Holzverkauf und Holzpreise

Hohe Dynamik am Holzmarkt sorgt für Unruhe

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

In den vergangenen Wochen häuften sich Branchen- und Medienberichte über fehlendes Bauholz. Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) sieht den Markt durch Sondereffekte beeinflusst und appelliert daran, die Dynamik nicht weiter zu befeuern. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2021 stieg die Herstellung von Holzprodukten nochmals um 11 %, der Export verbleibt auf Vorjahresniveau.

„Bedingt durch die Sondereffekte der Corona-Pandemie und Verwerfungen auf den Weltmärkten erleben wir derzeit ein hochdynamisches Geschehen auf dem Holzmarkt, dass durch die aktuelle Debatte weiter befeuert wird. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass die Produktion von Holzprodukten auch im Februar mit einem Plus von mehr als 11 % nochmal deutlich gestiegen, der Export mit einer Steigerung von 0,7 % jedoch nahezu unverändert auf Vorjahresniveau geblieben ist. Ungeachtet der Marktzahlen herrscht dennoch eine extreme Verunsicherung am Markt“, sagt Jörn Kimmich, Präsident des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH).

Weltweiter Bau-Boom durch Corona

Die gestiegene Nachfrage nach Holz aus Deutschland ist eingebettet in einen globalen Bau-Boom. Vielerorts erlebt das Holz inzwischen politische und gesellschaftliche Förderung. Im Zuge der Corona-Pandemie verschoben sich zudem private Prioritäten: Über die ganze Welt wurden Bau- und Renovierungsprojekte vorangetrieben. Allein in Deutschland wuchs die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser im Januar knapp um 16 % gegenüber dem Vorjahr ebenso wie der Bau von Kitas, Büros und dem Hochbau. Starken Zuwachs erleben auch die USA (+10 %).

Der Anteil an Holzbauten steigt hierzulande seit einigen Jahren konstant um 1 %. Die starken Preisanstiege aller baunahen Produkte wie Stahl, Beton und Zement sowie der Zuschlagstoffe und Bindematerialien zeigen, dass sich der Boom auf nahezu alle Materialien auswirke, so Kimmich.

Marktentwicklungen im Februar 2021

Der gewachsene Holzmaterialbedarf in Nordamerika kann aufgrund von Käferschäden und Bränden derzeit nur eingeschränkt aus den dortigen Wäldern versorgt werden. Da auch in China zunehmend auf Holzbauten gesetzt wird und Russland einen Exportstopp für Rundholz verhängte, geht der DeSH für 2021 davon aus, dass die weltweite Nachfrage die globale Produktion übersteigen wird. Anders als kolportiert zeigen die Marktzahlen aus Februar 2021 jedoch auf keine signifikante Steigerung der deutschen Exportaktivitäten hin. Dennoch steigen Preise für Schnittholz und baunahe Holzprodukte seit Jahresbeginn rasant, was zu einem guten Teil auf eine Preisrallye in den USA zurückzuführen ist. Die heimische Holzbaubranche leidet unter dieser Preisexplosion.

Weltpolitische Entwicklungen führen zu starken regionalen Verlagerungen innerhalb eines relativ konstanten Exportvolumens. In diesem Fall von China nach USA und Großbritannien, erklärt Kimmich dazu. Die Nadelschnittholzausfuhr wuchs zwischen 2019 und 2020 von 9,3 auf 9,8 Mio. m3. Dieses Volumen liegt nun auf dem Niveau der Jahre 2006 bis 2008, als die Ausfuhren zwischen 8,5 Mio. und 9,3 Mio. m3 betrugen. In das Jahr 2021 ist die Sägeindustrie mit einem leichten Exportrückgang im Januar und einem marginalen Anstieg von 0,7 % im Februar gestartet.

Produktion weiter ausgeweitet

Insgesamt habe die Nadelschnittholzproduktion in Deutschland mit über 25 Mio. m3 (+8 %) im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht. Die Branche fahre ihre Produktionskapazitäten seit Jahren aus, um Schadholz schnellstmöglich zu verarbeiten. Allein von 2016 bis 2020 seien die Verarbeitungsmengen um 1/5 von 21 Mio. m3 auf mehr als 25 Mio. m3 gestiegen. Für die nächsten Jahre seien zusätzliche Ausweitungen vorgesehen.

Unter anderem wegen unzureichender Möglichkeiten in Lagerung, Transport und Logistik seien den Betrieben aber Grenzen in der Schadholzaufarbeitung gesetzt, manche Produkte erfordern zudem in der Herstellung frisches Holz. Einige Unternehmen seien zudem wegen der Einschränkungen durch das Forstschädenausgleichsgesetz, das die Verfügbarkeit von Fichtenfrischholz in diesem Jahr limitiert, bezüglich Investitionen verunsichert. Die Branche sei auf eine zuverlässige und dauerhafte Rundholzversorgung aus Deutschland angewiesen.

Preisschwankungen werden wohl normal werden

„Nachfrage- und Preisschwankungen, wie wir sie aktuell erleben, wird es künftig vermutlich häufiger geben. Damit gesellt sich Holz zu den anderen Bauprodukten wie Stahl, Zement oder Kies, die schon länger volatil sind“, sagt Kimmich. Es sei daher wichtig, dass sich die ganze Branche auf diese neuen Entwicklungen einstelle: „Wir haben alle das gleiche Ziel. Holz möglichst komplett entlang der heimischen Wertschöpfungskette zu verarbeiten und den Anteil an Holzprodukte und -bauten weiter zu steigern“, appelliert Kimmich abschließend, was wohl als Appell an die Waldbesitzer zu verstehen ist, die Sägeindustrie weiter mit Rundholz zu versorgen.

Der DeSH hat als Ergänzung zu dieser Meldung ein Faktenblatt zur Marktentwicklung erarbeitet.

Quelle: DeSH