder auf.

Holztransportaufbauer erwarten ein Loch

In dieses Bild passen auch die Berichte der Holztransportaufbauer. Sie schilderten uns einen weitgehend normalen Betriebsablauf. Sie haben natürlich dafür gesorgt, dass ihre Belegschaften die Abstandsregeln einhalten können, haben Desinfektionsmittel bereitgestellt und das nötige Informationmaterial verteilt. Die Mitarbeiter halten ihre Pausen teilweise räumlich und zeitlich versetzt ab, und die Lkw-Fahrer dürfen nicht mehr in Werkstatt. Kurzarbeit hat dagegen nur eine Aufbauer für wenige Angestellte eingeführt, aber auch er sagte, dass die Werkstatt mit Reparaturen und Neuaufbauten ausgelastet.

Trotzdem gibt es natürlich Probleme. Dazu zählen Mitarbeiter, die nicht wissen wie sie ihre Kinder betreuen sollen. Oder die vereinfachte Krankschreibung, die dazu geführt hat, dass Mitabeiter wegen des kleinsten Hustens zwei Wochen fehlen.

Schwieriger ist es mit den Bauteilen, mit Hydraulik- oder Krankomponenten, auf die man jetzt durchaus länger warten muss. Besonders bei den Fahrzeugen der Lkw-Hersteller sieht es nicht gut aus. Zwar beginnen Scania, MAN oder Daimler Trucks sukzessive wieder mit der Produktion. Doch die Lieferzeiten verlängern sich, weshalb auch die Kunden auf ihre Bestellungen warten müssen.

Die bestehenden Aufträge sichern gleichwohl noch für eine ganze Weile die Arbeit. Irgendwann im Sommer erwarten die Aufbauer aber ein Loch, denn Neuaufträge sind aktuell Mangelware, weil die Kunden vor einer Neuinvestition die Krise lieber abwarten. Die Frage ist überhaupt, wie es mit der Wirtschaft nach der Corona-Krise weitergeht.

„Man kann sich nicht immer hinter Corona verstecken“, sagte uns Michael Arendt von Schuchardt Fahrzeugbau. Er hat die gleichen Sorgen wie seine Mitbewerber am Markt. Aber er sieht doch auch zuversichtlich in die Zukunft. Deshalb plant er im September trotz der Krise eine Hausmesse, auf der er seine Fahrzeuge vorstellen will.

Der VDA hat die  IAA Nutzfahrzeuge in Hannover zwar noch nicht abgesagt. Aber allzuviel scheinen die Holztransportaufbauer sich von ihr nicht mehr zu versprechen. Die Firma Huttner  Fahrzeugbau hat ihre Anmeldung bereits storniert.

Oliver Gabriel

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