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In NRW erlaubt: Etappen-Kahlschlag am Hohen Knochen

Waldbau von vorgestern am Hohen Knochen

Am Hohen Knochen im Sauerland wandelt ein Privatwaldbesitzer einen 30 ha großen und etwa 100 Jahre alten Buchenwald in einen reinen Fichtenforst um – darunter auch anerkannte Saatgutbestände für die in NRW nur mit 19 % an der Waldfläche beteiligte Buche. Wie der Buchenwald-Experte und Berater der Naturschutzinitiative (NI) Norbert Panek berichtete, hat der Besitzer den einst geschlossenen Bestand in den letzten zehn Jahren etappenweise mit schachbrettartig eingelegten Kahlhieben durchlöchert. Sie sind allerdings jeweils unter 2 ha groß, sodass sie nach dem Landesforstgesetz nicht verboten sind. Auch dieses Jahr soll der Besitzer noch Flächen geräumt haben.

Vernichtung von Wald-Lebensraum

Für Panek und die Naturschutzinitiative hat das „nichts mehr mit ordnungsgemäßer, geschweige denn nachhaltiger Forstwirtschaft zu tun.“ Das sei schlicht Vernichtung von Wald-Lebensraum der übelsten Art.

Man kann diesen Ärger verstehen. Die waldbaulichen Ziele des Waldbesitzers sind unverständlich, schließlich vernichten Trockenheit und Borkenkäfer im Sauerland seit zwei Jahren großflächig die Fichtenwälder. Die Forstbehörden empfehlen den Waldbesitzern schon lange standortsgerechte Mischbestände, die auch im Klimawandel die Waldfunktionen möglichst gut erfüllen. In dem etwa 650 m hoch gelegenen Waldstück wären dabei nach Auskunft des zuständigen Regionalforstamtes Oberes Sauerland bis zu 30 % Fichte denkbar.

Waldbesitzer im Recht

Doch der Waldeigentümer, der auch Besitzer eines Nadelholzsägewerkes ist, hat andere Prioritäten. Trotz einer persönlichen Beratung durch den früheren Leiter des zuständigen Regionalforstamtes im Jahr 2014, blieb er bei seinen Maßnahmen. Das ist einerseits sein gutes Recht, denn er hat weder Fördermittel in Anspruch genommen, noch ist sein Wald naturschutzrechtlich geschützt. Das ergab eine Prüfung durch das Forstamt und die Untere Naturschutzbehörde.

Landtag hat sich eingeschaltet

Andererseits muss man festhalten: In einer Zeit, in der die Naturschützer schon Durchforstungen oder Schirmhiebe in alten Laubwäldern nicht akzeptieren können, fördert ein solcher Waldbau von vorgestern den Verdruss über die Forstpartie insgesamt.

Der Etappenkahlschlag ist mittlerweile sogar im Landtag angekommen, wo die Grünen eine kleine Anfrage gestellt haben. In der Antwort sagt die Regierung zu, den Sachverhalt erneut eingehend zu prüfen. Sie will zudem klären, ob der Kahlschlagbegriff im Forstgesetz geändert werden muss.

Oliver Gabriel

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