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Holz nutzen ist eine Zukunftsaufgabe

Holz nutzen ist eine Zukunftsaufgabe

Wer das Klima schützen und die Gesellschaft nachhaltig gestalten will, der muss Holz nutzen und die Wälder bewirtschaften. Das war die einhellige und eindeutige Meinung beim Eröffnungstalk auf der Messe Interforst in München.

Zukunftsaufgabe Holznutzung war das Thema der Gesprächsrunde, jedoch machte Moderator Prof. Dr. Gerd Wegener, der Sprecher des Clusters Forst und Holz in Bayern, gleich zu Beginn deutlich, dass es um mehr geht als nur um Holz. Nachhaltigkeit sei zwar derzeit etwas abgegriffen, aber hochaktuell, wenn sie ernsthaft betrachtet werde. Die weiteren Themen sind laut Wegener Klimawandel, Energie, Biodiversität und Jugend.
Wegen des letzten Begriffs hatte man sich auch die Schülerin Elena Werny in die Runde geholt. Sie ist in der Initiative „Plant for the Planet“ aktiv. Diese Initiative nahm ihren Ausgang vor ein paar Jahren an einer Schule in Haar bei München. Ziel ist es, in jedem Land der Erde eine Million Bäume zu pflanzen. Inzwischen ist „Plant for the Planet“ in 72 Ländern aktiv.
Warum man auf die Nutzung von Holz nicht verzichten könne, hatte Wegener in die Runde gefragt, und Bayerns Forstminister Brunner antwortete, weil in Bayern eine Milliarde Festmeter davon stehen, weil es damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und ein unverzichtbarer Energieträger sowie Bau- und Wertstoff ist. Professor Dr. Wolfgang Seiler, ehemals am Institut für Meteorologie und Klimaforschung, ergänzte, man müsse die Wälder bewirtschaften, weil das Holz nicht vom Himmel falle. Sie sind laut Seiler sehr wichtig für Klima und Wasserhaushalt, durch den Klimawandel aber gefährdet.Genau aus diesem Grund müssen sie bewirtschaftet werden, denn bei der Rasanz des Klimawandels kommen die Wälder von Natur aus nicht mehr mit. Man muss sie durch Nutzung anpassen oder ihnen helfen, sich anzupassen.
Interessant ist auch Seiler Aussage, dass sich mit dem Klimawandel auch die Biodiversität ändern werde, und dass ein Museumsdenken und Stilllegung beim Wald der falsche Ansatz ist.
Biodiversität, also Artenvielfalt, ist für Hans Baur, Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes allein schon durch die Zahl von 700 000 Waldbesitzern in Bayern gewährleistet. Fast jeder von ihnen habe unterschiedliche Ansätze und Ziele in seinem Wald.
Baur stellte auch heraus, dass die Forst- und Holzwirtschaft der einzige Wirtschaftszweig ist, in dem man den Herausforderungen der Gegenwart aktiv begegnen könne.
Von der Forstwirtschaft können andere Wirtschaftszweige lernen, davon ist Dr. Joachim Hamberger vom Verein für Nachhaltigkeit e. V. überzeugt. „Zukunft braucht Herkunft“, betonte er. Über die letzte Finanzkrise brauche man sich nicht wundern, wenn die Studenten vom ersten Tag des ersten Semesters bis zum letzten Tag des letzten Semesters nichts anderes hören als „Geld“. Das möchte Hamberger mit seinen Mitstreitern ändern. Nachhaltigkeit ist für ihn ein ethisches Prinzip, das die Linien langfristig denken, werteorientiert handeln und verantwortungsvoller Fortschritt umfasst.
Ob denn bei so vielen Argumenten für dessen Nutzung der Rohstoff überhaupt ausreicht, fragte Co-Moderatorin Tania Walter von der bayerischen Forschungsallianz, vor allem, wenn man die stoffliche und die energetische Verwertung betrachte.
Im Prinzip ja, meinte dazu Dr. Hans Hartmann vom Straubinger Technologie- und Förderzentrum.  Für ihn ist Holz ein Energiespeicher, und die stoffliche Verwertung somit eine Zwischenspeicherung, die irgendwann auch wieder in der Verbrennung endet. Natürlich müsse man auch bei der Holzverbrennung auf mehr Effizienz achten, aber gerade das sei auch die Chance. Deutschland könne Bioenergie-Weltmeister werden, weil man die beste Technologie habe und die weltweit vermarkten könne.
Im übrigen gebe es viel Holz, bei dem eine stoffliche Verwertung überhaupt nicht zur Debatte stehe, und schließlich würden breitere Verwertungsmöglichkeiten Nachfrage und Preis fördern. Dass aus Deutschland jährlich 100 Mrd. € ins Ausland fließen, um Energie zu kaufen, ergänzte Seiler, ein Teil dieser Wertschöpfung müsse im Land bleiben.
Sepp Kellerer

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