17.07.2017Holzmarkt | Holzmarkt | Holzindustrie, -verbände

Holzabnehmer stellen Nutzen einer zusätzlichen FSC-Zertifizierung in Frage

Vor Kurzem wurde ein internes Papier von HessenForst bekannt, in dem der Landesbetrieb die Auswirkungen der FSC-Zertifizierung untersucht und zu einem vernichtenden Urteil kommt.

DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt.
Foto: DeSH/Angelika Aschenbach
Als wichtigster Holzabnehmer teilt die Säge- und Holzindustrie diese Einschätzung – ein „offenes Geheimnis in der Branche“, urteilt Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer Deutscher Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V.
 
20,7 % der hessischen Waldfläche sind nach dem Waldzertifizierungssystem Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert (Stand Mai 2016 lt. FSC Deutschland).
 
Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband bekräftigt die in den Medien wiedergegebene Einschätzung von HessenForst, dass eine Zertifizierung des Waldes nach dem FSC-Standard aus ökologischer Sicht keine Verbesserungen für den Wald mit sich bringt, jedoch ökonomisch mittel- bzw. langfristig direkte negative Auswirkungen für HessenForst hat. Damit, so der DeSH, wirkt sich die Zertifizierung auf das gesamte Cluster Forst- und Holz in Hessen aus.
 
Weltweit vorbildliche Forstwirtschaft
 
Die Waldbewirtschaftung in Deutschland und insbesondere in Hessen ist weltweit vorbildlich. Strengste Waldgesetze und eine fortschrittliche Forstwirtschaft sorgen dafür, dass der hessische Wald nach dem neuesten Stand von Wissenschaft und Praxis betreut wird. Als Basis dient u.a. im hessischen Staatswald die Waldbaurichtlinie.
 
„Insbesondere der ökologische Nutzen einer zusätzlichen Zertifizierung ist angesichts einer bereits hervorragenden Forstwirtschaft in Hessen sehr fraglich“, so Lars Schmidt, der nach Studium der Forstwirtschaft und Ausbildung bei HessenForst nun Hauptgeschäftsführer des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes sowie Vorsitzender des Landesbeirates Holz in Hessen ist. „Verschiedene Vorgaben im FSC-Waldstandard sind zudem fachlich mit Blick u. a. auf Klimaschutzaspekte sehr umstritten, beispielsweise die Referenzflächen, also unbewirtschaftete Vergleichsflächen, sowie die Reduzierung des Anteils von Nadelbäumen in den Wäldern.
 
Externes Gutachten sollte die richtigen Themen beleuchten
 
Das von der hessischen Umweltministerin Priska Hinz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) angekündigte externe Gutachten sehen die wichtigsten Marktpartner von HessenForst, nämlich die Sägewerke, skeptisch. Ein externer Gutachter kann den komplexen Holzmarkt nur mit sehr fundierten Branchenkenntnissen richtig bewerten und sollte beispielsweise die Auswirkungen auf die CO2-Bilanz, die Ungleichheit der Standards in verschiedenen Ländern, die Wettbewerbsverzerrung, die Holzverfügbarkeit und Effizienzbetrachtungen nicht außer Acht lassen.
 
Dazu erläutert der DeSH-Hauptgeschäftsführer: „Die Unternehmer erleben tagtäglich, welche hoher Mehraufwand für die Zertifizierung dem fehlenden Nutzen gegenübersteht – denn am Markt ist die Nachfrage nach FSC-Holz gering und es wird in der Regel kein höherer Preis bezahlt. Der Endkunde ist offensichtlich nicht bereit, den Zertifizierungs-Aufwand zu honorieren.“
 
Ganz im Gegenteil: auf internationaler Ebene betrachtet ergibt sich für die hessische Forst- und Holzwirtschaft ein Wettbewerbsnachteil aufgrund sehr ungleicher FSC-Standards in den verschiedenen Ländern, selbst innerhalb Europas. „Trotz teilweise sehr unterschiedlicher Vorgaben und Kontrollen von FSC in den einzelnen Ländern ist das Siegel auf den Produkten einheitlich. Ein FSC-Zertifikat sagt dem Endverbraucher jedoch nichts über die Herkunft. Damit werden die heimischen Produzenten ganz klar benachteiligt.“
 
Schwächen der Zertifizierung nach FSC sollen kaschiert werden
 
Kritisch zu sehen ist durch den deutschen FSC-Waldstandard zudem die mittel- bis langfristig reduzierte Gesamtholzmenge in der Bundesrepublik sowie die dadurch größeren Transportentfernungen, um die heimischen Betriebe wettbewerbsfähig mit Rundholz zu versorgen. „Es bleibt der Eindruck, dass FSC mit den überzogenen Waldstandards hierzulande die Schwächen der Zertifizierung in Osteuropa und außerhalb Europas kaschieren will“, so Schmidt.

DeSH

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