Naturschutz, Landschaftspflege

Hochlandrinder unter Eichen

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Robust, langlebig, ganzjährig für Freilandhaltung geeignet: Nur ein paar der vielen Vorzüge, die schottische Hochlandrinder besitzen. Die älteste registrierte Viehrasse zeichnet sich v.a. durch ihren gutmütigen Charakter aus. Bei den Niedersächsischen Landesforsten tragen die Rinder zum Naturschutz bei.

Seit 10 Jahren werden schottische Hochlandrinder in den Hutewald Wohldenberg bei Sillium getrieben. Die Niedersächsischen Landesforsten erhalten durch diese Beweidungsform die offenen Strukturen des Waldes und tragen maßgeblich zum Artenschutz auf der Waldfläche bei. Die roten Rinder werden die kommenden acht Wochen den Wald bewohnen und dort als ökologische Landschaftspfleger zu beobachten sein.

Waldweide wieder genehmigte Biotopschutzmaßnahme

Durch den unersättlichen Appetit der Highlander wird der Wald auf der etwa 1,5 ha großen Fläche offengehalten. Die vier 1,5 Jahre alten schottischen Hochlandrinder am Wohldenberg fressen alles, was auf der Fläche aufkeimt, sodass diese nicht zu wuchert. Vom Mittelalter bis Anfang des 19. Jahrhunderts war die sog. Waldweide eine weitverbreitete Art, um das Vieh sattzubekommen. Diese Art der Beweidung hatte teilweise dramatische Auswirkungen auf den Wald und verhinderte stellenweise u. a. seine Verjüngung. Um die damit verbundenen Übernutzungen der Wälder zu unterbinden, wurde die Waldweide immer weiter zurückgedrängt und später bis heute gesetzlich verboten. Heutzutage wird die Waldweide jedoch vereinzelt wieder als genehmigte Biotopschutzmaßnahme genutzt, durch die die Niedersächsischen Landesforsten Arten unterstützen, die speziell an offene, parkähnliche Lebensräume angepasst sind.

Alte Eichen wie auch deren Totholz sind wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Foto: A. Ahrenhold

Hutewälder haben großen biologischen Wert

Ron Kruck, Revierleiter vor Ort betreut diesen Hutewald und weiß um dessen Wert: „Fledermäuse wohnen in den entstehenden Höhlen und Rindenlücken. Auch Spechte wie insbesondere der Mittelspecht sind auf solche Waldstrukturen angewiesen. Der sehr heimlich lebende Eremit und der Hirschkäfer sind ebenfalls hier auf der Fläche zu finden. Solche Lebensräume sind selten und deshalb haben wir diese historische Nutzungsform wieder aufleben lassen“, erklärt Kruck. Der Hutewald am Wohldenberg beherbergt weiter wahre Naturschätze. Etliche gut 350 Jahre alte Eichen wachsen dort.

Eichen-Nachwuchs bleibt aber erhalten

Um die Übernutzung des Waldes am Wohldenberg zu vermeiden sind vereinzelt kleine Gatter mit jungen Eichen auf der Fläche zu finden. „Die Rinder kommen an die darin geschützten Bäume nicht heran. Dadurch gewährleisten wir, dass der Nachwuchs der alten Eichen wachsen kann. So erhalten wir diese Waldform, welche sich durch das Vorkommen alter Eichen auszeichnet“, erklärt Lutz Eickemeier, stellvertretender Forstamtsleiter im Forstamt Liebenburg.

Quelle: NLF