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Holz-Rahmenkonstruktion bei Feuerprobe souverän

Holz-Rahmenkonstruktion bei Feuerprobe souverän

Exakt 33 Minuten wurde am 30.1.2013 in der Linzer Brandverhütungsstelle eine 4 m x 4,5 m große Holz-Rahmenkonstruktion im größten Vertikalprüfofen Europas befeuert. Etwa 3500 m³ Gas wurden verbrannt. Dabei entstehen Temperaturen von etwa 850 °C. Das Ergebnis war selbst für Experten überraschend: Souverän hielt die Konstruktion dem Härtetest stand. Sogar bei vermeintlichen Schwachstellen gab es für die Flammen noch kein Durchkommen. Für die Experten vom Technologie- und Innovationsmanagement (TIM) war das freilich der perfekte Ausklang einer Veranstaltung, die sich den Stärken des Holzbaus im Brandschutz widmete. Rund 140 Teilnehmer erlebten den Versuch aus nächster Nähe.

Holz im Brandfall kalkulierbar

„Holz zeichnet sich im Brandfall durch hohe Kalkulierbarkeit aus“, bringt TIM-Projektmanager und Veranstalter Alois Keplinger eine wesentliche Stärke des natürlichen Baustoffes auf den Punkt. In gewisser Weise schützt sich Holz selber, indem das beim Brennen entstehende verkohlte Material wie eine Isolierschicht wirkt und damit die Abbrandgeschwindigkeit begrenzt. „Außerdem wissen wir sehr genau, wie sich die einzelnen Holzwerkstoffe und Holzkonstruktionen im Brandfall verhalten“, präzisierte Arthur Eisenbeiss, der Direktor der Linzer Brandverhütungsstelle und Gastgeber des TIM-Praxisforums. Ziel des Versuchs war es, die Erkenntnisse der Experten aus dem Theorieteil in der Praxis zu testen. „Die eigens für unseren Versuch produzierte Holzrahmenkonstruktion hat alle Erwartungen übertroffen“, ist Alois Keplinger zufrieden.

Praxisforum Brandschutz

Die hochkarätige Expertenrunde (Vortragende der Holzforschung Austria, der Brandverhütungsstelle für Oberösterreich und des Linzer Instituts für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung) und der Live-Brandversuch lockten 140 Interessierte aus der Holzbau-, Bau- und Architekturszene, sowie Feuerwehr- und Brandschutzexperten in das Praxisforum des Technologie- und Innovationsmanagements (TIM).

Die vom Land Oberösterreich und der Wirtschaftskammer Oberösterreich finanzierte Technologietransfer-Einrichtung TIM initiiert jährlich rund 150 Projektentwicklungen und begleitet zirka 50 F&E Vorhaben. Dabei nützen Unternehmen das Know-how und die Ausstattungen von Forschungseinrichtungen (Universitäten, Fachhochschulen, Kompetenzzentren) und verbessern dadurch ihre Wettbewerbsposition. Das Praxisforum Brandschutz veranstaltete TIM gemeinsam mit proHolz Oberösterreich und der Brandverhütungsstelle Linz (BVS). Für den Versuchsaufbau der Feuerwiderstandsprüfung zeichneten die Bauhandwerkerschüler der Linzer HTL1 Bau & Design verantwortlich, die Firmen WIEHAG und Inutmex stellten das nötige Material zur Verfügung. Die Holz-Rahmenkonstruktion wurde vertikal in drei Einzelelemente geteilt und mit unterschiedlichen, jeweils 18 mm starken Holzwerkstoffplatten beplankt: Dreischicht-, MDF- und OSB-Platten. Als Dämmstoff kam Steinwolle zum Einsatz.

Effizienter Brandschutz durch umfassende Betrachtung

Nicht die Einhaltung „starrer“ Vorgaben, sondern die umfassende Betrachtung des gesamten Gebäudes führe zum effizientesten Brandschutz, lautete eine Kernaussage der Veranstaltung. Dabei sei zu berücksichtigen, wie sich die Architektur des Gebäudes, die konkrete Gestaltung, die Nutzungsvorgaben und die einzelnen Brandschutzmaßnahmen gegenseitig beeinflussen. „Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Bauherren, Planern, den Herstellern von Holzbauelementen und Brandschutzexperten voranzutreiben“, begründet TIM-Projektmanager Alois Keplinger die Motivation für das TIM-Praxisforum.

Vorreiterrolle Vorarlbergs

Dass die Möglichkeiten im Holzbau noch lange nicht ausgeschöpft seien, sehe man in Vorarlberg. Aber auch in Oberösterreich setzte man zunehmend auf den Baustoff Holz. Derzeit würden etwa 37 % aller bewilligungspflichtigen Hochbauten in Oberösterreich aus Holz gebaut – Tendenz steigend, betonte Stefan Leitner von proHolz Oberösterreich: „Architektonisch anspruchsvolle Gebäude für praktisch alle Anwendungen werden in Holzbauweise errichtet. Von der Lagerhalle über Kindergärten bis zu 8-stöckigen Wohnhäusern.“ Die derzeitigen Entwicklungen im mehrgeschossigen Wohnbau aus Holz und neueste Erkenntnisse in der Holz- und Brandschutzforschung stimmen zuversichtlich, dass es gelingen wird, dass das älteste Baumaterial des Menschen auch wieder in die Städte zurückkehrt. So konnten in den letzten Jahren mehrere vielgeschossige städtische Gebäude aus Holz realisiert werden. „Diese Entwicklungen stimmen uns als Branche für die Zukunft sehr optimistisch“, erklärte Leitner.

F.-G. Lachner/Haslinger, Keck

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